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Aromatische Verbindungen (6h)

Benzol - Strukur und Bindungsverhältnisse

    Stabilität des Benzolrings - Orbitalmodell

    Elektrophile Substitution am Benzolring

Toluol - Kern und Seitenkettenhalogenierung (KKK/SSS)

Kondensierte und heterocyclische Aromaten

Aufgaben: aromatische Verbindungen

 

Aromatische Verbindungen (6h) 

Benzol: Reaktionsverhalten, aromatischer Charakter, Molekülstruktur - Mesomerie, Grenzstrukturformel, Mesomerieenergie - andere aromatische Verbindungen

Benzol - Struktur und Bindungsverhältnisse

Lehrplan Beschreiben des aromatischen Zustands mit Hilfe des Orbitalmodells; Aufzeigen der Molekülgeometrie; Erläutern des Mechanismus der elektrophilen Substitution am Beispiel der Halogenierung
Literatur
Medien
Geräte
Chemikalien Benzaldehyd; Benzol; Toluol; Phenol; Salicylsäure-methylester

 

Charakteristisch riechende Verbindungen aus Balsamen, Harzen und ätherischen Ölen wurden wegen ihres "Aromas" als aromatische Verbindungen bezeichnet, z.B.

Benzoesäure C7H6O2

Benzylalkohol C7H8O aus Benzoeharz

Benzaldehyd C7H6O aus Bittermandeln

Toluol C7H8 aus Tolubalsam

Phenol C6H5OH aus Steinkohlenteer, aus Salicylsäure

Kekulé erkannte als erster, dass in allen diesen Verbindungen eine gemeinsame C6-Gruppierung enthalten ist, die bei den üblichen chemischen Umsetzungen erhalten bleibt.

C6H5-COOH   C6H5-CH2-OH   C6H5-CHO   C6H5-CH3   C6H5-OH  

Grundkörper Benzol wurde 1825 von Faraday aus komprimiertem Leuchtgas abgeschieden. Verbrennungsanalyse und Dampfdichtebestimmung ergab die 

Summenformel von Benzol: C6H6

Namengebung: Mitscherlich: Benzin (irreführend, keine Beziehung zu Chinin) Liebig: Benzol (in Anlehnung an Öl), Laurent: Phen (heute noch in Phenyl- enthalten)

Steinkohlenteer wurde als Quelle für aromatische Verbindungen erkannt - erste synthetische Farbstoffe (Perkins Mauvein) - neuer Industriezweig, Konkurrenz zu Naturfarbstoffen Indigo, Purpur, Krapp - rasche Entdeckung weiterer Farbstoffe auf reim empirischem Wege - Verlangsamung der Entwicklung - dringendes praktisches Bedürfnis nach Aufklärung der Konstitution des Benzols!

Formal denkbare Strukturmöglichkeiten unter Beibehaltung der Vierbindigkeit des Kohlenstoffs? In jedem Fall: stark ungesättigter Charakter erwartet, z.B.

CH2=C=CH-CH=C=CH2  1,2,4,5-Hexatetraen

Versuche zum Reaktionsverhalten des Benzols:

- Verbrennung von Benzol: stark rußende Flamme (erinnert an Ethin - ungesättigtere Charakter!)

- Bromwasserprobe: keine Veränderung! - Vergleich mit Cyclohexan und Cyclohexen

- Permanganatprobe (Baeyer-Probe = Schütteln mit sodaalkalischer Permanganat-Lösung): keine Veränderung

- Reaktion von Benzol mit Brom und Eisenpulver - Substitution!!

 

Struktur des Benzols

Benzol ergibt ein Mono- und drei Disubstitutionsprodukte.

Kekules Strukturvorschlag: Cyclohexatrien

 Diese Strukturformel erklärt die Zahl der Mono- und Disubstitutionsprodukte:

 

Was Kekules Strukturvorschlag nicht erklärt:

- Beständigkeit gegenüber Additionsreaktionen

- Leichtigkeit, mit der Substitution eintritt.

Bei Addition Addition (Beispiel?) wird das Ringsystem von 3 konjugierten Doppelbindungen zerstört, während es bei der Substitution unversehrt bleibt.

 

Stabilität des Benzolrings - Orbitalmodell

Unmöglichkeit, mit der klassischen Valenzstrichschreibweise den Bindungszustand im Benzol richtig wiederzugeben

Orbitaltheorie "löst" das Benzolproblem:

ebener Bau - völlig regelmäßig (alle C-C-Bindungen gleich lang)

- sp2-Hybridisierung aller C-Atome - jedes C-Atom trägt ein 2p-Orbital, das senkrecht zur Molekülebene steht -> delokalisierte p-Elektronenwolke oberhalb und unterhalb der Ringebene - Stabilisierung durch Resonanz:

 

 

Vergleich der Hydrierungswärmen von Cyclohexen, Cyclohexadien und Benzol ermöglicht Abschätzung der Stabilisierungsenergie.


Mesomerieenergie des Benzols: 150 kJ/mol

Die Tatsache, dass Benzol bei der Hydrierung 150 kJ/mol weniger Energie freisetzt als vorhergesagt kann nur bedeuten, dass es um 150 kJ/mol weniger Energie enthält, d.h. es ist um diesen Energiebetrag stabiler.

 

Elektrophile Substitution am Benzolring

Lehrplan Erläutern des Mechanismus der elektrophilen Substitution am Beispiel der Halogenierung
Literatur akob/Hoffmann: Grundl.1 S.180
Medien
Geräte Rggl. mit Stopfen u. Ableitungsrohr
Chemikalien Benzol  Brom  Eisenpulver Silbernitratlösung

 

Versuch: [ABZUG] 1 ml Benzol mit 10 Tr. Brom versetzen, eine Sp. Eisenpulver zusetzen, wenn Reaktion nicht sofort einsetzt, schwach erwärmen. Gas mit feuchtem Universalindikatorpapier prüfen und in Silbernitratlösung einleiten.

Summengleichung:  Substitution!

C6H6  +  Br2  ----->  C6H5Br  +  HBr

                                                    Brombenzol               Bromwasserstoff

Mechanismus:

Wirkung des Eisens als Katalysator: Der elektrophile Angriff wird durch Bildung von Brom-Kationen erleichtert:

Fe  +  Br2  ->  FeBr3

FeBr3  +  Br2  ----->  Br+[FeBr4]-

elektrophiler Angriff des Brom-Kations unter Bildung des s-Komplexes (rasch) - Bildung des p-Komplexes unter Aufhebung des aromatischen Charakters (langsam, schwierig, wegen Mesomeriestabilisierung dennoch möglich - Rearomatisierung unter Abspaltung eines Protons.

 

Nitrierung:

Versuch: Herstellung von Nitrobenzol

Das Nitroniumion NO2+ wirkt als Elektrophil.

In reiner Salpetersäure ist nur wenig NO2+ vorhanden, entstanden durch Autoprotolyse.

Durch Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure wird die Konzentration von NO2+ stark erhöht:

HNO3  +  2 H2SO4  ->  NO2+  +  H3O+  +  2 HSO4-

Formulierung des Reaktionsmechanismus der Nitrierung

 

Eigenschaften von Nitrobenzol, Verwendung

Durch Reduktion von Nitrobenzol wird Anilin (= Aminobenzol) hergestellt:

C6H5-NO2  ----------------Reduktion, z.B. mit H2 aus Zn/HCl --------------> C6H5-NH2

 

Toluol

Kern und Seitenkettenhalogenierung (KKK/SSS)

Lehrplan  Erarbeiten der Konkurrenzreaktion bei der Halogenierung von Alkylbenzolen: Radikal- bzw. Ionenmechanismus in Abhängigkeit von den Reaktionsbedingungen
Literatur Jakob/Hoffmann/Glöckner S.60-63
Medien
Geräte
Chemikalien Toluol  Brom  Eisenpulver  Silbernitratlösung  pH-Indikatorpapier

Versuche: 1 ml Toluol + 10 Tr. Brom + Sp. Eisenpulver

- evtl. Kühlung mit Wasser

- Prüfung des entweichenden Gases mit Silbernitratlösung und pH-Indikator

- Geruch des Reaktionsproduktes nach Ausgießen in eine Petrischale prüfen

Toluol (Methylbenzol)                                          o-Bromtoluol              p-Bromtoluol

Unter den Reaktionsbedingungen: Kälte und Katalysator (Fe) erfolgt elektrophile Substitution im Kern nach Ionenmechanismus: „KKK-Regel“.

Die Alkylgruppe erleichtert den Eintritt des Halogens im Kern und lenkt in o,p-Stellung. (Begründung?)

 

Versuch: 1 ml Toluol + 10 Tr. Brom - ohne Katalysator

- Belichtung im Lichtkegel des Tageslichtprojektors - Einleiten des Gases in Silbernitratlösung

- Geruch des Reaktionsproduktes nach Ausgießen in eine Petrischale prüfen

 

Toluol                      Phenyl-brommethan  Phenyldibrommethan  Phenoltribrommethan

                                tränenreizender Geruch!

Unter Bedingungen, welche die Bildung von Radikalen fördern (Siedehitze/Sonnenlicht), erfolgt Substitution in der Seitenkette: „SSS-Regel“.

Ursache: Benzylradikale sind durch Mesomerie energetisch stabilisiert:

Verwendung von Toluol: Lösungsmittel, Ausgangsmaterial für Farb- und Sprengstoffe

2.4.6-Trinitrotoluol (=TNT) Formel?

 

Kondensierte und heterocyclische Aromaten

Lehrplan Hinweis auf kondensierte Systeme und N-Heterocyclen (->B12) Bewusst machen der kanzerogenen Wirkung bestimmter Aromaten (->GE,U,MT)
Literatur Jakob/H.:Grundlagen 1 S. 182-187
Medien
Geräte
Chemikalien Naphthalin  Anthracen  Phenanthren  Pyridin

Kondensierte aromatische Ringsysteme:

Naphthalin: - mit 7% häufigster Aromat des Steinkohlenteers - Geruch nach Mottenkugeln(!) - wird leichter substituiert als Benzol - Ausgangsstoff für viele Farbstoffe

Anthracen: - Ausgangsstoff für viele Farbstoffe (Anthrachinonfarbstoffe)

Phenanthren: - Ringsystem hydriert in Steroiden (Sexualhormone) und manchen Alkaloiden (Morphin)

Benzpyren: - Vorkommen im Ruß, Auspuffgasen, Tabakrauch - kancerogen!!!

Heterocyclen: Verbindungen, die außer Kohlenstoff noch andere Elemente, vor allem Stickstoff, Sauerstoff oder Schwefel als Ringglieder enthalten

 

Aufgaben: aromatische Verbindungen

Abituraufgaben (Aufgaben in Klammern erfordern Kenntnisse, die erst später behandelt werden) 

1994 II 2 Phenylpropan aus Propan-1-ol und Benzol <Friedel-Crafts-Alkylierung nicht mehr im LP>

1995 II 1 Mesomerieergie des Benzols am Beispiel Hydrierungsenthalpie, Nitrierung von Benzol u.Phenol, Acidität

1996 II 2 Ethen und Benzol mit Cl2 - Vergleich, Mechanismus, Energiediagramme 

1996 III 2 Benzol aus Ethin, Benzol-Orbitalmodell, Benzol, Toluol (und Phenol) mit Brom - Mechanismen

1997 II 2 Brom mit Methylbenzol, Produkte, Reaktionsmechanismen

2000 II 1 Benzol,  (Anilin und Aniliniumchlorid mit Brom); Seitenkettenbromierung von Toluol

2002 III 2 Nitrierung von Benzol - Mechanismus - RG bei Deuterobenzol; (Nitrierung von Phenol, Mechanismus)

2003 I 2 Ethylbenzol + Br2; Produkt auch aus Styrol, Mechanismen

 

A1 Wird Ethylbenzol radikalisch chloriert, können prinzipiell zwei verschiedene Monosubstitutionsverbindungen entstehen. Welches Produkt (Nomenklaturname!) wird sich bevorzugt bilden?

 

 

A2 Schlagen Sie einen Syntheseweg für die folgenden Verbindungen vor (ausgehend von reinen Kohlenwasserstoffen und den erforderlichen anorganischen Reagenzien; Angabe von Reaktionsgleichungen mit Strukturformeln und evtl. Reaktionsbedingungen, keine Reaktionsmechanismen!):

a) o-Nitro-chlorbenzol b) p-Chlor-benzylbromid c) 3.4-Dibrom-nitrobenzol

 

 

A3 Wie kann man, ausgehend von reinen Kohlenwasserstoffen und den erforderlichen anorganischen Chemikalien die folgenden Verbindungen synthetisieren (nur Reaktionsweg mit Strukturformeln der Zwischenprodukte und Reaktionsbedingungen angeben!)?

I)

II)

III)

 

 

A4 Bei der folgenden Verbindung (Biphenyl) verhält sich jeder der beiden Ringe gegenüber der aromatischen Substitution reaktiver als der Benzolring und die Hauptprodukte sind die ortho- und para-Isomeren. Wie lassen sich Orientierung und Reaktivität mit dem Resonanzeffekt (=Mesomerie) erklären? 

 

 

A5 [A5-Lösung] Dewar schlug 1867 für Benzol die folgende Strukturformel vor:

Steht dieser Strukturvorschlag mit den experimentellen Befunden in Einklang?

 

 

A6 a) Schreiben Sie den Reaktionsmechanismus der elektrophilen aromatischen Substitution am Beispiel der Bromierung von Benzol (einschließlich möglicher Resonanzstrukturen) in Strukturformeln auf.

b) Stellen Sie für die Bromierung von Benzol ein Energieprofil auf (genaue Beschriftung!). Kennzeichnen Sie als punktierte Linie den Verlauf des Energiediagramms, wenn statt Substitution Addition eintreten würde.

 

 

A7 Toluol (=Methylbenzol) wird bei unterschiedlichen Bedingungen mit Brom zur Reaktion gebracht:

a) bei starker Belichtung

b) im Dunkeln unter Zusatz von etwas Eisen.

Vergleichen Sie die Reaktionsabläufe bei a) und b), arbeiten Sie die Unterschiede im Reaktionsmechanismus heraus und erstellen Sie dazu die entsprechenden Reaktionsgleichungen und Strukturformeln.

 

 

A8  [A8-Lösung] Wie könnte man mit Hilfe einer chemischen Reaktion zwischen folgenden Verbindungspaaren unterscheiden? (Geben Sie an, was Sie tun und was Sie beobachten würden und stellen die Reaktionsgleichung mit Summenformeln auf)

a) Cyclohexan und Cyclohexen

b) Cyclohexan und Benzol

A9  [A9-Lösung]  Skizzieren Sie ein Orbital-Modell des Toluol-Moleküls mit genauer Beschriftung (Angaben über Hybridisierungen, Bindungswinkel, Bindungstypen)

 

A10 [A10-Lösung]  Aus Toluol (=Methylbenzol) soll die folgende Verbindung synthetisiert werden:

Formulieren Sie unter Verwendung von Strukturformeln und mit stichwortartiger Erläuterung der Teilschritte und Reaktionsbedingungen den Reaktionsmechanismus

a) für die Einführung des Bromatoms und

b) für die Einführung des Chloratoms in das Molekül!

 

 

Lösungen zu den Aufgaben

 

A5-Lösung

- Dewar-Benzol müsste im Gegensatz zu Benzol leicht Additionsreaktionen eingehen

- von Dewar-Benzol müssten 2 Mono- und 6 Disubstitutionsprodukte existieren

- Formeln

 

A8-Lösung

a) Schütteln mit Bromwasser - rasche Entfärbung bei Cyclohexen durch Addition

C6H10  +  Br2  ---------->  C6H10Br2

b) Versetzen mit Brom und Eisenpulver - Benzol reagiert unter Bromwasserstoffentwicklung und Substitution

C6H6  +  Br2  ---------->  C6H5Br  +  HBr

 A9-Lösung

 

A10-Lösung

a) Kälte, Katalysator -> Kernsubstitution  

                        p-Komplex      s-Komplex (Mesomerie)                    Deprotonierung

b) Siedehitze, Sonnenlicht -> Substitution in der Seitenkette

Mechanismus der radikalischen Substitution:

Radikalbildung durch Licht : Cl-Cl  ---------->  2 Cl*

Reaktionskette:

Kettenabbruchsreaktionen: Vereinigung zweier Radikale (Gleichung)