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3 Evolution

3.1 Belege für die stammesgeschichtliche Entwicklung

3.1.1 Ordnung der Arten im natürlichen System

3.1.2 Homologien

3.1.3 fossile Formen: Pferdestammbaum, Archaeopteryx

3.2 Erklärungen für den Artenwandel

3.2.1 Darwinsche Evolutionstheorie

3.2.2 Zusammenspiel von Evolutionsfaktoren aus der Sicht der erweiterten Evolutionstheorie  

3.3 Grundzüge der stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen

3.3.1 Vergleich Mensch - Menschenaffe

3.3.2 humane Phase: Bedeutung des aufrechten Gangs  

3.2 Erklärungen für den Artenwandel

3.2.1 - Darwinsche Evolutionstheorie (- W)

Lehrplan  Darstellen der Grundaussagen; Hinweis auf weltanschauliche Folgen (- Y" Ev, Eth); evtl.  Diskussion über den Missbrauch der Lehre Darwins (- G) (ca. 2 Std.)
Literatur  
Medien

 

Geräte
Chemikalien, Material   

Darwins Theorie der natürlichen Selektion.

  • Die verschiedenen Arten produzieren mehr Nachkommen als zum Überleben nötig.

  • Die Individuen einer Art unterscheiden sich: phänotypische Variation der Individuen.

  • Diese Unterschiede  sind zum Teil erblich.

  • Wegen der Überproduktion von Nachkommen werden die Ressourcen knapp. Deshalb muss es einen Kampf ums Dasein geben. Die an die Umgebung besser angepassten Individuen überleben (natürliche Auslese).

  • Durch Isolation entstehen schließlich neue Arten.  

Beispiele für die Wirkung der Selektion

Erweiterung der Darwinschen Selektionstheorie durch die Erkenntnisse der modernen Genetik: Bedeutung von Mutation und genetische Rekombination für das zustande kommen der Variation.

 

3.2.2 - Zusammenspiel von Evolutionsfaktoren aus der Sicht der erweiterten Evolutionstheorie:  Mutation, Rekombination, Selektion, Isolation

Lehrplan  ggf. modellhafte Veranschaulichung durch Computersimulation und 'Evolutionsspiele'; genetische Variabilität (vgl.  B12); Aufzeigen von Genfrequenzänderungen infolge der selektierenden Wirkung abiotischer und biotischer Faktoren an Beispielen; Rassenund Artbildung als Folge geographischer und reproduktiver Isolation; Eingehen auf die adaptive Radiation am Beispiel der Darwinfinken bzw. der Beuteltiere (ca. 7 Std.)
Literatur  
Medien

 

Geräte
Chemikalien, Material   

 

Variabilität in der Population als Voraussetzung jeder Evolution

Als DARWIN seine Selektionstheorie konzipierte, ging er u.a. von der Voraussetzung aus, dass die Individuen einer Tier- und Pflanzenart nicht völlig gleich sind, sondern variieren.

 Ursachen für Variabilität:

  • genetische Variabilität (unterschiedliche Erbanlagen)

  • modifikatorische Variabilität (Umwelteinflüsse)

Abgrenzung von genetischer Variabilität und Umweltmodifikationen

Beispiele: 

Hochgebirgspflanzen im Hochgebirge, Mittelgebirge und Tiefland gepflanzt

Tieflandrasse im Hochgebirge, Mittelgebirge und Tiefland gepflanzt

Ergebnis?

weitere Beispiele für Modifikationen: Schwielen, Muskulatur, Ernährung (Haustiere z.B. Schwein), Licht (Pigmentbildung, Vergeilung bei Pflanzen), Jahreszeiten (Hermelin, Schneehase, Landkärtchen), schwimmende und untergetauchte Blätter beim Wasserhahnenfuß

Bedeutung der Umweltmodifikationen: Bessere Anpassung des Organismus an seine Umgebung.

Die Merkmale eines Individuums werden also nicht vollständig vom Genom determiniert - vererbt wird die Reaktionsnorm, d.h. die Fähigkeit, innerhalb eines genetisch festgelegten Bereiches auf Umwelteinflüsse zu reagieren.

Auslese-Experimente:

Bohnen auslesen und weiterzüchten à Ergebnis immer größere Bohnen? - In reinen Linien ist die Auslese wirkungslos (außer Neumutationen)

Klon-Kultur von Pantoffeltierchen

 

Ursachen für die Entstehung der genetischen Variabilität: Mutation und genetische Rekombination

 genetische Rekombination

  • zufallsgemäße Verteilung der homologen väterlichen und mütterlichen Chromosomen bei der Meiose (Reifeteilung)

  • Crossing over an homologen Chromosomen und Stückaustausch bei der Meiose

  • Freie, zufällige  Kombination der Keimzellen bei der Befruchtung

Beispiel Mensch: 23 homologe Chromosomenpaare ergeben nach Befruchtung 246 verschiedene Kombinationen (ohne crossing over) - erst bei einer Kinderzahl von 70*1012 wären zwei gleiche Erbkombinationen zu finden!

Die Bedeutung der geschlechtlichen Fortpflanzung besteht also nicht primär in der Produktion von Nachkommen. Durch die Sexualität wird in jeder Generation der Umwelt kaleidoskopartig eine neue Auswahl von Genotypen angeboten, wobei jedoch die Grundelemente, die Allele und ihre Häufigkeiten ungefähr beibehalten werden. Das führt dazu, dass Populationen mit geschlechtlicher Fortpflanzung eine weit größere Anpassungsfähigkeit gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen aufweisen als solche mit ungeschlechtlicher Fortpflanzung.

Mutationen

Nachweis, dass Mutationen spontan und ungerichtet erfolgen:

Fluktuationstest: Mehrere Bakterienkulturen wurden in einem flüssigen Nähmedium ohne Phagen vermehrt. Am Ende der Wachstumsperiode wurden die Kulturen auf einem Phagen enthaltenden Nährboden ausplattiert. Nur die resistenten Zellen konnten Kolonien bilden.

Welches Ergebnis wäre zu erwarten, wenn a) die Phagen-Resistenz durch den Kontakt  mit Phagen erworben wird und b) die phagenresistenten Mutationen spontan und ungerichtet erfolgen? 

Stempelversuch (Lederberg)

Seltenheit von Mutationsereignissen: ca. 10-6 pro Allel und Generation

à genetische Variabilität hauptsächlich durch Rekombinationsereignisse bedingt, obwohl primär auf Mutationsereignisse zurückgehend

Bei Bakterien u.a. Mikroorganismen ermöglichen wegen der kurzen Generationendauer (Klone) und hohen Vermehrungsrate Mutationen rasche Anpassung an veränderte Umweltbedingungen!

Die meisten Mutationen treten in somatischen Zellen auf und verschwinden mit dem Tod des Individuums

Viele Mutationen sind harmlos: Degeneration (Redundanz) des genetischen Code; Introns

Auch eine einzige Punktmutation kann sich nachteilig auswirken: Beispiel Sichelzellenanämie

Die meisten Mutationen sind nachteilig  

Beispiel DDT-Resistenz: geringere Wachstumsgeschwindigkeit

 

Aufrechterhaltung der genetischen Variabilität:

Diploidie

Im  Schutz der Heterozygoten erhält sich ein riesiger Genpool von Allelen, welche unter den herrschenden Bedingungen vielleicht nicht geeignet sind, aber bei veränderten Umweltbedingungen Vorteile bringen könnten.

Heterozygotenvorteil

Hybriden aus der Kreuzung zweier reinerbiger Rassen sind vielfach robuster

Beispiele: Radieschen-Hybridensaatgut

Sichelzellenanämie

 

Selektion

Kampf ums Dasein, Überleben des Stärksten irreführend - Erfolge subtil und passiv

relative Fitness (im Darwinschen Sinne): Beitrag eines Individuums zum Genpool der nächsten Generation (im Vergleich zu den Beiträgen alternativer Genotypen)

Wirkungsweisen der Selektion

Beispiel einer Schneckenpopulation

 

Begriffe:

Selektionsfaktor: Umwelteinfluss, der unterschiedliche Fortpflanzungsraten verschiedener Phänotypen bewirkt.

Selektionsdruck: Einwirkung der Selektionsfaktoren auf eine Population

 

Selektionsfaktoren und ihre Wirkung                 

Abiotische Selektionsfaktoren - Beispiele 

  •  Wasser (Sukkulenz, Epidermis ...)

  • Temperatur (Bergmannsche, Allensche Regel)

  •  Wind (-> Flugunfähigkeit)

 

Biotische Selektionsfaktoren - Beispiele

  • Parasiten (Malaria)

  • Feinde (Dornen, Gift, Beweidungseffekt, Industriemelanismus)

  • Symbionten

  • Konkurrenz um Sexualpartner

  • Konkurrenz um Ressourcen wie z.B. Nahrung, Raum, Licht (Bäume), Wasser

 

Man unterscheidet: Stabilisierende, unterbrechende und gerichtete Selektion.

Transformierende Selektion: bewirkt Änderung des Genpools

-          gerichtete Selektion wirkt sich auf einen Extrembereich der phänotypischen Variation, z. B. die kleinsten Individuen aus. (neuer Lebensraum, andere Umweltbedingungen); 

Beispiele: Braunbären-Größe, DDT-Resistenz

-          disruptive (unterbrechende) Selektion führt zu einer Unterbrechung der Variation und führt zu 2 oder mehr bestimmten Phänoptypen. Die extremen Phänotypen werden begünstigt 

Beispiel: Finken-Schnäbel

Stabilisierende Selektion (= optimierende Selektion) wirkt auf die beiden extremen Bereiche der phänotyischen Variation - bewirkt Erhaltung des Genpools

Beispiel: extrem große und extrem kleine Individuen


Beispiel für die Wirkung der Selektion: Birkenspanner  

1848 wurde erstmals ein schwarz gefärbtes Exemplar gefangen, in der Nähe von Manchester. Deren Zahl nahm in den folgenden Jahren zu. 1895 waren 95% der Birkenspanner in der Umgebung von Manchester melanistisch. 100% weiße Birkenspanner gibt es heute nur noch in abgelegenen Gebieten. die Tendenz zum Melanismus wurde inzwischen noch bei 70 weiteren Schmetterlingsarten in allen Industriestaaten festgestellt, aber nur bei solchen Arten, die sich an exponierten Flächen aufhalten.

Hypothesen zur Entstehung: - zugeflogen - spontane Mutationen, ohne Bezug zur Umwelt - Färbung durch Rauch und andere Verunreinigungen

Hypothesen zur Erhaltung: - gesteigerte Vitalität - Allel für dunkles Pigment ist dominant - Räuber finden die dunklen Formen weniger leicht

Freilandexperimente: Freilassung von markierten hellen und dunklen Birkenspannern in unterschiedlichen Landschaften - Vögel erbeuteten die Spanner - Anlockung mit Licht- und Duftködern - Bestimmung der Anzahl 

Schutztrachten als Selektionserfolg

Verbergtrachten (Träger ist in natürlicher Umgebung schwer erkennbar)

  • Umgebungstracht (kryptische Färbung): Übereinstimmung mit dem Allgemeinbild der Umgebung

  • Gestaltauflösung (Somatolyse): Kontrastreiche Zeichnungselemente zerlegen die Tiergestalt in scheinbar unzusammenhängende Teile

  • Gegenschattierung: Die stärker pigmentierte Seite wird dem Licht zugewendet, die plastische Wirkung des Schattens wird dadurch aufgehoben. Es entsteht ein nichträumlicher, flächenhafter Eindruck

  • gestaltliche Ähnlichkeit: Ähnlichkeit mit häufigen, nicht auffallenden Einzeldingen in der Umgebung in Verbindung mit geeignetem Verhalten (Spannerraupen, wandelndes Blatt, Stabschrecken)

Auffällige Trachten

  • Schrecktracht: Zurschaustellen von auffallenden Zeichnungen oder unerwarteten Farbeffekten, die den Verfolgen zeitweise irritieren (Abendpfauenauge, Schnarrheuschrecke, Unken)

  • Warntracht: Auffällige Färbung einer wehrhaften oder ungenießbaren Art. Feinde lernen durch schlechte Erfahrungen, solche Tiere zu meiden (Feuersalamander, Hornisse)

  • Scheinwarntracht (Mimikry): Das genießbare Tier ahmt ein warnfarbiges, wehrhaften oder giftiges nach - Nutznießer seltener als Schutzgeber (Korallenschlangen, Wespenmimikry)

Beispiel Afrikanischer Schwalbenschwanz: Die Weibchen sehen ganz verschieden aus, sie sehen immer solchen Schmetterlingen ähnlich, die für Insektenfresser ungenießbar sind (Raupen leben auf Giftpflanzen)

Domestikation - künstliche Selektion

Beispiele: Kulturpflanzen - Haustiere - Aquaristik

Die Evolutionsgeschwindigkeit ist unter dem Einfluss des Menschen ungleich größer wegen der Steigerung der Neukombinationen durch planvolle Züchtung und Wegfall der Umweltbedingungen der freien Natur (Erhaltung von Erbanlagen für Monstrositäten und pathologische Merkmale z.B. Zwergbulldogge, manche Taubenrassen, Tanzmäuse)

 

Bringt die Evolution vollkommene Lebewesen hervor?

-          historische Beschränkungen (Beispiel: Rückenschmerzen)

-          Kompromisse (Robben-Flossen)

-          Nicht jeder Evolutionsschritt ist adaptiv

-          Selektion kann nur existierende Varianten begünstigen

 

Mikroevolution: Wandel in den Allel- oder Genotypfrequenzen in einer Population von Generation zu Generation

 Ursachen

  • Mutation

  • Selektion

  • Genetische Drift: Veränderung in einem kleinen Genpool aufgrund von Zufallsereignissen

  • Genfluss: Veränderung des Genpools durch Austausch von Individuen zwischen Populationen

  • Nichtzufällige Paarung

Genetische Drift

Genetische Drift: Veränderung der Genfrequenzen durch Zufallsabweichungen in kleinen Populationen

In welchen Fällen könnte genetische Drift eine Rolle spielen?

  • kontinuierliche Drift: Die Population bleibt zahlenmäßig klein und die Zufallsfehler sind in jeder Generation wirksam.

  • zeitweilige Drift: Die Population wird gelegentlich so stark reduziert, dass genetische Drift wirksam werden kann.

  • Gründerprinzip: Neue Populationen werden häufig von einer kleinen Individuenzahl gegründet, die nur einen Bruchteil der genetischen Vielfalt der Elternpopulation weitergibt und sich daher von ihr unterscheidet. Gründerpopulationen unterscheiden sich auch untereinander.

 

Versuch: Münzwurf bei großen und kleinen Stichproben (Kopf und Zahl) oder Auswahl aus roten und weißen Kugeln

Zwei Situationen können zu Populationen führen, die klein genug sind für eine genetische Drift:

Flaschenhalseffekt

Katastrophen (Erdbeben, Feuer, Überschwemmung) wirken unselektiv - in einer kleinen, überlebenden Population können Allele über- oder unterrepräsentiert sein

Modellversuch mit Flasche und verschieden gefärbten Kugeln

Gründereffekt

Besiedlung eines neuen Lebensraums (z.B. Vulkaninsel) durch eine kleine Stichprobe - im Extremfall ein Pflanzensamen oder ein trächtiges Weibchen

Häufigkeit bestimmter Erbkrankheiten in isolierten Kleinpopulationen

Gendrift findet unabhängig von Selektionsdruck statt, also ungerichtet. Verlust und Durchsetzung eines Allels sind jeweils gleich wahrscheinlich. Wichtigstes Ergebnis: Verlust der Heterozygotie in kleinen Populationen. Vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten zeigen daher einen Rückgang von Leistungsfähigkeit und Fertilität.

Genfluss

Unterschiede, die sich infolge natürlicher Selektion oder genetischer Drift angesammelt haben, verringern sich

Menschliche Population

 

Nichtzufällige Paarung

Inzucht

Räumliche Nähe, Nachbarschaft fördert Paarungen

Selbstbestäubung bei Pflanzen

Übereinstimmende Paarung

Beispiel: Körpergröße als Kriterium bei der Partnerwahl

Aber: die Allelfrequenzen in einer Population ändern sich dadurch nicht, aber mehr Homozygotie

 

 

Adaptive Radiation

 Adaptive Radiation: Aufspaltung in eine Vielzahl von Lebensformen innerhalb eines geologisch kurzen Zeitraums

Ursachen:

1.      Eroberung eines unbesiedelten Lebensraumes bzw. einer bisher nicht besiedelten ökologischen Zone

Beispiele:

Darwinfinken auf Galapagos 

Ursprünglicher Vorfahr: körnerfressender Bodenfink von südamerikanischen Festland - Besiedlung von Bäumen und Kakteen - neben Pflanzenfressern entwickelten sich auch Insektenfresser, u.a. der Spechtfink - Aufspaltung in 14 Arten - ökologische Einnischung

Malawisee-Buntbarsche

 

Übergang von Tieren und Pflanzen zum Landleben

2.      Wirkungsvollere Nutzung eines Lebensraumes infolge einer besseren allgemeinen Anpassung.  Die bis dahin herrschenden Arten werden verdrängt.

Beispiel:

Ablösung der Reptilien und Beuteltiere durch die Plazenta-Säuger seit der Wende Kreide/Tertiär

Konvergente Entwicklungen bei der Besetzung ähnlicher ökologischer Nischen 


Isolation und Artbildung

Erklärung notwendig nicht nur für die Entstehung von Anpassungen, sondern auch für die Aufspaltung einer Art in zwei oder mehr neue Arten!

Artbegriff auch von Naturmenschen, ebenso wie von Systematikern angewandt (Ernst MAYR 1927 in Neuguinea zählte in einem entlegenen Gebirge 138 Vogelarten, die einheimischen Papuas 137)

Morphologischer Artbegriff

Aber warum bleibt jede Art von der anderen getrennt? Warum ist die biologische Vielfalt kein Kontinuum von Varianten

 

Biologischer Artbegriff:

- Die Mitglieder einer Art können sich unter natürlichen Bedingungen kreuzen und fruchtbare Nachkommen hervorbringen, während mit Mitgliedern anderer Arten keine Kreuzung möglich ist.

- Größte Einheit einer Population, in der unter natürlichen Bedingungen genetischer Austausch möglich ist und die von anderen Populationen genetisch isoliert ist.

- Eine Art ist von einer Fortpflanzungsbarriere umgeben, die eine Vermischung mit anderen Arten verhindert

Beispiel: Mensch - Schimpanse

Es gibt Fälle, in denen die Unterscheidung zwischen Unterarten mit begrenztem Genaustausch und vollständigen biologischen Arten mit getrennten Genpools verschwimmt - hier wird die Artaufspaltung sichtbar.

 

Isolationsmechanismen

Keine Paarung z.B. zwischen Fliege und Elefant  - aber was hält nahe verwandte Arten davon ab sich zu paaren?

Allopatrische Artbildung :bei Arten, die in verschiedenen Gebieten leben :

Geographische Isolation

Endemische Arten kommen nur in einem eng begrenzten Gebiet vor (Beispiele: Galapagos-Inseln, Malawi-See, Gebirgsketten, Kontinentaldrift)

Beispiel: Zikumpolare Überlappung der Möwenareale

Britische Heringsmöwe und Kleine Mantelmöwe stellen verschiedene Arten dar, die sich nicht nur äußerlich, sondern auch im Verhalten unterscheiden: die Kleine Mantelmöwe brütet in Moorgebieten im Landesinneren, die Britische Heringsmöwe nistet auf Felsklippen.

Das Beispiel der Möwen zeigt, dass geographische Isolation zur Rassenbildung und schließlich zur Artbildung führt.

Die nebeneinander (sympatrisch) vorkommenden Populationen vermischen sich nicht, sie sind genetisch getrennt

weiteres Beispiel: Raben- und Nebelkrähe

  Verbreitungsgebiete: Rabenkrähe in Westeuropa, Nebelkrähe in Osteuropa, schmale Kontaktzone in Mitteleuropa (100 km, Elbe und Böhmerwaldkamm)

Sind Raben- und Nebelkrähe zwei getrennte Arten oder zwei Rassen einer Art?

Bastarde in der Kontaktzone!

Entstehung dieser Übergangssituation: Trennung des einheitlichen Areals durch die Vereisung in ein südöstliches und in eine südwestliches Refugium. Nach der Vereisung wanderten die Populationen wieder aufeinander zu, aber wegen divergenter Entwicklung der Ost- und Westkrähen in der Isolation keine Vermischung mehr.

 

Sympatrische Artbildung: bei Arten, die im gleichen Gebiete leben

präzygotische Fortpflanzungsbarrieren:

Ökologische Isolation (Habitat-Isolation)

Die Individuen leben im gleichen Gebiet, besetzen jedoch verschiedenene Biotope bzw. verschiedene ökologische Nischen

z.B. Parasiten (Kopflaus, Kleiderlaus; Hundebandwurm, Vogelbandwurm), Mikroklima

Fortpflanzungsbiologische Isolation

Verhaltensbiologische-Isolation (unterschiedliches Paarungsverhalten)

Abweichungen oder Störungen der Balzhandlungen verhindern eine Synchronisation oder bewirken eine Feindreaktion (z.B. Fehlen oder unvollständiger Besitz sexueller Auslöser)

Beispiel: Verschiedenheit der akustischen, optischen oder chemischen Signale (Auslöser) - Leuchtkäfer, Heuschrecken

Zeitliche Isolation (unterschiedliche Fortpflanzungszeit)

Individuen pflanzen sich im gleichen Gebiet fort, jedoch zu verschiedenen Zeiten:

Frösche und Kröten laichen zu unterschiedlichen Zeiten, z.B. laicht der Seefrosch einige Wochen früher als der Wasserfrosch, wenn sympatrisch; die Silbermöwe brütet drei Wochen früher als die Heringsmöwe.

Mechanische Kopulationsschranken

Fremdbefruchtung wird durch nicht aufeinander abgestimmte Blütenteile bzw. Kopulationsorgane verhindert

Beispiel: Dogge und Zwergpinscher (anatomische Ungleichheit)

postzygotische Fortpflanzungsbarrieren:

  • Bastardsterilität (z.B. sterile Bastarde von Pferd und Esel)

  • Bastardsterblichkeit (Störungen nach wenigen embryonalen Teilungsvorgängen)

  • Hybridenzusammenbruch (in der F2-Generation treten Störungen auf)

 

Artneubildung durch Polyploidie

Innerhalb einer einzigen Generation kann durch Mutation in Form von Polyploidie eine Fortpflanzungsbarriere zwischen den Mutanten und der Elterngeneration eintreten.

Polyploidie: Vorhandensein von mehr als zwei Chromosomensätzen

Autopolyploidie: Durch Non-disjunction bei der Meiose während der Keimzellenbildung entstehen diploide Keimzellen, aus denen durch Selbsbefruchtung eine tetraploide Zygote hervorgeht:

Karyotyp der Ausgangsart Nondisjunction ergibt diploide Gameten (Keimzellen) Nachkommen mit polyploidem Chromosomenbestand (hier: tetraploid) sind vielfach lebensfähig und fertil (fruchtbar).

Keine Kreuzung mit der diploiden Ausgangsrasse möglich! ? Warum nicht??

[Nachkommen wären triploid => Meiosefehler]

Im allgemeinen ist ein Artbastard nur dann fertil, wenn in der Metaphase Paarung homologer Chromosomen möglich ist.

Allopolyploidie: Artbastarde sind normalerweise steril, weil die Chromosomen verschiedener Arten nicht homolog sind und sich daher in der Meiose nicht paaren können. Kommt es jedoch durch ein Non-disjunction zu einem polyploiden Zustand, so hat jedes Chromosom wieder eine homologen Partner:

Ausgangsarten:

Art A

Art B

Keimzellen (Gameten) Hybride wäre wegen des Fehlens homologer Chromosomen steril Durch Non-disjunction während der Mitose tritt  Polyploidisierung ein. Jedes Chromosom hat nun wieder einen homologen Partner.

Die Züchtung von Kulturpflanzen (Weizen, Kartoffel, Tabak, Rosen) geht immer auf eine Auslese polyploider Formen zurück 

Weizen: Einkorn n=14 (diploid) -> Emmer n=28 (tetraploid) -> Saatweizen n=42 (hexaploid)