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1.2 elektrochemische Vorgänge in Nervenzellen und Synapsen

1.2.1 Entstehung und Aufrechterhaltung des Ruhepotentials

1.2.2 Entstehung und Weiterleitung des Aktionspotentials

1.1.3 Erregungsübertragung an der neuromuskulären Synapse

 

 

1.2.1 Entstehung und Aufrechterhaltung des Ruhepotentials  

 

Lehrplan relative Ionenkonzentrationen; Diffusionsvorgange in Abhängigkeit von der selektiven Membranpermeabilität, den Konzentrationsgefällen und dem elektrischen Potentialgefälle (ca. 3 Std.)  
Literatur  
Medien

Folie: Messanordnung Ruhepotential

Folienmodell Ruhepotential entwickeln 

Geräte
Chemikalien, Material   

 

Erforschung am Tintenfischaxon (Durchmesser bis 0,5 mm)

Messanordnung: Die Zelle liegt in einem mit Blutersatzlösung gefüllten Extrazellulärraum. Nach dem Einstechen der Mikroektrode (feinste, mit Elektrolyt gefüllte Glaskapillare) wird gegenüber der Referenzelektrode ein Membranpotential von ca. -80 mV gemessen. 

 

Ruhepotential: Spannung, die an einer unerregten Nervenzelle gemessen wird (innen ca. -80 mV gegenüber außen) 

Ursache des Ruhepotentials:

1. Ungleiche Verteilung der Ionen-Arten innerhalb und außerhalb der Zelle

innen: hohe Konzentration an Kalium-Ionen K+ und großen organischen Eiweiß-Anionen A-

außen: hohe Natriumionen- und Chloridionen-Konzentration

(entspricht Kochsalzlösung 0,9% = physiologische K.; Vergleich mit Meerwasser!)

 

Warum gleichen sich die Konzentrationen nicht aus?

2. Unterschiedliche Durchlässigkeit (Permeabilität) der Zellmembran für die verschiedenen Ionensorten:

Die ruhende (unerregte) Zellmembran ist fast nur für Kalium-Ionen und Wasser durchlässig, aber praktisch undurchlässig für alle anderen Ionen (selektive Permeabilität, Ionenkanäle aus Membranproteinen).

=> Die Konzentrationsdifferenz der K+-Ionen führt zum K+-Ausstrom aus der Zelle

- Die Anionen können nicht nachfolgen und Ladungsausgleich herstellen

- Einstellung eines Gleichgewichtszustands zwischen dem Bestreben der K+-Ionen, aus der Zelle zu diffundieren und des rücktreibenden elektrischen Potentials

aber:

Die Membran ist in geringem Maß durchlässig für Natrium-Ionen (Leckströme).

=> die Zelle müsste laufend Natriumionen anhäufen und wegen des Ladungsausgleichs Kaliumionen verlieren

=> Zusammenbruch des Ruhepotentials

Notwendigkeit einer Ionenpumpe!  

- gekoppelter Na+- und K+-Transport gegen das Konzentrationsgefälle unter ATP-Verbrauch (2/3 der Stoffwechselenergie des Gehirns!)

Veränderung des Ruhepotentials in Abhängigkeit von der extrazellulären Kaliumionen-Konzentration 

(n. ADRIAN, J.Physiol.,1956,133:631-658, verändert)

 

1.2.2 Entstehung und Weiterleitung des Aktionspotentials

 

Lehrplan

Auslösebedingungen, Potentialumkehr, Refraktärphase

Erläutern des Ablaufs; schematische Darstellung der saltatorischen Erregungsleitung; Bewußtmachen ihrer biologischen Bedeutung

Literatur  
Medien  
Geräte
Chemikalien, Material   

Zellen, an denen Aktionspotentiale ausgelöst werden können, nennt man erregbar. Erregbarkeit ist eine typische Eigenschaft von Nerven- und Muskelzellen.

Zeitverlauf

- am Schwellenpotential wird die Membranladung instabil: rascher Abbau des Membranpotentials, Umkehr - immer konstanter Ablauf nach Erreichen der Schwelle:

Alles-oder-Nichts-Reaktion

Ionenverschiebungen während des Aktionspotentials

Wenn die Membran in den Bereich des Schwellenpotentials depolarisiert wird, steigt die Permeabilität für Na+

=> circulus vitiosus, ein sich selbst verstärkender Prozess, führt theoretisch bis zum Erreichen des Natriumionen-Gleichgewichts-Potentials:

Das Aktionspotential von ca. +30 mV erreicht das Na+-Gleichgewichtspotential nicht ganz.

Mit Verzögerung wird auch die K+-Permeabilität erhöht. Beim Erreichen der Spitze des Aktionspotentials strömen vermehrt K+-Ionen aus der Zelle und kompensiern den Na+-Einstrom. Der K+-Ausstrom überwiegt schließlich den Na+-Einstrom => das Potential wird negativer. 

Die Repolarisation des Aktionspotentials wird durch den überwiegenden K+-Ausstrom verursacht.

Zusammenfassung:

Durch eine überschwellige Depolarisation wird schnell die Na+-Permeabilität und verzögert die K+-Permeabilität erhöht.

Dadurch strömen zuerst Na+-Ionen schnell in die Zelle und das Membranpotential bewegt sich in Richtung auf das Na+-Gleichgewichtspotential, danach strömen K+-Ionen aus und stellen das Ruhepotential wieder her.

Die Na+-Pumpe stellt die Ausgangskonzentrationen wieder her.

Die am AP beteiligten Ionenbewegungen sind passiv entlang der Konzentrationsgradienten. Nur die Konzentrationsgradienten werden durch aktive Transportmechanismen aufrechterhalten.

Während der Refraktärzeit (1 ms) kann kein neues AP ausgelöst werden.

Höhe des Aktionspotentials in Abhängigkeit von der extrazellulären Natriumionen-Konzentration.

(n. NASTUK/HODKIN, J.cell.comp.Physiol.,1950,35:39-74, verändert)

 

Fortleitung des Aktionspotentials

 

1. kontinuierliche Fortleitung (marklose Fasern)

Strömchentheorie der Erregungsleitung (Ausgleichsströmchen; Senkung des Membranpotentials erhöht die Durchlässigkeit für Natriumionen)

 

2. saltatorische Fortleitung (markhaltige Fasern)

Leitungsgeschwindigkeit - abhängig vom Faserdurchmesser (Widerstand!)

markhaltig: bis 120 m/s

marklos:    0,5 - 2 m/s

Fortschritt in der Evolution

1.1.3 Erregungsübertragung an der neuromuskulären Synapse

Lehrplan

 Prinzip der.chemischen Erregungsübertragung durch Neurotransmitter (Acetylcholin); exemplarisches Aufzeigen der Wirkung eines Synapsengiftes  (ca. 5 Std.)

Literatur  
Medien

 Folienmodell: Synapse

DIAS: EM-Bilder

Geräte
Chemikalien, Material   

Bau der Synapse

 

Erregungsübertragung an der Synapse

Ein am Axonendknoten ankommendes AP löst an einer neuromuskulären Synapse folgende Reaktionskette aus:

  1. Einstrom von Calcium-Ionen

  2. Wanderung der synaptischen Bläschen zur präsynaptischen Membran 

  3. Freisetzung des in den synaptischen Bläschen gespeicherten Überträgerstoffes (Tansmitter) Acetylcholin in den synaptischen Spalt

  4. Diffusion durch den synaptischen Spalt

  5. Reaktion mit den Rezeptoren an der subsynaptischen Membran

  6. Die Natriumkanäle öffnen sich , Einstrom von Na+-Ionen

  7. Depolarisation der subsynaptischen Membran = EPSP, erregendes postsynaptisches Potential

  8. Bei Überschreitung des Schwellenwertes: AP, Kontraktion  

  9. Spaltung des Acetylcholins, Wiederaufnahme in die Endknöpfchen, Resynthese, Speicherung

 

Eingriffsmöglichkeiten in die cholinerge synaptische Übertragung durch chemische Stoffe

 

Curare besetzt die Acetylcholin-Rezeptoren an der subsynaptischen Membran, ohne jedoch die Natriumkanäle zu öffnen.

=> keine Erregungsübertragung

=> Lähmung der Skelettmuskulatur, Tod durch Atemlähmung

Verwendung zur Muskelentspannung (Relaxans) bei Operationen (künstliche Beatmung notwendig)

 

Nicotin verhält sich wie Acetylcholin, wird jedoch von Acetylcholinesterase nicht gespalten

 

Cholinesterasehemmer (z.B. E605, Prostigmin, Nervenkampfstoffe) hemmen die Aktivität der Acetylcholinesterase  

=> Blockierung der Spaltung des Acetylcholins => Dauerdepolarisation => Krämpfe, Tod durch Atemlähmung

 

Botulinus-Toxin, Coniin (Schierling), Kobra-Toxin  hemmen die Freisetzung des Acetylcholins

=> Lähmung