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Fette und fette Öle (8h)

Bauprinzip und Eigenschaften

Lehrplan

Esterbindung

allgemeiner Aufbau eines heteroaciden Triacylglycerins (Palmitin-, Stearin- und Ölsäure als Fettsäuren);

Auswirkungen verschiedener Fettsäurereste

Erklären von Erweichungsintervall und Konsistenz; Nachweis des ungesättigten Charakters;

Hydrolyse

Durchführen der Fettverseifung (vgl.C13.4)  

Literatur
Medien
Geräte
Chemikalien

 

Vorkommen und Nachweis:

Speck, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne usw.

Versuch: Fettfleckprobe

wirtschaftlich bedeutsam: Sojaöl, Sonnenblumen- und Palmöl, Erdnussöl, Baumwollsaatöl, Kokosfett

neuartige Nutzpflanzen (Chemie-Rohstoffe, regenerativ)

 

Bedeutung:

Energiereserve

- hoher physiologischer Brennwert: ca. 40 kJ/g, doppelt so hoch wie bei Eiweiß und Kohlenhydraten

Versuch: Öllämpchen

- Depotfett, z.B. bei Winterschläfern und Zugvögeln

- Hungerzustand? Mobilisierung fettlöslicher Stoffe? DDT als Modellsubstanz - Anreicherung in der Nahrungskette

Strukturbestandteil

Fettähnliche Stoffe, z.B. Lecithin sind Hauptbestandteil der Membranen (ER, Mitochondrien usw.).

Zum Aufbau sind essentielle Fettsäuren notwendig: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (z.b. Linolsäure, Linolensäure), die der Organismus nicht selbst synthetisieren kann.

Ist völlig fettfreie Ernährung möglich? (fettlösliche Vitamine A,D,E,K - essentielle FS). Extreme Ernährungsgewohnheiten!

Gewinnung:

- Butterherstellung, Milchfett

- Ausschmelzen tierischer Fette

- Extraktion mit Lösungsmitteln       Versuch: Soxhlett-Extraktion von Muskatnüssen

- Auspressen

 

Versuch: Verseifung eines Fetts und Nachweis der Reaktionsprodukte (P)

Salatöl mit konz. Natronlauge erhitzen, Oberphase mit Wasser schütteln: Schaumbildung - nach Zugabe von halbkonz. Salzsäure  bis zur sauren Reaktion: weißer Niederschlag.

Untere Phase mit 1 Tr. Kupfersulfatlösung versetzen - kein Niederschlag, blaue Lösung (Kontrollversuch mit Natronlauge und Natronlauge/Glycerin): Glycerinnachweis

Ergebnis: Fette sind Ester des trifunktionellen Alkohols Glycerin mit langkettigen Carbonsäuren (=Fettsäuren). Bei der Verseifung eines Fetts mit Alkalilauge entstehen Glycerin und Seife (=Alkalisalze langkettiger Fettsäuren):

Beispiel für ein Fettmolekül und Verseifung durch Natronlauge

Fettmolekül, aus Glycerin verestert mit Palmitinsäure (C16), Stearinsäure (C18) und Ölsäure (C18, ungesättigt)

Glycerin                                     Natriumsalze der Fettsäuren

Seifen sind Alkalisalze langkettiger Fettsäuren

 

Zusammensetzung verschiedener Fette

Versuch: Nachweis von Doppelbindungen durch Entfärbung von Brom (Addition) oder durch Braunfärbung von alkalischer Kaliumpermanganatlösung (Baeyer-Probe, Oxidation)

Zusammenhang zwischen Struktur und Eigenschaften:

Konsistenz

fest (Fett) - flüssig (Öl)

Vergleich der quantitativen Zusammensetzung verschiedener Fette und Öle (Diagramm, Folie) ergibt:

Feste Fette enthalten mehr langkettige und/oder gesättigte Fettsäuren.

Flüssige Fette sind reich an ungesättigten Fettsäuren und/oder kurzkettigen Fettsäuren.

Erklärung: Durch die cis-Anordnung an den Kohlenstoff-Doppelbindungen auftretende starre Knicke verhindern eine parallele Anordnung der Fettmoleküle. Van-der-Waalsche Kräfte wirken mit zunehmender Molekülgröße.

Versuch: Nachweis des ungesättigten Charakters

Löslichkeit:

Fette sind in Wasser unlöslich, in Alkohol teilweise und in unpolaren Lösungsmitteln leicht löslich.

Praktische Anwendung in der chemischen Reinigung und bei der Fleckenentfernung im Haushalt.

Regeln für den Umgang mit halogenierten Kohlenwasserstoffen

- Lebensmittel? - Abwasser? - Grundwasser? - Ozon - Leber - Anreicherung in der Nahrungskette -

 

Vorkommen und Bedeutung *)

Lehrplan Ansprechen der biologischen Bedeutung als Nähr- und Speicherstoffe (->B12); Hinweis auf die Fetthärtung und ihre wirtschaftliche Bedeutung; Fette als nachwachsende Rohstoffe (->MT,GE,DW)  
Literatur
Medien
Geräte
Chemikalien
Einteilung der Lipide

(löslich in organischen Lösungsmitteln, unlöslich in Wasser):

- Neutralfette (=Triglyceride)

- Lipoide

            - Phospholipide (z.B. Lecithin)

            - Glycolipide

            - Steroide (z.B. Cholesterin)

            - Carotinoide

Haltbarkeit von Fetten, oxidativer Fettverderb

Ursachen für das Ranzigwerden von Fetten:

- hydrolytische Spaltung der Esterbindungen unter Mitwirkung von Bakterien (Geruch nach Buttersäure!) - Wassergehalt notwendig!

- Angriff des Luftsauerstoffs an den Doppelbindungen (Autoxidation), Bildung stark oxidierend wirkender Peroxide als Zwischenprodukte, schließlich Spaltung in kurzkettige Carbonsäuren an den Doppelbindungen

Möglichkeiten, die Haltbarkeit von Fetten zu erhöhen:

- Wasserentzug: Butterschmalz (früher)

- Luftzutritt verhindern

- Fetthärtung: Hydrierung der Doppelbindungen

Butter und Margarine - Fetthärtung

Butter

Zusammensetzung:

- 83% Milchfett

- 16% Wasser

- 1% fettfreie Trockenmasse

fettlösliche Vitamine A, D, E

Carotin

Aromastoffe

Beim Butterschlagen vollzieht sich eine Phasenumkehr: Die Öl-in-Wasser-Emulsion des Rahms wird durch Schlagen in eine Wasser-in-Öl-Emulsion übergeführt. Dabei scheidet sich Buttermilch ab.

Sauerrahmbutter schmeckt aromatischer als Süßrahmbutter.

Margarine

Hoher Preis und Versorgungsschwierigkeiten bei Butter im vorigen Jahrhundert gaben den Anstoß zur Entwicklung von Margarine (Preisausschreiben 1864, Regierung Napoleon III, Meges-Mouries, Rindertalg und Magermilch)

Steigender Margarinebedarf - Ersatz des Rindertalgs durch andere tierische und pflanzliche Fette und Öle, z.B. Waltran und Kokosfett

aber: Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren sind für die Herstellung einer festen Margarine ungeeignet, daher

Fetthärtung

= teilweise Hydrierung der Doppelbindungen durch Reaktion mit Wasserstoff unter Anwendung von Druck und Katalysator.

z.B. wird Ölsäure zu Stearinsäure hydriert:

CH3-(CH2)7-CH=CH-(CH2)7-COOH + H2  

-Druck,Temp,Kat->  CH3-(CH2)16-COOH

Die Hydrierung darf nur einen Teil der Doppelbindungen beseitigen. Grund:

- Fette ohne ungesättigte Fettsäuren sind schwer verdaulich

- Verlust der essentiellen Fettsäuren

 

Auswirkung der Fetthärtung:

- Öle werden in feste Fette umgewandelt

- Erhöhung der Haltbarkeit

- Beseitigung unangenehmen Trangeruchs

Bestandteile der Margarine:

- 80% Fett (25% ungesättigte Fettsäuren)

- Vitamine A, D, E (nachträglich zugesetzt)

- Carotin (als Farbstoff)

- Emulgatoren (gesäuerte Magermilch, Lecithin)

- evtl. Aromastoffe (Diacetyl)

- Konservierungsstoffe (z.B. Kochsalz)

- kennzeichnenden Zusätze, die chemisch leicht zu identifizieren sind, um eine Verfälschung von Butter mit Margarine auszuschließen (z.B. Stärke, Blaufärbung mit Iod).

 

Aufgaben: 

A1 

Fette bestehen normalerweise aus Glycerinestern der verschiedensten Fettsäuren. Im Gegensatz dazu ist im Fett der Muskatnuss das Glycerin einheitlich mit drei Molekülen Myristinsäure verestert. Zur Bestimmung der Verseifungszahl wurden 1000 mg davon mit Kaliumhydroxid umgesetzt. Für die vollständige Verseifung verbrauchte man 232,7 mg Kaliumhydroxid (=Verseifungszahl). Berechnen Sie aus der Verseifungszahl die molare Masse des in der Muskatnuss enthaltenen Fettes und schreiben Sie die Strukturformel für dieses Fett auf!

 

Abituraufgaben Bayern:

1994 III 3 Strukturformeln, versch. Fettsäureanteile; Schmelzbereiche; Iodzahlen

1995 IV 3 Strukturformel nach Summenformel; Aggregatzustand; Ölsäure wird auf 200° erhitzt

1998 II 3.1 Strukturformel nach Summenformel; Bromaddition

1998 III 4.2 Verseifungszahl

1999 III 3 Aggregatzustand nach Summenformel; cis- und trans-Form; Iodzahl berechnen [Lösung]

2002 III 4.1 Fetthärtung

2003 III 3.2 Vergleich der Verseifungszahlen von Kokosfett und Rinderfett

 

Lösung zu 1999 III 3

3.1

Formel des Fettes: C3H5(C18H33O2)2(C18H31O2)

Die gesättigte Fettsäure Octadecansäure (Stearinsäure) hätte als Fettsäurerest die Formel (C18H35O2). Es sind also 4 Doppelbindungen vorhanden.

Ursache für den flüssigen Aggregatzustand: cis-Konfiguration an der Doppelbindung hat einen Knick zur Folge, der eine parallele Ausrichtung verhindert. Es bilden sich nur schwache Van-der-Waals-Kräfte.

3.2

Synthese liefert die thermodynamisch stabilere trans-Konfiguration - kein Knick - parallele Ausrichtung möglich - stärkere Van-der-Waals-Kräfte - höherer Schmelzpunkt

3.3