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ungesättige Kohlenwasserstoffe - Alkene und Alkine (6h)

Reaktionsverhalten: Brennbarkeit, Baeyer-Reaktion, Halogenaddition

Alkene - ungesättigte Kohlenwasserstoffe - Ethen

    Die Doppelbindung aus der Sicht der Quantenmechanik

    Reaktionsverhalten der Alkene - Elektrophile Addition

    Addition von Halogenwasserstoff - Regel von Markownikow

Alkine - Dreifachbindung zwischen Kohlenstoffatomen

Aufgaben: Alkene, Alkine

 

ungesättige Kohlenwasserstoffe - Alkene und Alkine (6h)

Reaktionsverhalten: Brennbarkeit, Baeyer-Reaktion, Halogenaddition

Alkene - ungesättigte Kohlenwasserstoffe - Ethen

Lehrplan

- Reaktionsverhalten und Molekülstruktur (Pr)

- Brennbarkeit, Baeyer-Reaktion, Halogenaddition

Vergleichen mit dem Verhalten von Alkanen

- Mehrfachbindung, Molekülgeometrie

sp2- bzw sp-Hybridisierung, s-p-Modell

Erklären der Ursachen und Folgen der cis-trans-Isomerie

Erläutern des Mechanismus der elektrophilen Addition von Halogen an Ethen

Vorstellen ausgewählter Verbindungen und ihrer Bedeutung, z.B. als Ausgangsstoffe für die Synthese von Kunststoffen

Literatur
Medien
Geräte pneumatische Wanne
Chemikalien Ethanol,konz. SchwefelsäureSeesand,BromwasserPermanganat-Lösung

Ethen (= Ethylen)

Versuch: Herstellung von Ethen durch Wasserabspaltung aus Ethanol (Umkehrung des technischen Verfahrens zur Ethanolsynthese):

 

mit dem aufgefangenen Gas werden folgende Versuche durchgeführt:

- Brennbarkeit: brennbar, schwach rußende Flamme

- Bromwasserprobe: rasche Entfärbung, auch im Dunkeln

- Permanganatprobe: Entfärbung (Oxidation) BAEYER-Probe

Die Permanganatprobe wird zum Vergleich auch mit Hexan durchgeführt.

Kohlenwasserstoffe mit einer C=C-Doppelbindung tragen die Endung -en: Alkene. Die Stellung der Doppelbindung in der Kette wird durch eine Ziffer vorangestellt.

 

Homologe Reihe der Alkene:

Ethen
Propen
Buten 

Isomerie:

But-1-en   But-2-en 2-Methyl-propen

 

But-2-en tritt in zwei isomeren Formen auf.

An der Doppelbindung besteht keine freie Drehbarkeit, weil dazu die p-Bindung aufgebrochen werden muss!

cis-But-2-en                                trans-But-2-en

(Z)-But-2-en                               (E)-But-2-en 

 

Sdp. +4°C                                 Sdp. +1°C

trans-Isomere sind stabiler als cis-Isomere - warum?

Für die eindeutige Kennzeichnung mehrfach substituierter Alkene werden die Substituenten in einer Reihe nach abnehmender Priorität geordnet (Sequenzregel).

Dasjenige Isomer, bei dem die beiden Gruppen höherer Priorität auf der selben Seite der Doppelbindung liegen, wird als Z-Isomer, das andere als E-Isomer bezeichnet.

Es gelten die folgenden Prioritätsregeln:

  • Priorität nach abnehmender Ordnungszahl der direkt an die Doppelbindung gebundenen Atome (z.B. Cl > O > N > C > H )

  • Sind zwei oder mehrere dieser Atome identisch, dann bestimmt die Ordnungszahl des darauf folgenden Atoms die Prioritätenfolge

  • doppelt gebundene Atome (z.B. =O) werden wie zwei einfach gebundene Atome behandelt

 

Die Doppelbindung aus der Sicht der Quantenmechanik

 

Beispiel Ethen:

 

 

Überlappende p-Orbitale bilden eine p-Bindung, deren Elektronenwolken über und unter der Molekülebene liegen.

Im Einklang mit dieser Vorstellung stehen folgende Beobachtungen: - Ethen ist ein ebenes Molekül mit Bindungswinkeln von 120° => keine freie Drehbarkeit um die C=C-Bindungsachse - besondere Reaktivität der C=C-Doppelbindung


Reaktionsverhalten der Alkene - Elektrophile Addition

Lehrplan
Literatur
Medien Orbitalmodelle;  Molekülmodelle
Geräte
Chemikalien Hexan; Hexen; Bromwasser  

 

Versuch: Reaktion von Hexan und Hexen mit Brom - Vergleich

Beobachtung:

Hexen: rasche Entfärbung der Bromlösung, auch im Dunkeln, keine Bromwasserstoffentwicklung.

Hexan: nur bei Belichtung langsame Entfärbung unter Bromwasserstoffentwicklung

 

die p-Bindung wird als elektronenreiche Stelle leicht von elektronensuchenden = elektrophilen Reagenzien angegriffen.

Mechanismus der elektrophilen Addition von Halogen:

 

1. Polarisierung des Halogenmoleküls durch die Doppelbindung: die dichte Elektronenwolke der Doppelbindung stößt die gleichsinnig geladene Elektronenwolke des Halogenmoleküls ab. Ergebnis: p-Komplex

 

2. Adddition des Kations Br+ unter Bildung einer cyclischen, kationischen Zwischenstufe (Carbeniumion): s-Komplex  

- geschwindigkeitsbestimmender Schritt (langsam) - Elektronensextett energetisch ungünstig

 

3. Addition des Anions Br- unter Bildung der 1,2-Dihalogenverbindung

 

Befunde, welche für diesen Mechanismus sprechen:

- In Gegenwart anderer Anionen als Br-, z.B. mit Cl-, NO3-, entstehen gemischte Additionsprodukte. Ist das Carbeniumion einmal entstanden, wird das Bromidion gegenüber anderen Anionen nicht mehr bevorzugt.

- Die Halogenaddition an Alkene läuft in polaren Lösungsmitteln rascher ab. Darin werden Ionen solvatisiert und dadurch deren Bildung erleichtert]


Addition von Halogenwasserstoff - Regel von Markownikow

 

Addition von Halogenwasserstoff - Regel von Markownikow

Ein Alken setzt sich mit Chlorwasserstoff, Bromwasserstoff und Iodwasserstoff zu den entsprechenden Alkylhalogeniden um:

           

Alken + Halogenwasserstoff     ----->           Alkylhalogenid

z.B. wird Ethen durch Iodwasserstoff in Iod-ethen übergeführt:

  CH2=CH2  +  HI  ->   CH3-CH2I

Propen kann zwei Produkte ergeben, je nachdem, welches Kohlenstoffatom sich entsprechend der Orientierung der Addition mit dem Wasserstoff und welches sich mit dem Halogen verbindet. Nahezu ausschließlich entsteht das 2-Iod-propan:

2-Methyl-propen könnte ebenfalls 2 Produkte liefern. In diesem Fall führt die Addition nahezu ausschließlich zum t-Butyliodid:

Markownikow erkannte nach Untersuchung einer großen Zahl von Additionsreaktionen, dass die Additionsrichtung folgendem Prinzip folgt:

Bei der ionischen Addition einer Säure an die C-C-Doppelbindung eines Alkens verbindet sich das Wasserstoffatom der Säure mit dem Kohlenstoffatom, das schon die größere Anzahl Wasserstoffatome trägt.

(Regel von Markownikow)

Mit Hilfe der Markownikow-Regel kann man die Hauptprodukte vieler Additionsreaktionen vorhersagen.

CH3-CH2-CH=CH2 + HX -> ?

Begründung dieser Regel vom Reaktionsmechanismus  her:

Die Orientierung der Addition wird durch das Geschwindigkeitsverhältnis zweier konkurrierender Reaktionen bestimmt: Die Bildung des einen oder anderen Carbeniumions:

  

sekundäres Carbeniumion ist stabiler!

weitere Beispiele (Carbeniumionen und Produkt formulieren):

2-Methyl-propen

2-Methyl-but-2-en

Die Orientierung der Addition richtet sich nach der Bildungstendenz der Carbenium-Ionen (-> +I-Effekt!).

Bei der elektrophilen Addition an die C-C-Doppelbindung wird intermediär das stabilere Carbenium-Ion gebildet.

Reihenfolge der Stabilität: tertiär > sekundär > primär > CH3+

Elektronenliefernde Gruppen verringern die positive Teilladung d+, die sich am Kohlenstoffatom entwickelt, und stabilisieren so den Übergangszustand. Die Stabilisierung des Übergangszustandes senkt die Aktivierungsenergie Eakt und ermöglicht dadurch eine schnellere Reaktion. Das stabilere Carbeniumion entsteht  schneller.

Induktiver Effekt: Der von einem Atom oder einer Atomgruppe ausgehende polarisierende Einfluss:

 

Fortleitung dieses Effekts in der Kette der C-Atome, aber sehr rasche Abnahme und jenseits von C-3 meist nicht mehr feststellbar.

Anordnung nach Richtung und Stärke:  

+ I-Effekt: elektronenschiebend  - I-Effekt: elektronenanziehend
Alkylgruppen H  Halogen und die meisten anderen Substituenten  
C(CH3)3- C-F  
CH3-CH2- C-Cl 
CH3- C-Br
C-I

 

Einfluss von Substituenten auf die Additionsgeschwindigkeit an die Doppelbindung:

relative Geschwindigkeit
CH2=CH2    1
CH3-CH=CH2   2
C(CH3)2=CH2   5,5  
C(CH3)2=CH(CH3)2 14  
CH2=CH-Cl    0,03  
CCl2=CCl2   0,003  

 

Alkine - Dreifachbindung zwischen Kohlenstoffatomen

Lehrplan
Literatur  
Medien
Geräte Gasentwickler mit Wanne und Einleitungsrohr 3 Zylinder mit Deckel  
Chemikalien Kaliumpermanganatlösung Calciumcarbid Bromwasser  

Herstellung von Ethin (=Acetylen) aus Calciumcarbid

                    > 2000°C (Lichtbogen)

CaO  +  3 C  ->  CaC2  +  CO

Historische Bedeutung dieser Reaktion (Kohlebasis der organischen Chemie, Trostberg)

Versuch: Reaktion von Calciumcarbid mit Wasser

CaC2  +  2 H2O  ->  C2H2  +  Ca(OH)2

nacheinander werden drei Zylinder mit Ethin gefüllt für die folgenden Versuche

- Brennbarkeit? -> stark rußende Flamme

- Bromwasserprobe -> langsame Entfärbung

- Permanganatprobe -> Entfärbung

 

Eigenschaften und Verwendung von Ethin

- Bildung aus den Elementen ist endotherm, also ist der Zerfall exotherm:

C2H2  ->  2 C  +  H2    DH = - 227 kJ/mol

Konsequenz für Aufbewahrung: Lösung unter schwachem Druck in Aceton, gelbe Flaschen (Druck oder Hitze kann spontanen, explosionsartigen Zerfall auslösen)

 

- wegen hoher Verbrennungswärme Verwendung zum autogenen Schweißen und Schneiden (Ethin/Sauerstoff 3000°C!, Schweißen und Schneiden sogar unter Wasser möglich):

2 C2H2  +  5 O2  ->  4 CO2  +  2 H2O   DH = -2600 kJ/mol

früher: Carbidlampe (Eisenbahn, Fahrräder)

 

- Salzbildung mit Metallen: Acetylide

Schwermetallacetylide sind äußerst explosiv! z.B Silberacetylid

 Ag2C2  ->  2 Ag  +  2 C

 

- Additionsreaktionen an die Dreifachbindung ähnlich wie bei Ethen, etwas reaktionsträger

                                                                                                                                              1.2-Dibromethen

 

Bindungsverhältnisse in Ethin

 

 

- linearer Bau

- zwei senkrecht aufeinanderstehende p-Bindungen

- zylinderförmig von negativer Ladung umgeben

 

Aufgaben: Alkene, Alkine

Abituraufgaben (Aufgaben in Klammern erfordern Kenntnisse, die erst später behandelt werden) 

1995 IV 2 Dehydratisierung von Propan-2-ol und Ethanol - Geschwindigkeit - Säurekatalyse; Propen+HCl - Markownikow

1996 II 2 Propen+HCl - Markownikow - Mechanismus; HBr an trans-Pent-2-en; Ethen u. Benzol + Cl2

1996 III 2 Ethin aus Methan - Benzol aus Ethin; Molekülgeometrie u. Orbitalmodell von Benzol und Ethin; Benzol, Phenol, Toluol + Brom 

1997 I 2 Ethen, 2,3-Dimethylbut-2-en, Tetrachlorethen+ Br2 - Mech.; Ethen in wässr. Bromlösung->2-Bromethanol, 2 Dibromethene

1999 III 2 Propen und Propensäure + Brom - Mechanismus; Bildung von 3-Brom-propansäure

2001 I 2.2 Monochlorethan durch Addition - Mechanismus

2002 II 1 Methylpropen mit HBr - Mechanismus, Markownikow, Baeyer-Probe mit Teilgleichung

2003 I 2 Ethylbenzol - Bromierung von Ring und Seitenkette, Mechanismus, Styrol, Hauptprodukt

2003 II 2 Buta-1,3-dien u. Propen, Orbitalmodell, +Br2, Mechanismus, auch 1.4-Addition, Radikal.Subst. an Propen

 

 

A1 Was erhalten Sie bei der Reaktion von 1 Mol 2,3,4,5-Tetramethyl-hexa-2,4-dien mit 1 Mol Chlorwasserstoff? (mit Begründung anhand der dabei auftretenden Zwischenstufen!)

A2 [A2-Lösung] Geben Sie die Strukturformeln und Namen aller Isomeren (ohne Ringstrukturen!) mit der Summenformel C4H6 an.

A3 [A3-Lösung] Ordnen Sie die folgenden Alkene nach steigender Additionsgeschwindigkeit von Brom (nur Nummernfolge angeben!):

      I.         II.           III.        IV.

A4 [A4-Lösung] Geben Sie die Strukturformeln und die Namen der Hauptprodukte an, die bei der Addition von 1 Molekül Chlorwasserstoff an die folgenden Verbindungen entstehen und begründen Sie Ihre Entscheidung:

    I.                   II.

    

A5 [A5-Lösung] Erläutern Sie in Form einer beschrifteten Skizze den räumlichen Bau und die Bindungsverhältnisse beim Propen!

 

Lösungen zu den Aufgaben 

A2-Lösung

CH3-CH=C=CH2            Buta-1,2-dien

CH2=CH-CH=CH2            Buta-1,3-dien

CHC-CH2-CH3     But-1-in

CH3-CC-CH3     But-2-in

A3-Lösung    III -> I -> IV -> II

A4-Lösung

2-Chlor-2,3-dimethyl-butan  - es bildet sich intermediär das stabilere tertiäre Carbeniumion!

1-Brom-4-chlor-2,4-dimethyl-hex-1-en; es bildet sich bevorzugt das tertiäre Carbeniumion - die zweite Doppelbindung wird durch den -I-Effekt des Bromatoms desaktiviert             

A5-Lösung