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2.2 erfahrungsbedingte Verhaltensanteile

Lehrplan exemplarisches Aufzeigen der biologischen Bedeutung obligatorischen und fakultativen Lernens bei Tieren; Verschränkung mit erbbedingten Verhaltensanteilen;
Literatur  
Medien

 

Geräte
Chemikalien, Material   

 

2.2.1 - Prägung: Kriterien und biologische Bedeutung

Lehrplan

Erarbeiten am Beispiel der Nachfolgeprägung;

Eingehen auf die Mutter-Kind-Bindung (personale Bindung) als prägungsähnliche Fixierung (- K, Ev, Eth, Sk; - FA); evtl. Hinweis auf Hospitalismus (ca. 2 Std.)

Literatur  
Medien

 

Geräte
Chemikalien, Material   

Nachfolgeprägung

Neugeborene Graugänse prägen sich das erste Wesen, das sie erblicken, genau ein und betrachten es fortan als Muttertier

Prägungsversuch mit Entenküken:

Ergebnis:

Unterschiede zwischen Prägung und anderen Lernvorgängen

  • Prägung findet immer nur in einer sensiblen Periode statt

  • Prägung ist irreversibel

 

Prägungsähnliche Lernvorgänge beim Menschen: Mutter-Kind-Bindung

Beruht die Bindung an die Mutter (bzw. an ein Muttertier) auf einer Belohnungsdressur? (Kontakt wird durch Nahrung belohnt)

Kaspar-Hauser-Rhesusaffen

Versuche von HARLOW

- neugeborene Rhesusaffenjunge von ihrer Mutter getrennt, Puppen als Mutterersatz

 

Beobachtungen: Die Affenkinder klammerten sich auch dann an die Plüschmutter, wenn nur die Drahtmutter Nahrung spendete. Wurde der Kontakt mit der Stoffmutter durch einen Luftstrahl betraft, klammerte sich das Junge noch stärker an.

Ergebnisse:

- Die Bindung an die Mutter ist kein Lernvorgang dadurch, dass der Kontakt mit der Mutter durch Nahrung belohnt wird. Andere auslösende Reize des Muttertieren (Fell, Wärme) führen zur allerersten Bindung des Jungtieres.

- die Bindung an die Mutter ist nicht mehr durch Lohn oder Strafe zu beeinflussen.

 

Bindung des Säuglings an die Mutter

Der Mensch - ein ehemaliger Tragling!

Nahrungsaufnahme

  • Verhalten des Säuglings ist noch rein instinktiver Natur, Auslösbarkeit des Lächelns durch Attrappen, Ersatzobjekte (Schnuller)

  • Trinkverhalten - Gemeinsamkeit von Säugling und Mutter, Milchproduktion wird gefördert durch Saugtätigkeit, Körperkontakt und Wahrnehmung des Säuglings

  • Aufwachrhythmus 4 Std., eigene innere Uhr, nicht unbedingt vom Nahrungsbedarf gesteuert - Übergang zu 8 Std. ohne Verlängerung der Intervalle, Auslassung einer Mahlzeit

  • Nahrungsaufnahme fördert die individuelle Bindung (der Säugling schaut nicht das Fläschchen, sondern die Mutter an und prägt sich das Gesicht, das er immer wieder sieht, ein.

Weinen des Säuglings

  • bei Hunger

  • bei Schreck und Schmerz

  • Kontaktruf (Verstummen in Anwesenheit des Betreuers, Bewegung des Bettchens, Schnuller)

Lächeln als soziales Signal erleichtert den Übergang von der nicht-individuellen zur individuellen Bindungsphase - mit 8 Monaten: individuelles Erkennen der Mutter - Achtmonatsangst, „Fremdeln“

prägungsähnlicher Charakter!

Vergl. Kindesmisshandlungen (aber auch Gegenbeispiele)

 

Folgen der Mutterentbehrung beim Menschen -  Heimkinder

Individuelle Bindungsphase vom 3. - 18. Lebensmonat (die nicht-individuelle Bindung beruht auf angeborenen sozialen Signalen.

Die Gegenwart der Mutter gibt Geborgenheit (Angstfreiheit). Ohne eine frühe Bindung fehlt dem Kind das Urvertrauen. Durch die individuelle Bindung wird das Ziel jeder Flucht festgelegt. Bei Fehlen dieser Zuflucht: dauernd aktivierte Angst und Fluchttendenz.

Umwelt der Heimkinder

  • fehlender Körperkontakt (Fütterung)

  • Wechsel der Pflegepersonen (Tag- und Nachtschwester, Arbeitsteilung, Stellungswechsel, Verlegung)

Reaktionen der Kinder auf die Heimumwelt

  • orale Anspannung, Daumenlutschen

  • Lächeln nur bis zum 6. Monat, dann nicht mehr (kein Grußverhalten im Rahmen individueller Bindung)

  • Kontaktbedürfnis (Anklammern an jeden fremden Erwachsenen)

  • Depression (Antwort der Umwelt bleibt aus) vom 2. Jahr an

  • Vermeiden des Blickkontakts und Suchen des Körperkontakts, wahllose Zutraulichkeit, starker Gefühlsausdruck, aber kaum an die Person gebunden

  • Stereotypien

  • Entwicklungsrückstand

moderne Heimstruktur?

Lernvorgang beim Weinen des Säuglings

 

 

 

2.2.2 - reiz- und verhaltensbedingte Konditionierung:

Lehrplan

bedingter Reflex, bedingte Appetenz, bedingte Aversion

bedingte Aktion, bedingte Hemmung

Erarbeiten des jeweiligen Prinzips; Analysieren von Kombinationen dieser Lernvorgänge; Funktionsschaltbilder nicht erforderlich; evtl.  Hinweis auf die Bedeutung dieser Lernvorgänge beim Menschen

Literatur  
Medien

 

Geräte
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Was ist Lernen?

Begriff ist umfassender als schulisches Lernen: Rad fahren lernen, Vokabeln lernen, soziales Verhalten, Haltungen und Einstellungen

aber nicht: z.B. Fliegen lernen der Vögel (Reifung!)

gemeinsam: Verhaltensänderung

Lernen: Verhaltensänderung aufgrund einer gemachten Erfahrung

 

- GEHLEN: Mensch hinsichtlich seiner Instinktausstattung ein Mängelwesen

- Gedächtnisspuren: Engramme

- Auseinandersetzung mif der Umwelt: Evolution - Sonnenhaftigkeit des Auges

- Teleonomische Betrachtungsweise (Teleonomie = arterhaltende Zweckmäßigkeit): Es werden solche Informationen gespeichert, die zum Überleben in der Umwelt beitragen

 

Bedingte Reflexe

Schnelle Schutzreflexe (z.B. bei schmerzhafter Berührung) - 

Teleonomisches Prinzip formulieren: Werden Reize, die einen Schutzreflex auslösen, regelmäßig, durch bestimmte, andersartige Wahrnehmungen angekündigt, so erscheint es sinnvoll, bereits auf diese ankündigenden Wahrnehmungen mit dem Schutzreflex zu antworten. (Gewitter)

Versuch: Bedingter Lidschlussreflex 

Luftstrahl - Reflexzeit 0.25-0.4 sec - Lidschlussreflex

Summton als ankündigenden Reiz - NS bildet neuen Reflexzusammenhang: Gehörreiz kann nunmehr den Lidschlussreflex auslösen, auch wenn der Luftstrahl nicht folgt -

allgemeines Prinzip:

Geht dem auslösenden Reiz für einen Reflex, insbesondere einen Schutzreflex, mehrfach ein sonst neutraler Reiz unmittelbar voraus, so kann dies einen Lernvorgang verursachen mit dem Ergebnis, dass fortan auch der zunächst nur ankündigende Reiz die Reaktion auslöst.

Folgerung: Es muss Stellen im ZNS geben, die auf das zeitlich zusammenhängende Eintreffen von Signalen zweier Bahnen eine bleibende signalleitende Verbindung zwischen den beiden Bahnen entstehen lassen.

Wesentlich ist die zeitliche Verknüpfung!

Su = unbedingter (d.h. nicht erfahrungsbedingter) Reiz

Sb = bedingter (d.h. erfahrungsbedingter) Reiz

 

aufgrund der Koinzidenz der Erregungen entstand eine signalleitende Verknüpfung

 

 

Ohne Verknüpfungsstelle lässt sich kein bedingter Reflex herstellen, z.B. kann der Kniesehnenreflex nicht in einen bedingten Reflex umgewandelt werden.

 

Bedingte Aktion und bedingte Hemmung

Lernvorgänge auf der Basis instrumenteller Konditionierung

(Skinner-Versuche, Labyrinth-Versuche; motorisches Lernen; bedingte Aktion, bedingte Hemmung, Bedeutung für Erziehung und Unterricht)

Nach Skinner tritt Verhalten in 2 Formen auf:

- reaktives Verhalten - ausgelöst durch spezifische Reize

- operatives Verhalten - spontan, wenn sich kein Auslösereiz

ermitteln lässt, betont, dass das Verhalten auf die Umwelt einwirkt und dort bestimmte Folgen hervorruft.

Verhaltensweisen, die mehrmals verstärkt wurden, haben die Tendenz, häufiger zu erscheinen

Beispiele:

- Skinners Tauben (z.B. Picken gegen eine Scheibe oder Drehung in die gewünschte Richtung wurde mit Futter belohnt)

- Karl v. Frischs Sittich (Batzi)

- Affe im Zoo hüpft auf der Stelle, erregt dadurch Aufmerksamkeit und wird belohnt

Unterschied zu Pawlows Versuchen:

Der Organismus muss selbst die Handlung vollbringen, wenn er den verstärkenden Reiz erhalten will also: Selektion erfolgreicher Verhaltensweisen, bei Pawlow: Herausfinden der Signalreize

Lernen im Sinne Skinners: Verstärkung eines operativen Verhaltens

Folgen auf ein Verhalten Erfahrungen, die eine Belohnung darstellen, so verknüpft sich der durch die Belohnung befriedigte Antrieb mit dem Verhaltenselement und stellt es in seinen Dienst.

= Bedingte Aktion (Auf ein Verhalten folgt gute Erfahrung)

Wenn auf ein Verhalten schlechte Erfahrung folgt ist es sinnvoll, dieses Verhalten künftig zu unterdrücken

Bedingte Hemmung (auf ein Verhalten folgt schlechte Erfahrung)

unterscheide

- bedingte Aversion: Antriebsziel wird gehemmt

- bedingte Hemmung: Ausübung des Verhaltens wird gehemmt

Beispiel: Wie gewöhnt man einem Hund das Wildern ab?

Mögliche sekundäre Folgen von bedingter Hemmung: Antriebsstau kann zu unkontrollierten Ausbrüchen führen

Kombinierte Lernformen: Lernen aus guter und schlechter Erfahrung

Art der Erfahrung

auslösende

Reizsituation

Verhaltenselement
Belohnung bedingte Appetenz bedingte Aktion
Strafe bedingte Aversion bedingte Hemmung

Lernen am Erfolg: Kombination von bedingter Appetenz und bedingter Aktion

Beispiel: Skinner-Box - Katze in Käfig mit Taste - Futter - nach Blockierung der Taste: Katze drückt mit der Pfote auf alle möglichen Dinge -

Vergleich mit Mäusefang: Orientierungsziel und Verhalten erlernt!

Was ist angeboren? Hunger, Endhandlung

Lernvorgänge können instinktive Verhaltensstrukturen stilllegen. Die angeborenen Fähigkeiten brauchen dazu nicht in einem stammesgeschichtlichen Prozess verlorengegangen zu sein.

Instinktreduktion ist nicht notwendige Voraussetzung einer Steigerung der intellektuellen Fähigkeiten aber Verlust der Instinktsicherheit durch Entscheidungsmöglichkeit zwischen instinktbetonten und verstandesbetonten Verhaltenstendenzen

Vermeiden schlechter Erfahrung wirkt als Belohnung

Beispiel: Ratten  mussten Taste drücken, um elektrischen Strafreiz zu vermeiden. Sie drücken vorsorglich die Taste und können daher gar nicht merken, wenn die Strafapparatur nicht mehr eingeschaltet ist - Furcht ist Antrieb!

Furcht kann durch bestimmte schlechte Vorerfahrungen zum Antrieb für erlernte Verhaltensweisen werden

Bedingungen des Lernerfolgs

Zusammenhang zwischen Antriebslage und Lernergebnis

Beispiel: Goldammern und Pfauenaugen

Ergebnis: Gleichartige Tiere lernten in Gleichartigen Erfahrungssituationen völlig verschiedenes

- Chancen für ein Umlernen sind bei Lernprozessen aufgrund schlechter Erfahrung gering, weil eine solche Lernsituation hinfort gemieden wird.

- Belohnung und Bestrafung als Mittel in der Erziehung 

Anwendung der Gesetzmäßigkeiten über das Lernverhalten

- Schlechte Erfahrungen und Strafen wirken durch ihr Sofort, nicht durch ihre Härte

 

Programmierte Unterweisung

- kleine Lernschritte

Die Schritte zwischen den Lerneinheiten sollen der Kapazität des Lernenden derart angepasst sein, dass Fehler praktisch ausgeschlossen bleiben, so dass es zu kontinuierlichen Verstärkungen (Motivation!) kommt.

- Individuelles Lerntempo

- Sofortkontrolle

- Richtige Verstärkung (höhere Lennmotivation durch häufige Erfolgserlebnisse; Erhöhung des Anspruchsniveaus)

(Aktives Formulieren der Antworten - lineare und verzweigte Programme)

 

Irrwege bedingter Aktionen

- Belohnen schnellerer Tätigkeit => auch dann, wenn die Belohnungen, die die Tiere erarbeiten weniger einbringen als der Energieaufwand für diese Tätigkeit!

-      Selbstbelohnung durch Gehirnreizung (OLDS)

Entkopplung von lebensnotwendigem Verhalten und resultierender Befriedigung

- Bedingte Aktionen durch vorgespiegelte Belohnung

Käfig mit Tauben; in gleichmäßigen Zeitabständen von ein paar Sekunden fallen Körner in den Käfig => Kopfbeungen, Rechts- oder Linkswendung, Putzen - Aberglaube?

 

Bedingte Appetenz und bedingte Aversion

Bedingte Appetenz: Auf Wahrnehmung folgt gute Erfahrung

 Teleonomisches Prinzip:

Wenn einer bestimmten Reizsituation eine Antriebsbefriedigung nachfolgt, erscheint es sinnvoll, diese Reizsituation erneut aufzusuchen, sobald der Antrieb neuer Befriedigung bedarf. (Wahrscheinlichkeit eines umweltbedingten Sachzusammenhangs zwischen Reizsituation und Gelegenheit zur Antriebsbefriedigung)

Beispiele:

- Biene findet auf blauer Blüte keinen Nektar, aber auf gelber - sie fliegt bevorzugt gelbe Blüten an

- Ratten erhielten an den Enden zweier Gänge, die von einer Verzweigungsstelle ausgingen, Futter oder Wasser - sie bevorzugten jeweils den ihrer inneren Verfassung entsprechenden Gang -

- Pferde-Jungtiere suchen anfangs das Gesäuge der Mutter zuweilen im falschen Winkel zwischen den Vorderbeinen - lernen nach erfolgreichem Trinken schnell, nur an der richtigen Stelle nahe den Hinterbeinen zu suchen

Pawlowscher Versuch: Magensaftbildung auf Glockenzeichen        

Nach mehrfacher Wiederholung der Futtergabe bei vorherigem Glockenzeichen löst auch das Glockenzeichen allein, ohne Futtergabe, die Speichel- und Magensaftsekretion aus.

- ursprünglich als Prototyp des bedingten Reflexes aufgefasst

aber:

Magensaftsekretion ist nur physiologische Begleitfunktion von bedingtem Appetenzverhalten.

Unterschiede zum bedingten Lidschlagreflex:

 

- von Belohnungen (Befriedigung des aktivierten Nahrungsantriebs)

abhängig

- Hund zeigt bei Befreiung sein ganzes (Ernährungs-) Appetenzverhalten: zeigt Verhaltensweisen die in der gegebenen Versuchsanordnung gar nicht gelernt werden konnten.

Unterschied zwischen bedingtem Reflex und bedingter Appetenz:

Beim bedingte Reflex löst der bedingte Reiz stets das gleiche motorische Verhaltensmuster aus wie der primäre auslösende Reiz, bei der bedingten Appetenz erscheint als erfahrungsbedingtes Verhalten stets das Appetenzverhalten, gleich, ob es in der Lernsituation stattfand oder nicht.

 

Bedingte Aversion: auf Wahrnehmung folgt schlechte Erfahrung   

- Umkehrung der bedingten Appetenz: erlernter Vermeiden

Vergleich mit bedingtem Reflex: Das gesamte Vermeide-Verhalten (Abwehr, Abwendung, Flucht, Hemmung der Annäherung) wird an die abstoßend gewordenen Reize geknüpft, also gegebenenfalls Verhaltensweisen, die in der Lernsituation überhaupt nicht vorkamen.

Beispiele:

- Pferd wurde an einer Stelle des Weges erschreckt

- 3 Eiderentenjungen

- bei Ratten ließ man auf die Aufnahme bestimmter Nahrung experimentell eine unspezifische physiologische Schädigung folgen (Röntgenkater)

Allgemeines Prinzip der bedingten Aversion

Folgt auf die Wahrnehmung einer neutralen oder zuvor angestrebten Reizsituation ein- oder mehrmals eine schmerzhafte oder ängstigende Erfahrung, so verknüpft sich die Reizsituation mit der  Verhaltenstendenz des Vermeidens, die zu Flucht oder Hemmung der Annäherung führt.


2.2.3 - höhere Lern- und Verstandesleistungen (- W): Lernen durch Einsicht

Lehrplan

Besprechen eines Beispiels; evtl.  Hinweis auf die besondere Stellung des Menschen, z.B. Bewusstsein, Sprache Ev, Eth) (ca. 6 Std.)

Literatur  
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Erkundungs-, Neugier- und Spielverhalten

Lernen am Erfolg setzt aktivierten Antrieb voraus - aber Spielverhalten?

Welche Tiere spielen? Goldhamster, Raubtiere, Eichhörnchen, Nager, einige Vögel, z.B. Kolkraben

Erkunden: Herumstreifen und Wahrnehmen

Beispiele: 

- ein Goldhamster, der in einen neuen Käfig freigelassen wird, erkundet seine neue Umgebung

- Ratten erkunden neue Objekte oder ein Labyrinth

 

Vorteile: Kennen lernen der Umwelt (z.B. neue Nahrungsquellen, potentielle Gefahren, Verstecke, Nistplätze)

 

Neugierverhalten kann fließend in Spielverhalten übergehen (Tiere spielen mit neuen

Gegenständen) oder im Spielverhalten enthalten sein.

 

Neugierverhalten: Gerichtetes Aufsuchen und Untersuchen von Gegebenheiten, die auffällig und unbekannt sind

Beispiel: Kolkrabe, Attrappe

An demselben Objekt oder in derselben Situation werden die verschiedensten Verhaltensweisen durchprobiert

(Hunde beschnuppern, Eichhörnchen benagen, Primaten berühren mit Händen und Lippen)

- wenn das Objekt reagiert erregt es besonderes Interesse

Spielen: Verhalten in Wechselwirkung mit Gegenständen oder Partnern

Artspezifische Spiele sind z.B.

Bewegungsspiele Kampfspiele (Raubtiere wie Wölfe und Löwen, aber auch junge Ziegen, Gemsen u.a.), dabei stark ausgeprägte Beißhemmung und schneller Rollenwechsel.

Fluchtspiele (Verfolgungen), dabei weniger Balgerei als bei Kampfspielen, sondern

Vermeidung von Kampf, schneller Rollenwechsel

Beute- und Nahrungserwerbspiele, oft gegen ungenießbare Objekte (Blätter, Äste, aber

auch Geschwister) gerichtet

Fortpflanzungs- und Brutpflegespiele, spielerische Balz und Paarungsverhalten (Vögel,

Säuger)

Motivation des Erkundungs-, Neugier- und Spielverhaltens?

- keine Antriebsbefriedigung - begierdelos - Spieltrieb - Neugiertrieb - die Befriedigung liegt in der Durchführung dieser Verhaltensweisen selber - GEHLEN: Abhängbarkeit der Handlungen von den Antrieben - sachliches Verhältnis, ohne Triebreiz - Identität mit dem Forschen des Menschen - NIETZSCHE: “In jedem Manne steckt ein Kind“

Arterhaltender Wert?

Beispiel: spielende Löwen, Eichhörnchen (Fluchtspiel)

Ziel: Gewinnung individueller Lebenstüchtigkeit und Selbständigkeit

(das Kind wehrt Hilfe ab, wenn es eine Tätigkeit selbst ausführen kann - Aggression - Überbehütung)

Voraussetzungen: Abwesenheit anderer, stark aktivierter Antriebe, auch von Unsicherheit und Angst.

Erkundungs-, Neugier- und Spielverhalten erfolgt nur im „entspannten Feld“

Kaspar-Hauser-Tiere zeigen dieses Verhalten nicht - Angstfreiheit (=Geborgenheit) durch die Mutter)

 

Einsichtiges Handeln

Erfassen von Zusammenhängen in averbalen Schlüssen (Zählversuche mit Papageien) ist kein Versuch- und Irrtums-Lernen! Einsicht!

Beispiele:

- Hund dringt in bisher gemiedenen Garten ein, wenn der Nachbarhund angekettet ist

- Umwegversuch mit Ratten

- die Ratten verhalten sich, als hätten sie ein räumliches Bild des Labyrinths gegenwärtig

- Handlungsfolge erdacht, Probieren nach innen verlegt

verinnerlichtes Handeln

Versuche mit Menschenaffen

- vor einem durch Einsicht zu lösenden Problem: Kiste, Banane

- wie verhalten sich Waschbären, Rhesusaffen? (unruhiges hin- und herlaufen, motorisches Probieren verschiedener Möglichkeiten)

- Menschenaffen (Orang)

(sitzt ruhig da, überblickt die Versuchsanordnung aufmerksam, innere Anspannung an Übersprungbewegungen (Kopfkratzen) deutlich, Blicksprünge, Wutausbruch, erneute Zuwendung, Blicksprünge, blitzartiger Einfall, Purzelbaum, holt Kiste und schiebt sie unter die Banane

„Aha-Erlebnis“

Was spielt sich in dem Affen ab? Denken?

Verinnerlichtes Handeln in einem vorgestellten Raum

Problemlösung erfordert Kombination der Ergebnisse früherer Lernprozesse

=> Bedeutung des Spielens

Freilandbeobachtungen an Schimpansen

- Termiten fischen mit Werkzeug (GOODALL)

- Blätter, um Wasser aus Baumlöchern aufzutunken

- Säuberung nach Kontentleerung

- Stöcke als Waffe gegen Leoparden (KORTLAND)

- Nüsse aufknacken mit Steinen

Voraussetzung für einsichtiges Handeln ist die Fähigkeit zu Generalisierung und Abstraktion

Generalisierung: Reaktionen, die an eine bestimmte Reizsituation geknüpft waren, werden auch in ähnlichen Situationen ausgeführt

Beispiel: pelzige Tiere

Abstraktion: Zwei Reizsituationen werden gleich beantwortet, weil sie wesentliche Merkmale gemeinsam haben (vergl. Begriffsbildung)

Beispiel: Bildung des Begriffes „rot“

andere Begriffspaare: gleich-ungleich, rund-eckig, Zahlbegriff

Antagonistische Beziehung zwischen Lernen und einsichtigem Verhalten

Versuch: zwei Seile hängen in großem Abstand von der Decke herab. Aufgabe: Verknüpfung. Einziges Werkzeug: großer Stein bzw. Ofenhaken

à 60 bzw. 50% Lösungen => Befangenheit in dem Bemühen, den Haken als Haken zu gebrauchen

Lernen ist Voraussetzung für einsichtige Lösungsfindung (Erfahrung mit pendelnden Dingen), umgekehrt kann die Lösungsfindung durch das „Kleben“ an Denkgewohnheiten und erlernten Methoden verhindert werden.

Die Fähigkeit, einsichtige Problemlösungen zu finden, hängt mit der Bereitschaft zusammen, seine Methode von Grund auf zu ändern.

- Entdeckungen von Außenseitern

- rigides und divergentes Denken

Einsicht und zentrale Repräsentation des Raumes

Optische Wahrnehmung räumlicher Tiefe bei verschiedenen Tieren:

Parallaktische Orientierung binokuläres Fixieren
- räumlich orientierende Information aus den parallaktischen Verschiebungen der Netzhautbilder einzelner Gegenstände, die von der Eigenbewegung des Tieres bewirkt werden (Fische, Regenpfeifer).

- aus der Konvergenz der Augachsen wird die Entfernung ermittelt

- Zielen nach der Beute

 

Die Fähigkeit zur räumlichen Orientierung ist bei Wirbeltieren ganz unterschiedlich ausgeprägt

 

- abhängig vom Lebensraum: Meerestiere, Steppenbewohner, Baumbewohner

- Austasten des Raumes durch Augenbewegungen und anschließend zielsichere Bewegung wirkt intelligent

- Analogon des planenden Denkens?

Raum als Modell für alle unanschaulichen Verhältnisse in der Sprache:

- „Einsicht“

- „dahinter stand die Absicht...“

- „innerhalb der nächsten zwei Jahre“

 

Intelligenzleistungen der Menschenaffen: Symbol- und Taubstummensprache bei Schimpansen

Unfähigkeit der Schimpansen, Lautsprache nachzuahmen

 

Versuche von GARDNER: Hand-Zeichensprache ähnlich Taubstummensprache

erste Zeichen: komm, komm schaukeln, reagierte auf Zeichen schau, bleib, nein, mehr, süß, Zeigegeste

- nach 22 Monaten 30 Zeichen gelernt und spontan richtig angewendet

- Verwendung der Zeichen in freier Kombination, z.B. „höre essen“ für einen Wecker, der zu den Mahlzeiten klingelte; „Öffne Puppe“, als Puppe hinter eine Mauer fiel -> öffnen generalisiert für zugänglich machen

- Selbstgespräche beim Betrachten von Bilderbüchern „Hund“, Katze

- nach 3 Jahren 85 Zeichen, häufiger Gebrauch von „sorry“

- kleine Sätze in Variationen, z.B. bei Wunsch nach Sodawasser: bitte süßes Getränk, mehr süßes Getränk, gib süßes Getränk, eile süßes Getränk, bitte gib süßes Getränk usw.

- Pflegerin tritt auf Puppe: Auf Susanne, Auf Susanne, mein bitte auf, gib Puppe, bitte Schuh, mehr meines, auf bitte, bitte auf, mehr auf, Puppe unten, Schuh auf, bitte mehr auf, du auf

 

PREMACKs Versuche mit Schimpanse Sarah: Benützung von Plastikstücken als Wortsymbole

- erster Satz: Mary gibt Apfel Sarah

- Generalisierung gleich-verschieden

- Einführung des Fragezeichens, Ja-nein, x verschieden von y

- Zeichen für Wort, Kombinationen „Wort für...“, „nicht Wort für...“

- rund, eckig, groß, klein

- auf (rote Farbe auf Grün, grüne Farbe auf Rot)

- wenn-dann-Verbindung: Wenn Sarah nimmt Apfel, dann Mary gibt Sarah Schokolade; wenn Sarah nimmt Banane, dann Mary nicht gibt Sarah Schokolade

Fähigkeit des Schimpansen zu sprachlicher Kommunikation in der Natur nicht ausgenützt!

 

Kommunikation und Tradition bei Tier und Mensch

Informationsweitergabe durch Nachahmung als Anfang der Traditionsbildung

Beispiele:

- Meisen in England lernten 1940 Milchflaschen öffnen

- Ratten lernen von Artgenossen, Giftköder zu meiden

- Affenmutter öffnet in Gegenwart der Jungen ein Kistchen, in dem eine Schlange sichtbar wird (Kenntnis von Gefahren wird tradiert)

Tradition: Etwas Erlerntes breitet sich in einer Tier- oder Menschenpopulation aus bzw. wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Beispiel: Makakenkolonie auf der japanischen Insel Koshima

- 1953: Weibchen Imo lernt, Futterkartoffeln im Süßwasserbach zu waschen, Ausbreitung dieser Erfindung auf Familienmitglieder, Spielgefährten, Kinder, 1962: ¾ , Meerwasser, Salzgeschmack

- Fütterung mit Weizen (am Ufer verstreut), Imo lernt 1956 das Sand-Weizengemisch zusammen zu raffen und ins Wasser zu werfen - heute?

Schema des beutetragenden Raubfeindes

Unterschied zwischen tierischer und menschlicher Tradition:

tierische Tradition ist objektgebunden

- eine spezielle Kenntnis geht verloren, wenn das Objekt, z.B. Katze als Raubfeind, eine Generation lang nicht in Erscheinung tritt

- daher auch keine merkliche Anhäufung von überindividuellem Wissen

Erst das begrifliche Denken und die zugleich auftretende Wortsprache machen die Tradition vom Objekt unabhängig (durch Schaffung von Symbolen)

Einzigartige Fähigkeit des Menschen: Gesehenes mit der Hand nachbilden - Entwicklung der Schrift (aus Bilderschrift)

Kumulierbare Tradition! - alles Erlernte wird potentiell erblich (Erfindung von Pfeil und Bogen)

- Analogie zur Vererbung, aber ermöglicht beschleunigtes Entwicklungstempo -„Vererbung erworbener Eigenschaften“

- die kulturelle Entwicklung des Menschen läuft seiner „Natur“ davon (vergl. Waffentechnik, Tötungshemmungen, möglicherweise auch Ursache für den Niedergang von Hochkulturen)

Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen konservativen und revolutionierenden Tendenzen!