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Molekülchiralität und optische Aktivität (Pr,4h)

Lehrplan Molekülchiralität und optische Aktivität (Pr): Fischer-Projektion der D- und L-Konfiguration

experimentelle Demonstration und Begriffserklärung; Veranschaulichen der Chiralität mit Hilfe von Modellen enantiomerer Moleküle, z.B. Glycerinaldehyd, Milchsäure, Alanin; Hinweis auf die Bedeutung der Chiralität in der Natur; Ansprechen der Diastereomerie

Literatur
Medien Molekülbaukästen  Tetraedermodell  Molekülmodelle
Geräte Polarisationsfolien  Polarimeter f. Projektion
Chemikalien Saccharoselösung konz.

 

Einführung: Chirale Gegenstände aus dem Alltag? Biochemie, Schlüssel-Schloss-Prinzip

Moleküle, die sich mit ihrem Spiegelbild nicht decken, sind chiral. Die beiden Formen, die sich wie Bild und Spiegelbild verhalten, nennt man Spiegelbildisomere oder Enantiomere.

Ein Kohlenstoffatom, das vier unterschiedliche Gruppen trägt, ist ein Chiralitätszentrum (auch Asymmetriezentrum - keine Spiegelebene, keine Symmetrieachse).

Übung: Nachbau der beiden spiegelbildlichen Formen von Glycerinaldehyd mit Molekülmodellen!

Beispiele:

Polarimeter

Spiegelbildisomere stimmen in allen physikalischen Eigenschaften überein außer in der Richtung, in der sie die Schwingungsebenen des polarisierten Lichtes drehen.

Das Licht kann als eine Welle betrachtet werden, deren Schwingungen in Ebenen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung erfolgen. Finden die Schwingungen nur in einer Ebene statt, so wird das Licht als polarisiertes Licht bezeichnet:

gewöhnliches   polarisiertes

Licht                      Licht

Gewöhnliches Licht kann mit Hilfe eines Polarisationsfilters in polarisiertes Licht umgewandelt werden.

(Vergleich: Buch, Messer)

Demonstration: Polarisationsfilter

Nachweis der optischen Aktivität im Polarimeter:

Zunächst werden die beiden Polarisationsfilter so aufeinander eingestellt, daß eine minimale Lichtmenge durch das Gerät hindurchgeht. Nun wird die Analysenprobe in das Polarimeterrohr eingefüllt. Wenn die Substanz die Schwingungsebene nicht beeinflußt, bleibt die Undurchlässigkeit für das Licht in vollem Umfang bestehen, die Verbindung ist optisch inaktiv. Dreht dagegen die Substanz die Schwingungsebene des polarisierten Lichtes, so muß man, um wieder größtmögliche Lichtundurchlässigkeit zu erhalten, den Analysator der neuen Polarsationsebene des Lichtes anpassen und ihn ebenfalls drehen. Eine solche Substanz nennt man optisch aktiv.

Versuch: Wasser: optisch inaktiv; Rohrzuckerlösung: optisch aktiv, rechtsdrehend

Substanzen, welche die Schwingungsebene des polarisierten Lichtes drehen, nennt man optisch aktiv.

Erfolgt die Drehung der Schwingungsebene und somit auch die Drehung des Analysators nach rechts, um wieder größtmögliche Lichtundurchlässigkeit zu erhalten, so nennt man die Verbindung rechtsdrehend, muß man den Analysator in Linksrichtung nachstellen, wird die Verbindung als linksdrehend bezeichnet.

Die beiden Spiegelbildisomeren drehen die Schwingungsebene um den gleichen Betrag, aber in entgegengesetzte Richtungen.

Zwischen dem Winkel, um den die Schwingungsebene gedreht wird (=Drehwinkel), und dem Produkt aus Konzentration der optisch aktiven Substanz und der Schichtdicke der Lösung besteht direkte Proportionalität. Die Größe der Drehung hängt ja von der Zahl der Moleküle ab, mit denen das Licht beim Durchgang durch das Probenrohr in Wechselwirkung tritt:

a = [a]l * c * d

a = Drehwinkel bei der Wellenlänge l

[a]l= spezifische Drehung bei der Wellenlänge l. Steht dabei der Index D, dann hat die Messstrahlung die Wellenlänge der D-Linie des Natriumlichtes (589,3 nm).

Die spezifische Drehung ist numerisch gleich dem Drehwinkel bei einer Konzentration der optisch aktiven Substanz von 1 g/cm3 und einer Schichtdicke von 1 dm. Sie ist noch vom Lösungsmittel und von der Temperatur abhängig.

Die spezifische Drehung einer optisch aktiven Verbindung ist eine ebenso charakteristische Eigenschaft wie Schmelzpunkt, Siedepunkt, Dichte oder Brechungsindex.

c = Konzentation der optisch aktiven Substanz in g/cm3

d = Schichtdicke in dm

Fischer-Projektion

Darstellung von Spiegelbildisomeren mit Hilfe von sog. Fischer-Projektionsformeln:

Glycerinaldehyd als Bezugssubstanz

D-(+)-Glycerinaldehyd   L-(-)-Glycerinaldehyd

 

Für die Zuordnung zur D- und L-Konfiguration wird das Tetraeder folgendermaßen orientiert:

- Kohlenstoffkette senkrecht auf der Rückseite

- Kohlenstoffatom mit der höchsten Oxidationsstufe oben

- Wasserstoff und OH-Gruppe vorne waagrecht

D-Konfiguration liegt dann vor, wenn die OH-Gruppe nach rechts zeigt, Moleküle mit links angeordneter OH-Gruppe werden als L-Form bezeichnet.

Bei Molekülen mit mehreren Chiralitätszentren ist das vom höchst-oxidierten C-Atom am weitesten entfernte asymmetrische C-Atom entscheidend.

Die Präfixe D- und L- geben lediglich die absolute Konfiguration am Chiralitätszentrum an. Sie sagen nichts über den jeweiligen Drehsinn aus. Die Drehrichtung (+) oder (-) lässt keinerlei Aussagen über die wirkliche Struktur eines optisch aktiven Moleküls zu.

Beispiel: D-(+)-Glycerinaldehyd und D-(-)-Milchsäure - trotz gleicher absoluter Konfiguration entgegengesetzte Drehrichtung!

Vorsicht beim Drehen von Projektionsformeln!

Jede Verbindung, von der durch Versuche festgestellt wurde, dass ihre Konfiguration dieselbe ist wie beim (+)-Glycerinaldehyd, gehört zur D-Reihe (in der Projektionsformel OH-Gruppe rechts)

Beispiel:

D-(+)-Glycerinaldehyd D-(-)-Glycerinsäure      D-(-)-Milchsäure

 

Diastereomerie

Beispiel: Weinsäuren - Verbindungen mit zwei Chiralitätszentren

L-(+)-Weinsäure  D-(-)-Weinsäure           Mesoweinsäure (optisch inaktiv) 

Schmp. 170°C     Schmp. 170°C              Schmp. 140°C

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Racemat(= Gemisch aus D- und L-Form 1:1): Traubensäure

Stereoisomere, die sich nicht wie Bild und Spiegelbild verhalten, nennt man Diastereomere

Diastereomere unterscheiden sich deutlich in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften

Möglichkeit zur Racemattrennung: Umwandlung in Diastereomere durch Koppelung mit anderen optisch aktiven Substanzen