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2.2 erfahrungsbedingte Verhaltensanteile
2.2.1 - Prägung: Kriterien und biologische Bedeutung
Nachfolgeprägung Neugeborene Graugänse prägen sich das erste Wesen, das sie erblicken, genau ein und betrachten es fortan als Muttertier Prägungsversuch mit Entenküken:
Ergebnis:
Unterschiede zwischen Prägung und anderen Lernvorgängen
Prägungsähnliche
Lernvorgänge beim Menschen: Mutter-Kind-Bindung Beruht die Bindung an die Mutter (bzw. an ein Muttertier) auf einer Belohnungsdressur? (Kontakt wird durch Nahrung belohnt) Kaspar-Hauser-Rhesusaffen Versuche von HARLOW - neugeborene Rhesusaffenjunge von ihrer Mutter getrennt, Puppen als Mutterersatz
Beobachtungen: Die Affenkinder klammerten sich auch dann an die Plüschmutter, wenn nur die Drahtmutter Nahrung spendete. Wurde der Kontakt mit der Stoffmutter durch einen Luftstrahl betraft, klammerte sich das Junge noch stärker an. Ergebnisse: - Die Bindung an die Mutter ist kein Lernvorgang dadurch, dass der Kontakt mit der Mutter durch Nahrung belohnt wird. Andere auslösende Reize des Muttertieren (Fell, Wärme) führen zur allerersten Bindung des Jungtieres. - die Bindung an die Mutter ist nicht mehr durch Lohn oder Strafe zu beeinflussen. Bindung des Säuglings
an die Mutter Der Mensch - ein ehemaliger Tragling! Nahrungsaufnahme
Weinen des Säuglings
Lächeln als soziales Signal erleichtert den Übergang von der nicht-individuellen zur individuellen Bindungsphase - mit 8 Monaten: individuelles Erkennen der Mutter - Achtmonatsangst, „Fremdeln“ prägungsähnlicher Charakter! Vergl. Kindesmisshandlungen (aber auch Gegenbeispiele) Folgen der
Mutterentbehrung beim Menschen - Heimkinder Individuelle Bindungsphase vom 3. - 18. Lebensmonat (die nicht-individuelle Bindung beruht auf angeborenen sozialen Signalen. Die Gegenwart der Mutter gibt Geborgenheit (Angstfreiheit). Ohne eine frühe Bindung fehlt dem Kind das Urvertrauen. Durch die individuelle Bindung wird das Ziel jeder Flucht festgelegt. Bei Fehlen dieser Zuflucht: dauernd aktivierte Angst und Fluchttendenz. Umwelt der Heimkinder
Reaktionen der Kinder auf die Heimumwelt
moderne Heimstruktur? Lernvorgang beim Weinen des Säuglings
2.2.2 - reiz- und verhaltensbedingte Konditionierung:
Was ist Lernen? Begriff ist umfassender als schulisches Lernen: Rad fahren lernen, Vokabeln lernen, soziales Verhalten, Haltungen und Einstellungen aber nicht: z.B. Fliegen lernen der Vögel (Reifung!) gemeinsam: Verhaltensänderung Lernen:
Verhaltensänderung aufgrund einer gemachten Erfahrung -
GEHLEN: Mensch hinsichtlich seiner Instinktausstattung ein Mängelwesen -
Gedächtnisspuren: Engramme -
Auseinandersetzung mif der Umwelt: Evolution - Sonnenhaftigkeit des Auges -
Teleonomische Betrachtungsweise (Teleonomie = arterhaltende Zweckmäßigkeit):
Es werden solche Informationen gespeichert, die zum Überleben in der Umwelt
beitragen Bedingte
Reflexe
Schnelle Schutzreflexe (z.B. bei schmerzhafter Berührung) - Teleonomisches Prinzip formulieren: Werden Reize, die einen Schutzreflex auslösen, regelmäßig, durch bestimmte, andersartige Wahrnehmungen angekündigt, so erscheint es sinnvoll, bereits auf diese ankündigenden Wahrnehmungen mit dem Schutzreflex zu antworten. (Gewitter) Versuch: Bedingter Lidschlussreflex Luftstrahl - Reflexzeit 0.25-0.4 sec - Lidschlussreflex Summton als ankündigenden Reiz - NS bildet neuen Reflexzusammenhang: Gehörreiz kann nunmehr den Lidschlussreflex auslösen, auch wenn der Luftstrahl nicht folgt - allgemeines Prinzip: Geht
dem auslösenden Reiz für einen Reflex, insbesondere einen Schutzreflex,
mehrfach ein sonst neutraler Reiz unmittelbar voraus, so kann dies einen
Lernvorgang verursachen mit dem Ergebnis, dass fortan auch der zunächst nur ankündigende
Reiz die Reaktion auslöst. Folgerung: Es muss Stellen im ZNS geben, die auf das zeitlich zusammenhängende Eintreffen von Signalen zweier Bahnen eine bleibende signalleitende Verbindung zwischen den beiden Bahnen entstehen lassen. Wesentlich ist die zeitliche Verknüpfung!
Su = unbedingter (d.h. nicht erfahrungsbedingter) Reiz Sb = bedingter (d.h. erfahrungsbedingter) Reiz
aufgrund der Koinzidenz der Erregungen entstand eine signalleitende Verknüpfung
Ohne Verknüpfungsstelle lässt sich kein bedingter Reflex herstellen, z.B. kann der Kniesehnenreflex nicht in einen bedingten Reflex umgewandelt werden. Bedingte Aktion und bedingte
Hemmung
Lernvorgänge auf der Basis instrumenteller Konditionierung (Skinner-Versuche, Labyrinth-Versuche; motorisches Lernen; bedingte Aktion, bedingte Hemmung, Bedeutung für Erziehung und Unterricht) Nach Skinner tritt Verhalten in 2 Formen auf: - reaktives Verhalten - ausgelöst durch spezifische Reize - operatives Verhalten - spontan, wenn sich kein Auslösereiz ermitteln lässt, betont, dass das Verhalten auf die Umwelt einwirkt und dort bestimmte Folgen hervorruft. Verhaltensweisen, die mehrmals verstärkt wurden, haben die Tendenz, häufiger zu erscheinen Beispiele: - Skinners Tauben (z.B. Picken gegen eine Scheibe oder Drehung in die gewünschte Richtung wurde mit Futter belohnt)
- Karl v. Frischs Sittich (Batzi) - Affe im Zoo hüpft auf der Stelle, erregt dadurch Aufmerksamkeit und wird belohnt Unterschied zu Pawlows Versuchen: Der Organismus muss selbst die Handlung vollbringen, wenn er den verstärkenden Reiz erhalten will also: Selektion erfolgreicher Verhaltensweisen, bei Pawlow: Herausfinden der Signalreize Lernen im Sinne Skinners: Verstärkung eines operativen Verhaltens Folgen
auf ein Verhalten Erfahrungen, die eine Belohnung darstellen, so verknüpft sich
der durch die Belohnung befriedigte Antrieb mit dem Verhaltenselement und stellt
es in seinen Dienst. =
Bedingte Aktion (Auf ein Verhalten folgt gute Erfahrung) Wenn auf ein Verhalten schlechte Erfahrung folgt ist es sinnvoll, dieses Verhalten künftig zu unterdrücken Bedingte
Hemmung (auf ein Verhalten folgt schlechte Erfahrung) unterscheide - bedingte Aversion: Antriebsziel wird gehemmt - bedingte Hemmung: Ausübung des Verhaltens wird gehemmt Beispiel: Wie gewöhnt man einem Hund das Wildern ab? Mögliche sekundäre Folgen von bedingter Hemmung: Antriebsstau kann zu unkontrollierten Ausbrüchen führen Kombinierte Lernformen: Lernen aus guter und schlechter Erfahrung
Lernen am Erfolg: Kombination von bedingter Appetenz und bedingter Aktion Beispiel: Skinner-Box - Katze in Käfig mit Taste - Futter - nach Blockierung der Taste: Katze drückt mit der Pfote auf alle möglichen Dinge - Vergleich mit Mäusefang: Orientierungsziel und Verhalten erlernt! Was ist angeboren? Hunger, Endhandlung Lernvorgänge können instinktive Verhaltensstrukturen stilllegen. Die angeborenen Fähigkeiten brauchen dazu nicht in einem stammesgeschichtlichen Prozess verlorengegangen zu sein. Instinktreduktion ist nicht notwendige Voraussetzung einer Steigerung der intellektuellen Fähigkeiten aber Verlust der Instinktsicherheit durch Entscheidungsmöglichkeit zwischen instinktbetonten und verstandesbetonten Verhaltenstendenzen Vermeiden schlechter Erfahrung wirkt als Belohnung Beispiel: Ratten mussten Taste drücken, um elektrischen Strafreiz zu vermeiden. Sie drücken vorsorglich die Taste und können daher gar nicht merken, wenn die Strafapparatur nicht mehr eingeschaltet ist - Furcht ist Antrieb! Furcht kann durch bestimmte schlechte Vorerfahrungen zum Antrieb für erlernte Verhaltensweisen werden Bedingungen
des Lernerfolgs Zusammenhang zwischen Antriebslage und Lernergebnis Beispiel: Goldammern und Pfauenaugen Ergebnis: Gleichartige Tiere lernten in Gleichartigen Erfahrungssituationen völlig verschiedenes - Chancen für ein Umlernen sind bei Lernprozessen aufgrund schlechter Erfahrung gering, weil eine solche Lernsituation hinfort gemieden wird. - Belohnung und Bestrafung als Mittel in der Erziehung Anwendung der Gesetzmäßigkeiten über das Lernverhalten - Schlechte Erfahrungen und Strafen wirken durch ihr Sofort, nicht durch ihre Härte Programmierte
Unterweisung - kleine Lernschritte Die Schritte zwischen den Lerneinheiten sollen der Kapazität des Lernenden derart angepasst sein, dass Fehler praktisch ausgeschlossen bleiben, so dass es zu kontinuierlichen Verstärkungen (Motivation!) kommt. - Individuelles Lerntempo - Sofortkontrolle - Richtige Verstärkung (höhere Lennmotivation durch häufige Erfolgserlebnisse; Erhöhung des Anspruchsniveaus) (Aktives Formulieren der Antworten - lineare und verzweigte Programme) Irrwege
bedingter Aktionen - Belohnen schnellerer Tätigkeit => auch dann, wenn die Belohnungen, die die Tiere erarbeiten weniger einbringen als der Energieaufwand für diese Tätigkeit! - Selbstbelohnung durch Gehirnreizung (OLDS) Entkopplung von lebensnotwendigem Verhalten und resultierender Befriedigung - Bedingte Aktionen durch vorgespiegelte Belohnung Käfig mit Tauben; in gleichmäßigen Zeitabständen von ein paar Sekunden fallen Körner in den Käfig => Kopfbeungen, Rechts- oder Linkswendung, Putzen - Aberglaube?
Bedingte
Appetenz und bedingte Aversion Bedingte
Appetenz: Auf Wahrnehmung folgt gute Erfahrung Teleonomisches Prinzip: Wenn einer bestimmten Reizsituation eine Antriebsbefriedigung nachfolgt, erscheint es sinnvoll, diese Reizsituation erneut aufzusuchen, sobald der Antrieb neuer Befriedigung bedarf. (Wahrscheinlichkeit eines umweltbedingten Sachzusammenhangs zwischen Reizsituation und Gelegenheit zur Antriebsbefriedigung) Beispiele: - Biene findet auf blauer Blüte keinen Nektar, aber auf gelber - sie fliegt bevorzugt gelbe Blüten an - Ratten erhielten an den Enden zweier Gänge, die von einer Verzweigungsstelle ausgingen, Futter oder Wasser - sie bevorzugten jeweils den ihrer inneren Verfassung entsprechenden Gang - - Pferde-Jungtiere suchen anfangs das Gesäuge der Mutter zuweilen im falschen Winkel zwischen den Vorderbeinen - lernen nach erfolgreichem Trinken schnell, nur an der richtigen Stelle nahe den Hinterbeinen zu suchen Pawlowscher Versuch: Magensaftbildung auf Glockenzeichen Nach mehrfacher Wiederholung der Futtergabe bei vorherigem Glockenzeichen löst auch das Glockenzeichen allein, ohne Futtergabe, die Speichel- und Magensaftsekretion aus. - ursprünglich als Prototyp des bedingten Reflexes aufgefasst aber: Magensaftsekretion ist nur physiologische Begleitfunktion von bedingtem Appetenzverhalten. Unterschiede zum bedingten Lidschlagreflex: - von Belohnungen (Befriedigung des aktivierten Nahrungsantriebs) abhängig - Hund zeigt bei Befreiung sein ganzes (Ernährungs-) Appetenzverhalten: zeigt Verhaltensweisen die in der gegebenen Versuchsanordnung gar nicht gelernt werden konnten. Unterschied zwischen bedingtem Reflex und bedingter Appetenz: Beim bedingte Reflex löst der bedingte Reiz stets das gleiche motorische Verhaltensmuster aus wie der primäre auslösende Reiz, bei der bedingten Appetenz erscheint als erfahrungsbedingtes Verhalten stets das Appetenzverhalten, gleich, ob es in der Lernsituation stattfand oder nicht. Bedingte
Aversion: auf Wahrnehmung folgt schlechte Erfahrung - Umkehrung der bedingten Appetenz: erlernter Vermeiden Vergleich mit bedingtem Reflex: Das gesamte Vermeide-Verhalten (Abwehr, Abwendung, Flucht, Hemmung der Annäherung) wird an die abstoßend gewordenen Reize geknüpft, also gegebenenfalls Verhaltensweisen, die in der Lernsituation überhaupt nicht vorkamen. Beispiele: - Pferd wurde an einer Stelle des Weges erschreckt - 3 Eiderentenjungen - bei Ratten ließ man auf die Aufnahme bestimmter Nahrung experimentell eine unspezifische physiologische Schädigung folgen (Röntgenkater) Allgemeines Prinzip der bedingten Aversion Folgt
auf die Wahrnehmung einer neutralen oder zuvor angestrebten Reizsituation ein-
oder mehrmals eine schmerzhafte oder ängstigende Erfahrung, so verknüpft sich
die Reizsituation mit der Verhaltenstendenz
des Vermeidens, die zu Flucht oder Hemmung der Annäherung führt. 2.2.3 - höhere Lern- und Verstandesleistungen (- W): Lernen durch Einsicht
Erkundungs-, Neugier- und Spielverhalten
Lernen am Erfolg setzt aktivierten Antrieb voraus - aber Spielverhalten? Welche Tiere spielen? Goldhamster, Raubtiere, Eichhörnchen, Nager, einige Vögel, z.B. Kolkraben Erkunden: Herumstreifen und Wahrnehmen Beispiele: -
ein Goldhamster, der in einen neuen Käfig freigelassen wird, erkundet seine
neue Umgebung - Ratten erkunden neue Objekte oder ein Labyrinth Vorteile:
Kennen lernen der Umwelt (z.B. neue Nahrungsquellen, potentielle Gefahren,
Verstecke, Nistplätze) Neugierverhalten
kann fließend in Spielverhalten übergehen (Tiere spielen mit neuen Gegenständen)
oder im Spielverhalten enthalten sein.
Neugierverhalten: Gerichtetes Aufsuchen und Untersuchen von Gegebenheiten, die auffällig und unbekannt sind Beispiel: Kolkrabe, Attrappe An demselben Objekt oder in derselben Situation werden die verschiedensten Verhaltensweisen durchprobiert (Hunde beschnuppern, Eichhörnchen benagen, Primaten berühren mit Händen und Lippen) - wenn das Objekt reagiert erregt es besonderes Interesse Spielen: Verhalten in Wechselwirkung mit Gegenständen oder Partnern Artspezifische
Spiele sind z.B. Bewegungsspiele
Kampfspiele (Raubtiere wie Wölfe und Löwen, aber auch junge Ziegen, Gemsen
u.a.), dabei stark ausgeprägte Beißhemmung und schneller Rollenwechsel. Fluchtspiele
(Verfolgungen), dabei weniger Balgerei als bei Kampfspielen, sondern Vermeidung von
Kampf, schneller Rollenwechsel Beute- und
Nahrungserwerbspiele, oft gegen ungenießbare Objekte (Blätter, Äste, aber auch Geschwister)
gerichtet Fortpflanzungs-
und Brutpflegespiele, spielerische Balz und Paarungsverhalten (Vögel, Säuger) Motivation des Erkundungs-, Neugier- und Spielverhaltens? - keine Antriebsbefriedigung - begierdelos - Spieltrieb - Neugiertrieb - die Befriedigung liegt in der Durchführung dieser Verhaltensweisen selber - GEHLEN: Abhängbarkeit der Handlungen von den Antrieben - sachliches Verhältnis, ohne Triebreiz - Identität mit dem Forschen des Menschen - NIETZSCHE: “In jedem Manne steckt ein Kind“ Arterhaltender Wert? Beispiel: spielende Löwen, Eichhörnchen (Fluchtspiel) Ziel: Gewinnung individueller Lebenstüchtigkeit und Selbständigkeit (das Kind wehrt Hilfe ab, wenn es eine Tätigkeit selbst ausführen kann - Aggression - Überbehütung) Voraussetzungen: Abwesenheit anderer, stark aktivierter Antriebe, auch von Unsicherheit und Angst. Erkundungs-,
Neugier- und Spielverhalten erfolgt nur im „entspannten Feld“ Kaspar-Hauser-Tiere zeigen dieses Verhalten nicht - Angstfreiheit (=Geborgenheit) durch die Mutter) Einsichtiges Handeln
Erfassen von Zusammenhängen in averbalen Schlüssen (Zählversuche mit Papageien) ist kein Versuch- und Irrtums-Lernen! Einsicht! Beispiele: - Hund dringt in bisher gemiedenen Garten ein, wenn der Nachbarhund angekettet ist - Umwegversuch mit Ratten
- die Ratten verhalten sich, als hätten sie ein räumliches Bild des Labyrinths gegenwärtig - Handlungsfolge erdacht, Probieren nach innen verlegt verinnerlichtes
Handeln Versuche mit Menschenaffen
- vor einem durch Einsicht zu lösenden Problem: Kiste, Banane - wie verhalten sich Waschbären, Rhesusaffen? (unruhiges hin- und herlaufen, motorisches Probieren verschiedener Möglichkeiten) - Menschenaffen (Orang) (sitzt ruhig da, überblickt die Versuchsanordnung aufmerksam, innere Anspannung an Übersprungbewegungen (Kopfkratzen) deutlich, Blicksprünge, Wutausbruch, erneute Zuwendung, Blicksprünge, blitzartiger Einfall, Purzelbaum, holt Kiste und schiebt sie unter die Banane „Aha-Erlebnis“ Was spielt sich in dem Affen ab? Denken? Verinnerlichtes Handeln in einem vorgestellten Raum Problemlösung
erfordert Kombination der Ergebnisse früherer Lernprozesse => Bedeutung des Spielens Freilandbeobachtungen an Schimpansen - Termiten fischen mit Werkzeug (GOODALL) - Blätter, um Wasser aus Baumlöchern aufzutunken - Säuberung nach Kontentleerung - Stöcke als Waffe gegen Leoparden (KORTLAND) - Nüsse aufknacken mit Steinen Voraussetzung für einsichtiges Handeln ist die Fähigkeit zu Generalisierung und Abstraktion Generalisierung: Reaktionen, die an eine bestimmte Reizsituation geknüpft waren, werden auch in ähnlichen Situationen ausgeführt Beispiel: pelzige Tiere Abstraktion: Zwei Reizsituationen werden gleich beantwortet, weil sie wesentliche Merkmale gemeinsam haben (vergl. Begriffsbildung) Beispiel: Bildung des Begriffes „rot“ andere Begriffspaare: gleich-ungleich, rund-eckig, Zahlbegriff Antagonistische Beziehung zwischen Lernen und einsichtigem Verhalten Versuch: zwei Seile hängen in großem Abstand von der Decke herab. Aufgabe: Verknüpfung. Einziges Werkzeug: großer Stein bzw. Ofenhaken à 60 bzw. 50% Lösungen => Befangenheit in dem Bemühen, den Haken als Haken zu gebrauchen Lernen ist Voraussetzung für einsichtige Lösungsfindung (Erfahrung mit pendelnden Dingen), umgekehrt kann die Lösungsfindung durch das „Kleben“ an Denkgewohnheiten und erlernten Methoden verhindert werden. Die
Fähigkeit, einsichtige Problemlösungen zu finden, hängt mit der Bereitschaft
zusammen, seine Methode von Grund auf zu ändern. - Entdeckungen von Außenseitern - rigides und divergentes Denken Einsicht und zentrale Repräsentation des Raumes Optische Wahrnehmung räumlicher Tiefe bei verschiedenen Tieren:
Die Fähigkeit zur räumlichen Orientierung ist bei Wirbeltieren ganz unterschiedlich ausgeprägt
- abhängig vom Lebensraum: Meerestiere, Steppenbewohner, Baumbewohner - Austasten des Raumes durch Augenbewegungen und anschließend zielsichere Bewegung wirkt intelligent - Analogon des planenden Denkens? Raum als Modell für alle unanschaulichen Verhältnisse in der Sprache: - „Einsicht“ - „dahinter stand die Absicht...“ - „innerhalb der nächsten zwei Jahre“ Intelligenzleistungen der Menschenaffen: Symbol- und
Taubstummensprache bei Schimpansen Unfähigkeit der Schimpansen, Lautsprache nachzuahmen Versuche von GARDNER: Hand-Zeichensprache ähnlich Taubstummensprache erste Zeichen: komm, komm schaukeln, reagierte auf Zeichen schau, bleib, nein, mehr, süß, Zeigegeste - nach 22 Monaten 30 Zeichen gelernt und spontan richtig angewendet - Verwendung der Zeichen in freier Kombination, z.B. „höre essen“ für einen Wecker, der zu den Mahlzeiten klingelte; „Öffne Puppe“, als Puppe hinter eine Mauer fiel -> öffnen generalisiert für zugänglich machen - Selbstgespräche beim Betrachten von Bilderbüchern „Hund“, Katze - nach 3 Jahren 85 Zeichen, häufiger Gebrauch von „sorry“ - kleine Sätze in Variationen, z.B. bei Wunsch nach Sodawasser: bitte süßes Getränk, mehr süßes Getränk, gib süßes Getränk, eile süßes Getränk, bitte gib süßes Getränk usw. - Pflegerin tritt auf Puppe: Auf Susanne, Auf Susanne, mein bitte auf, gib Puppe, bitte Schuh, mehr meines, auf bitte, bitte auf, mehr auf, Puppe unten, Schuh auf, bitte mehr auf, du auf PREMACKs Versuche mit Schimpanse Sarah: Benützung von Plastikstücken als Wortsymbole
- erster Satz: Mary gibt Apfel Sarah - Generalisierung gleich-verschieden - Einführung des Fragezeichens, Ja-nein, x verschieden von y - Zeichen für Wort, Kombinationen „Wort für...“, „nicht Wort für...“ - rund, eckig, groß, klein - auf (rote Farbe auf Grün, grüne Farbe auf Rot) - wenn-dann-Verbindung: Wenn Sarah nimmt Apfel, dann Mary gibt Sarah Schokolade; wenn Sarah nimmt Banane, dann Mary nicht gibt Sarah Schokolade Fähigkeit des Schimpansen zu sprachlicher Kommunikation in der Natur nicht ausgenützt! Kommunikation und Tradition bei Tier und Mensch
Informationsweitergabe durch Nachahmung als Anfang der Traditionsbildung Beispiele: - Meisen in England lernten 1940 Milchflaschen öffnen - Ratten lernen von Artgenossen, Giftköder zu meiden - Affenmutter öffnet in Gegenwart der Jungen ein Kistchen, in dem eine Schlange sichtbar wird (Kenntnis von Gefahren wird tradiert) Tradition: Etwas Erlerntes breitet sich in einer Tier- oder Menschenpopulation aus bzw. wird von Generation zu Generation weitergegeben. Beispiel: Makakenkolonie auf der japanischen Insel Koshima - 1953: Weibchen Imo lernt, Futterkartoffeln im Süßwasserbach zu waschen, Ausbreitung dieser Erfindung auf Familienmitglieder, Spielgefährten, Kinder, 1962: ¾ , Meerwasser, Salzgeschmack - Fütterung mit Weizen (am Ufer verstreut), Imo lernt 1956 das Sand-Weizengemisch zusammen zu raffen und ins Wasser zu werfen - heute? Schema des beutetragenden Raubfeindes Unterschied zwischen tierischer und menschlicher Tradition: tierische
Tradition ist objektgebunden - eine spezielle Kenntnis geht verloren, wenn das Objekt, z.B. Katze als Raubfeind, eine Generation lang nicht in Erscheinung tritt - daher auch keine merkliche Anhäufung von überindividuellem Wissen Erst
das begrifliche Denken und die zugleich auftretende Wortsprache machen die
Tradition vom Objekt unabhängig (durch Schaffung von Symbolen) Einzigartige Fähigkeit des Menschen: Gesehenes mit der Hand nachbilden - Entwicklung der Schrift (aus Bilderschrift) Kumulierbare Tradition! - alles Erlernte wird potentiell erblich (Erfindung von Pfeil und Bogen) - Analogie zur Vererbung, aber ermöglicht beschleunigtes Entwicklungstempo -„Vererbung erworbener Eigenschaften“ - die kulturelle Entwicklung des Menschen läuft seiner „Natur“ davon (vergl. Waffentechnik, Tötungshemmungen, möglicherweise auch Ursache für den Niedergang von Hochkulturen) Notwendigkeit
eines Gleichgewichts zwischen konservativen und revolutionierenden Tendenzen! |