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Alkohole  

    Struktur und Nomenklatur der Alkohole

    Physikalische Eigenschaften der Alkohole (Pr.)

    Reaktionsverhalten (Pr): Alkoholatbildung, Protonierung, Oxidierbarkeit  

        Alkoholatbildung  

        Protonierung der Hydroxylgruppe - Bildung von Ether und Alken  

        Verhalten primärer, sekundärer und tertiärer Alkohole gegen Oxidationsmittel  

    Technisch wichtige Alkohole: Methanol und Ethanol  

    Aufgaben: Alkohole

Alkohole

physikalische Eigenschaften (Pr): Löslichkeit, Siedepunkt

Struktur und Nomenklatur der Alkohole

Lehrplan Vorstellen wichtiger Vertreter: Methanol, Ethanol, Glycol, Glycerin; Aufzeigen einer technisch bedeutsamen Synthese (->MT); Hydroxylgruppe als funktionelle Gruppe; Erkennen der Einteilung und Anwenden der Nomenklatur  
Literatur Jakob/Hoffmann/Glöckner:Struktur u.Reaktionsverhalten S.64
Medien
Geräte
Chemikalien Methanol, Ethanol, Glycol, Glycerin

 

Alkohole sind Derivate der Kohlenwasserstoffe, bei denen ein oder mehrere Wasserstoffatome durch Hydroxylgruppen ersetzt sind.

Allgemeine Formel: R-OH

Homologe Reihe, Nomenklatur, Isomerie, Siedepunkte der Alkanole:

Sdp.
CH3-OH  Methanol 65°C
CH3-CH2-OH Ethanol 78°C
CH3-CH2-CH2-OH Propanol 98°C
CH3-CH2-CH2-CH2-OH  Butanol
CH3-CH2-CH2-CH2-CH2-OH Pentanol

 

Isomerie:

 

Propan-1-ol            Propan-2-ol (=Isopropanol)

(primär)                     (sekundär)

 

Butan-1-ol                                  Butan-2-ol                                               2-Methyl-propan-2-ol 

(primär)                                      (sekundär)                                               (tertiär)

 

2-Methyl-propan-1-ol

 

Nach der Stellung der OH-Gruppe an einem primären, sekundären oder tertiären Kohlenstoffatom unterscheidet man primäre, sekundäre und tertiäre Alkohole.

Nach der Zahl der OH-Gruppen unterscheidet man einwertige von mehrwertigen (mehrfunktionellen) Alkoholen (Glycol, Glycerin)

Ethandiol                          Propantriol

(=Glycol)                           (=Glycerin)

 

Physikalische Eigenschaften der Alkohole (Pr.)

Lehrplan Bewusst machen der Abhängigkeit von der Molekülgröße und der Zahl der Hydroxylgruppen; Vergleichen mit Kohlenwasserstoffen entsprechender Molekülmasse; Hinweis auf die Verwendung von Alkoholen als Lösungs- und Frostschutzmittel
Literatur Jakob/Hoffmann/Glöckner: Struktur u. Reaktionsverhalten S.64
Medien
Geräte
Chemikalien Methanol, Ethanol, Propanol, Butanol, Pentanol, Dodecanol Sudanrot

 

Erklärung der hohen Siedepunkte der Alkohole (im Vergleich zu Alkanen gleicher Molekülmasse: Assoziation über Wasserstoffbrückenbindungen, ähnlich wie beim Wasser:

 

Löslichkeit der Alkanole

Versuch: Löslichkeit von Methanol, Ethanol, Propanol, n-Butanol, Pentanol, Dodecanol in Wasser 1 : 1 (Sudanrot-Färbung)

Ergebnis:

Ergebnis:

- Unbeschränkte Mischbarkeit nur bei Methanol, Ethanol und Propanol

- je länger der Alkylrest, desto geringer die Wasserlöslichkeit

       hydrophil   hydrophob (=lipophil)

                  OH-----CH3

                  OH-----CH2--CH3

                  OH-----CH2--CH2--CH3

                  OH-----CH2--CH2--CH2--CH3          usw.

Mit zunehmendere Kettenlänge des Alkylrestes bestimmt dieser das Löslichkeitsverhalten.

Energieverhältnisse beim Lösungsvorgang der Alkohole in Wasser diskutieren und die Unlöslichkeit von reinen Kohlenwasserstoffen in Wasser energetisch begründen.

 

Reaktionsverhalten (Pr): Alkoholatbildung, Protonierung, Oxidierbarkeit

Alkoholatbildung

Lehrplan Vergleichen der Reaktionen von Wasser bzw. Alkohol mit Natrium 
Literatur Jakob/Hoffmann/Glöckner: Struktur u. Reaktionsverhalten S.68  
Medien
Geräte Fön Leitfähigkeitsprüfgerät
Chemikalien Natrium  Isopropanol

 

Versuche:  5 ml abs. Ethanol oder Isopropanol mit blankem Natrium versetzen

a) mit dem entweichenden Gas die Knallgasprobe durchführen.

b) Prüfung der Leitfähigkeit der Lösung und Vergleich mit der Leitfähigkeit von reinem Alkohol

c) Probe auf Uhrglas eindampfen (Heißluftfön), den weißen Rückstand mit Wasser und Phenolphthalein versetzen

Analogie zur Reaktion von Wasser mit Alkalimetallen!

R-O-H   <-------==>   R-O-  +   H+    /*2        Ks=10-16

       

 Na     ----------->    Na+   +   e-   /*2

2 H+  +  2 e-  ----------->   H2

-------------------------------------------------------------

2 R-O-H  + 2 Na  --------->  2 R-O-Na+  +   H2

                                                                       Natrium-alkoholat

                                                                       R = C2H5: Natrium-ethanolat

Alkoholate sind salzartig aufgebaut (Leitfähigkeit!)

Reaktion mit Wasser: -> alkalische Reaktion

R-O-   +   H-O-H   <=>   R-O-H   +    OH- 

Alkohole als Brönsted-Säuren bzw. Basen

Strukturelle Verwandtschaft der Alkohole R-OH mit Wasser H-OH

Wiederholung:

Rolle des Wassers nach der Brönsted-Theorie

allgemein:

HA      +      B-   <=>      A-     +      HB

Säure        Base                          korrespondierende     korrespondierende

                                                      Base                            Säure

- Bei Säure-Base-Reaktionen konkurrieren zwei verschiedene Basen um Protonen.

- Wenn eine Säure (Protonendonator) mit einer Base (Protonenakzeptor) reagiert,  so bildet die Säure ihre konjugierte Base und die Base die konjugierte Säure.

- Säure-Base-Reaktionen sind umkehrbar.

 

Wasser als Brönsted-Base:

HOH  +  HCl  ->  H3O+   +   Cl-

                                          Oxoniumion

 

Wasser als Brönsted-Säure:

HOH  +  NH3  ->  NH4+   +   OH-

 

Alkohole als Brönsted-Basen (Protonenakzeptoren):

Versuch: Leitfähigkeit einer Lösung von Chlorwasserstoff in wasserfreiem Alkohol

 

                                                                              Alkyloxoniumion

Die Leitfähigkeit der Lösung beruht auf der Bildung von Alkyloxoniumionen R-OH2+, sie entsprechen formal den Oxoniumionen H3O+, die sich beim Einleiten von Chlorwasserstoff in Wasser bilden.

Alkohole als Brönsted-Säuren (Protonendonatoren):

Wasserstoff ist mit einem stark elektronegativen Element verbunden. Dadurch ist die Abspaltung des Protons erleichtert.

Vergleich der Säurestärke (Acidität ) von Alkoholen und Wasser

Die Acidität dieser Verbindungen zeigt sich in ihren Reaktionen mit Metallen (Natrium), wobei sich Wasserstoff bildet.

Aus ihren Salzen werden sie durch eine stärkere Säure verdrängt:

H-O-H    +   R-O-   <=>    H-O-      +       R-O-H

stärkere                  stärkere                    schwächere                    schwächere

Säure                      Base                         Base                                Säure

Begründung dieser Unterschiede durch den +I-Effekt der Alkylgruppe! (Destabilisierung des Alkoholations)

 

Protonierung der Hydroxylgruppe - Bildung von Ether und Alken

Protonierung der Hydroxylgruppe - Bildung von Ether und Alken in Konkurrenzreaktionen

Lehrplan Bildung von Ether und Alken in Konkurrenzreaktionen
Literatur Jakob/Hoffmann/Glöckner: Struktur u. Reaktionsverhalten S.64  
Medien
Geräte
Chemikalien

 

Lässt sich die alkoholische OH-Gruppe substituieren?

- keine direkte Abspaltung der OH-Gruppe, auch keine direkte Substitution durch ein nucleophiles Teilchen (die austretende OH-Gruppe ist ebenfalls stark nucleophil)

aber in stark saurer Lösung:

Wird dieses Oxoniumion durch ein Nucleophil N- angegriffen, so tritt das sehr viel schwächer nucleophile Wassermolekül aus.

Reaktion mit Säuren unter Wasserabspaltung: Esterbildung

 

R-CH2-OH  +  HCl    ->   R-CH2-Cl  +  H2O

 

R-CH2-OH  +  H2SO4  ->   R-CH2-O-SO3H  +  H2O

                                                                        Schwefelsäureester

Reaktion mit Alkohol: Etherbildung

Ether: Zwei Alkylgruppen sind durch eine Sauerstoffbrücke verbunden: R-O-R  bzw. R-O-R´

allgemein:

R-OH  +  HO-R   ->  R-O-R  +  H2O

Bildung von Alken als Nebenprodukt!

Das Alkyloxoniumion als gemeinsames Zwischenprodukt:

Bei welchen Alkoholen ist die Alkenbildung begünstigt?

Mechanismus der Etherbildung:

Wegen zunehmender Stabilität der Carbeniumionen in der Reihenfolge primär -> sekundär -> tertiär bilden tertiäre Alkohole am leichtesten Alken

 

Verhalten primärer, sekundärer und tertiärer Alkohole gegen Oxidationsmittel

Verhalten primärer, sekundärer und tertiärer Alkohole gegen Oxidationsmittel

Lehrplan Verhalten primärer, sekundärer und tertiärer Alkohole gegenüber angesäuerter Dichromatlösung; Aufstellen der Reaktionsgleichungen
Literatur Jakob/Hoffmann/Glöckner:Struktur u.Reaktionsverhalten S.77-80  
Medien
Geräte
Chemikalien Propanol, Isopropanol, t-Butanol, Dichromatlösung

 

Versuch: Verhalten eines primären, sekundären und tertiären Alkohols gegenüber schwefelsaurer Kaliumdichromatlösung

Kaliumdichromat + Schwefelsäure 

+ Propan-1-ol  (primär)

+ Propan-2-ol  (sekundär)

+ 2-Methylpropan-2-ol  (tertiär)  

 

Beobachtung: Grünfärbung bei Propan-1-ol und Propan-2-ol, kein Farbumschlag bei tert. Butanol.

Die Grünfärbung deutet auf eine Reduktion des Dichromat-Ions hin:

Cr2O72-  +  6 e-  +  14 H+  ------->  2 Cr3+  +  7 H2O

Primäre Alkohole gehen durch Oxidation in Aldehyde über. Durch Weiteroxidation entstehen daraus die Carbonsäuren:

primärer Alkohol                           Aldehyd                              Carbonsäure

 

Sekundäre Alkohole werden zu Ketonen oxidiert:

                                                                           Keton

Tertiäre Alkohole werden unter diesen Bedingungen nicht oxidiert. Bei Einwirkung stärkerer Oxidationsmittel wird die Molekülstruktur aufgebrochen.

 

Zur Aufstellung vollständiger Reaktionsgleichungen muss die Oxidationszahl des Kohlenstoffatoms mit der funktionellen Gruppe ermittelt werden.

Oxidationszahl bei organischen Verbindungen, Redoxgleichungen

Ermittlung der Oxidationszahl eines Atoms in einer organischen Verbindung:

- Innerhalb des Teilchens (Molekül, Ion) werden die Atombindungen gedanklich aufgespaltet.

- Die Trennung erfolgt zwischen gleichartigen Atomen homolytisch, zwischen verschiedenen Atomen heterolytisch, wobei die Bindungselektronen dem elektronegativeren Partner zugeteilt werden.

- Die Oxidationszahl erhält man durch einen Vergleich der so erhaltenen Elektronenverteilung eines gebundenen Atoms mit der Zahl der Valenzelektronen eines isolierten Atoms:

Beispiel:

+6                                                                                        +3

Cr2O72-  +  6 e-  +  14 H+  ->  2 Cr3+  +  7 H2O   

          -1                                          +1

R-CH2-OH     ->    R-CH=O   +  2 e-  + 2 H+  /*3

primärer Alkohol                         Aldehyd                

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 3 R-CH2-OH + Cr2O72- + 8 H+  -> 2 Cr3+ + 3 R-CHO + 7 H2O

 

Übungsaufgaben:

1. 2-Propanol mit Dichromat  

2. Ethanol zu Ethansäure

3. Methanol zu Methanal 

4. Methanol zu Kohlenstoffdioxid                                              

 

*Technisch wichtige Alkohole: Methanol und Ethanol

Methanol

Technische Herstellung:

- früher (bis 1923) durch trockene Destillation von Holz in geringer Ausbeute (2-3%) "Holzgeist"

- heute aus Synthesegas (evtl. Kohle als Rohstoff):

            350°C, 200 bar, [ZnO,Cr2O3]

CO  +  2 H2 ->  CH3OH   exotherm

- einer der billigsten organischen Stoffe! Treibstoffzusatz, Lösungsmittel, wichtiger Ausgangsstoff für Synthesen (z.B. Einführung von Methylgruppen)

- starkes Gift! 5-10 g führen zu Nervenschädigung und Erblindung, d.l. 25 g. Ethanol wirkt als Gegenmittel.

 

Ethanol

Herstellung:

- durch Vergärung von Zuckern in Gegenwart von Hefe: VERSUCH

C6H12O6  ->  2 C2H5OH  +  2 CO2    exotherm

Gewinnung von reinem Ethanol (96%) durch Destillation "Weingeist" VERSUCH

Absoluter Alkohol

- aus Ethen durch Hydratisierung (=Wasseranlagerung):

CH2=CH2  +  H2O  ->  CH3-CH2-OH

- physiologische Wirkung: Euphorie, Excitation, Narkose

- alkoholische Getränke:

Bier 3-5%

Wein 6-19%

Branntweine und Liköre 20-55% (bei Spirituosen Vol%)

 

Aufgaben: Alkohole

Abituraufgaben (Aufgaben in Klammern erfordern Kenntnisse, die erst später behandelt werden) 

2003 IV 2: Bildung von Alken und Ether aus Propan-1-ol und Methylpropan-2-ol

(2003 III 1.4: Oxidation mit Dichromat - Redoxgleichung)

(2001 III 1 Vergleich der Acidität von Alkoholen, Phenolen und Carbonsäuren)

(2001 I 3.1 Tautomerie-Gleichgewicht Ethenol und Ethanal)

(2000 IV 1 Oxidation von X mit Dichromat)

1999 II 1 Oxidierbarkeit von Alkoholen zu Carbonsäuren, Gleichung

1998 IV 2.1 Siedetemperaturen der Alkohole

1998 I 3 Reaktion von Butan-1-ol und Methylpropan-2-ol mit Natrium und Dichromat/Schwefelsäure

1997 IV 2 Propan-1-ol, Propan-2-ol, Methylpropan-2-ol: Acidität, Alkenbildung, Oxidation

1995 IV 1.3 Löseverhalten von Pentan-1-ol und 2,2-Dimethylpropan-1-ol vergleichen

 

Welche Produkte könnten bei der Oxidation von Glycerin entstehen und welche Produkte bei der Reduktion? Schreiben Sie Strukturformeln und Namen der Verbindungen auf.

 

Ethanol kann durch Kaliumpermanganat in saurer Lösung zu Ethansäure oxidiert werden. Stellen Sie die Reaktionsgleichung in Ionenform auf (Oxidations-, Reduktions- und Gesamtvorgang).