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Aldehyde und Ketone
Aldehyde
als Reduktionsmittel (Pr): Silberspiegelprobe, Fehlingprobe
Aldehyde
und Ketone - Struktur und Nomenklatur Aldehyde
und Ketone enthalten die Carbonylgruppe als gemeinsames Strukturelement und werden häufig
zusammenfassend als Carbonylverbindungen bezeichnet.
Aldehyd
Keton Benennung
der Aldehyde: Als Grundstruktur wählt man die längste, die CHO-Gruppe
enthaltende Kohlenstoffkette und hängt an den Namen des betreffenden Alkans die
Endung -al. Das
Carbonyl-Kohlenstoffatom wird als C-1 betrachtet.
Methanal
Ethanal
Propanal Benennung
der Ketone: Die längste Kohlenstoffkette, die die Carbonylgruppe einschließt,
wird als Grundstruktur genommen und der Name des betreffenden Alkans mit der
Endung -on versehen. Das Carbonyl-Kohlenstoffatom wird mit der niedrigst möglichen
Zahl gekennzeichnet.
Propanon
Butanon
1-Phenyl-2-propanon
Reduktionswirkung
- Nachweisreaktionen für Aldehyde Aldehyde
werden durch ihr Reduktionsvermögen charakterisiert und dadurch besonders von
den Ketonen unterschieden: 1.
Silberspiegelprobe Versuch:
Zur Herstellung einer ammoniakalischen Silbernitratlösung wird Silbernitratlösung
so lange mit verd. Ammoniak versetzt, bis sich der zunächst gebildete
Niederschlag gerade wieder auflöst (Ammoniak-Überschuss vermeiden!) - Bildung
des Diamminsilberions [Ag(NH3)2]+. Nach Zugabe
von ein paar Tropfen Aldehyd und vorsichtigem Erwärmen (ohne zu schütteln)
bildet sich ein Silberspiegel. R-CHO
+ 2 OH- -> R-COOH
+ 2 e- + H2O Ag+
+ e- -> Ag
/*2 --------------------------------------------------------------------------- R-CHO
+ 2 Ag+ +
2 OH- ->
R-COOH +
2 Ag + H2O 2.
Fehling-Probe Eine
Mischung aus Kupfersulfatlösung (Fehling I) und alkalischer
Kaliumnatriumtartratlösung (Fehling II) heißt Fehlingsche Lösung. Sie enthält
die Kupfer(II)-ionen komplex gebunden. Dadurch kann trotz alkalischer Reaktion
kein Kupfer(II)-hydroxid ausfallen. Versuch:
Gleiche Teile Fehling I und Fehling II werden gemischt, mit einigen Tr. Aldehyd
versetzt und vorsichtig erhitzt (Siedeverzug möglich!). Ergebnis:
Roter Niederschlag von Kupfer(I)-oxid. R-CHO
+ 2 OH- -> R-COOH
+ 2 e- + H2O 2
Cu2+
+ 2 OH-
+ 2 e-
-> Cu2O + H2O
--------------------------------------------------------------------------------- R-CHO
+ 2 Cu2+ +
4 OH- ->
R-COOH +
Cu2O
+ 2 H2O Additionsreaktionen:
Reaktionsprinzip
Die
Reaktivität der Carbonylgruppe beruht auf ihrer Polarität aufgrund des
-I-Effekts des Sauerstoffatoms. Nucleophiler Angriff am Carbonyl-Kohlenstoffatom
möglich (elektrophiler Angriff am Sauerstoffatom führt meist nicht zu
bleibendem Ergebnis).
Mesomerie
der Carbonylgruppe:
Die
Addition von nucleophilen Agentien erfolgt nach gleichem Schema. Addition
von Ammoniak Versuch: (nach Literaturangaben) In eine wasserfreie Lösung von Ethanal in Ether wird unter Kühlung trockenes Ammoniakgas eingeleitet. Man beobachtet an der Gefäßwand die Bildung farbloser Kristalle. Eigene,
einfachere Variante: Rundkolben mit Ammoniakgas füllen (durch Auftropfen von
konz. Ammoniak auf festes NaOH), in den Kolben anschließend ca. 2 ml Ethanal
mit Pipette einfüllen, verschließen. An der Kolbenwand erscheinen nach wenigen
Minuten farblose Kristalle
Addition
von Wasser Wasser
als Nucleophil: Hydratisierung
Viele
Carbonylverbindungen bilden in wässriger Lösung Hydrate. Ausbeute
im Gleichgewicht: Methanal
99,99% Ethanal
50% Aceton
0% Zusammenhang
zwischen Struktur und Reaktionsfähigkeit: Die
Reaktionsfähigkeit bei der nucleophilen Addition wird umso höher liegen, je größer
der Elektronendruck der Base (Nucleophil) und je größer der Elektronenzug des
Carbonylkohlenstoffatoms ist. Die Carbonylverbindungen lassen sich daher in
folgende Reihe ordnen:
+M-Effekt
durch die freien Elektronenpaare führt zu einem sehr starken Verlust der
Reaktivität. Auch
der +I-Effekt der Alkylgruppen vermindert die positive Ladung am
Carbonyl-Kohlenstoffatom. (Auch
der aromatische Kern wirkt desaktivierend) Addition
von Alkohol Ein
Aldehyd steht in alkoholischer Lösung im Gleichgewicht mit einer Verbindung,
die Halbacetal genannt wird:
In
Gegenwart von Säuren setzt sich das Halbacetal - in seiner Eigenschaft als
Alkohol - weiter mit dem Lösungsmittel zum Vollacetal um:
Vollacetal Hinweis
auf Zucker, Schutzgruppen C-H-Acidität:
Keto-Enol-Tautomerie, Aldoladdition
Keto-Enol-Tautomerie
Keton
Enol Addition
von Carbanionen - Aldoladdition Versuch:
zu 2 ml wässrigem Ethanal ca. 1 ml verd. NaOH geben, erwärmen. (-> Gelbfärbung,
Geruch!) Acidität
der a-Wasserstoffatome
durch den elektronenanziehenden Effekt der Carbonylgruppe: Wenn
ein a-Wasserstoffatom als
Proton abgespalten wird, bleibt ein Carbanion
zurück (Mesomeriestabilisierung!) Carbanionen
verhalten sich stark nucleophil Bei
der Aldoladdition wird zunächst aus einem Aldehyd oder Ketonmolekül ein
Carbanion gebildet, das sich als nucleophiles Teilchen an die Carbonylgruppe
eines zweiten Moleküls anlagert.
Knüpfung
einer neuen C-C-Bindung! Selbstaddition
kurzkettiger Aldehyde: Paraformaldehyd
(Polyoxymethylen): Polymerisation und Depolymerisation
Paraldehyd
und Metaldehyd (Trockenspiritus)
/*
Substitutionsreaktionen an Carbonylverbindungen Die
elektrophile Substitution der a-Wasserstoffatome
wird durch den elektronenanziehenden Effekt der Carbonylgruppe erleichtert:
Versuch:
Bromierung von Propanon (Lit.: Stapf/Rossa 3,s110): 5
ml Propanon + 2 ml Wasser + 20 Tr. Brom + geringe Menge roten Phosphor mischen,
etwas erwärmen und solange schütteln, bis sich das Gemisch entfärbt hat.
Entstehender Bromwasserstoff wird mit Calciumcarbonat neutralisiert. CH3-CO-CH3
+ Br2 ->
CH3-CO-CH2Br
+ HBr
Bromaceton "Tränengas"
Übungen und Aufgaben Abituraufgaben: 1985 IV 3.2 (Kohlenhydrate - Fehlingprobe - Vergleich) 1986 III 2 (Kohlenhydrate - Fehlingprobe - Vergleich) 1987 II 3.2 Drei verschiedene Zucker aus Glycerin - Fehlingprobe 1987 III 3 Knüpfung von C-C-Bindungen (Friedel-Crafts; Aldoladdition; Polyethen) 1988 III 1.3 Holzverzuckerung; Nachweis reduzierender Zucker 1988 IV 2 Reakt. u. Bindungsverh. d. Carbonylgr.; Propanal-Herstellg.; Rktn. mit KOH, Silberspiegelprobe 1989 I 3.2, 4 Ribose Silberspiegelprobe; Chloralhydrat aus Trichlorethanal, Reaktionsmechanismus 1990 II 2.1 5 Carbonylverbindungen zuordnen (Fehling; Schiff; Iodoform; Siedepunkt) 1990 IV 2 Benzaldehyd, 2,2-Dimethylpropanal, Propanal - Formeln, Aldolreaktion, Reaktionsmechanismus 1993 II 2 Trichlorethanal + Ammoniak, Reihenfolge d. Additionsgeschw. (Ethanal, Methanal, Trichlorethanal) 1993 IV 3.4 D-Xylose, Silberspiegelprobe 1994 IV 3 Benzaldehyd, 2,2-Dimethylpropanal, Propanal - Formeln, Aldolreaktion, Reaktionsmechanismus 1995 II 2 Fehling-Probe mit Hexanal, Hexan-2-on, Glucose, 1-Hydroxyethan-2-on, Gleichungen 1995 III 4 C3H6O3 - Isomere - Nachweismethoden, Unterscheidungsmöglichkeiten 1996 I 2.3 C3H6O2 Isomere - Reaktionen mit Br2, Mg, Na, Säurehydrolyse, opt. Aktivität; Aldoladdition 1998 III 2 Ethanal, Propanon, Trichlorethanal - nucleophile Addition von Wasser; Einfluss von Säure; 1999 I 3 Kakaoaroma 5-Methyl-2-phenylhex-2-enal, Synthese; Ethylethanoat O-18-Markierung 2000 IV 1.3 X (M=60 g/mol) Silberspiegelprobe, Dichromat-Oxidation, Gleichungen 2001 I 3 Ethenol-Ethanal-Gleichgewicht, Isomeriebegriffe 2001 II 4.2 Fehling-Probe mit verschiedenen Di- und Trisacchariden 2002 IV 3 Benzaldehyd, 2,2-Dimethylpropanal, Propanal - Aldolreaktion, Reaktionsmechanismus u.a. 2003 III 2.4 Fehling-Probe mit Galactose 2003 IV 3.3 Cellulose-Verzuckerung - Nachweis reduzierender Zucker
1. Methanal ist giftiger als Ethanal. Gibt es dafür eine Begründung? |