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Kohlenhydrate
Monosaccharide:
Glucose, Fructose (7h)
Zum Begriff Kohlenhydrat Summenformeln: C6H12O6 =
Traubenzucker, C12H22O11 = Rohrzucker allgemeine Formel Cx(H2O)y?
Früher wurde der Aufbau aus Kohlenstoff und Wasser vermutet. Versuche:
Wasserabspaltung aus Kohlenhydraten a) Zucker mit konz. Schwefelsäure b) trockenes Erhitzen von Stärke im Rggl. Die heutige Definition ist nicht an die allg. Summenformel Cx(H2O)y
gebunden, z.B. ist Milchsäure C3H6O3 kein
Kohlenhydrat, dagegen Desoxyribose C5H10O4 oder
Glucosamin C6H13O5N. Kohlenhydrate
sind Polyhydroxyaldehyde oder Polyhydroxyketone
(auch deren einfache Derivate und Polymere) Nomenklatur und Einteilung der Kohlenhydrate Formeln wichtiger Kohlenhydrate
Aldotriose
Aldopentose Aldohexose
Ketohexose - Endung -ose - nach der Zahl der C-Atome unterscheidet man Triosen,
Tetrosen, Pentosen, Hexosen, Heptosen - nach dem Vorkommen einer Aldehyd- oder Ketogruppe
unterscheidet man Aldosen und Ketosen - Alle natürlich vorkommenden Zucker gehören der D-Reihe an
(OH-Gruppe an dem chiralen C-Atom, das am weitesten von der Carbonylgruppe
entfernt ist, rechts) - Nach der Zahl der Zuckerbausteine unterscheidet man
Monosaccharide (Einfachzucker), Disaccharide (Doppelzucker) und Polysaccharide
(Vielfachzucker, >10) Glucose
- Vorkommen und Bedeutung
- Vorkommen in vielen süßen Früchten, z.B. Weintrauben
("Traubenzucker") - Bienenhonig: Glucose und Fructose 1:1 - Bereitstellung von Stoffwechselenergie (Muskeln, Gehirn
usw.) - Zuckerkrankheit (normaler Blutzuckerwert 0.1%) GOD-Test [Versuch] Glucose -
Reaktionsverhalten
Löslichkeit der Glucose - Hydroxylgruppenhäufung! - Glucose löst sich in Wasser leicht, in Ethanol schwer, in
Benzin nicht. -> hydrophiler Charakter Glucose als Aldehyd (Kontrollversuche mit Ethanal) 1. Fehlingsche Probe Cu2+
->
Cu2O R-CHO
->
R-COOH Oxidation des Aldehyds zur
Carbonsäure Kupfer(II)-ionen werden zu rotem Kupfer(I)-oxid reduziert Eine Mischung aus Kupfersulfatlösung (Fehling I) und
alkalischer Kaliumnatriumtartratlösung (Fehling II) heißt Fehlingsche Lösung.
Sie enthält die Kupfer(II)-ionen komplex gebunden. Dadurch kann trotz
alkalischer Reaktion kein Kupfer(II)-hydroxid ausfallen. Versuch:
Durchführung: Gleiche Teile Fehling I und Fehling II werden gemischt, mit
einigen Tr. Aldehyd versetzt und vorsichtig erhitzt (Siedeverzug möglich!). Ergebnis: Roter Niederschlag von Kupfer(I)-oxid. R-CHO + 2 OH- ->
R-COOH +
2 e- +
H2O 2 Cu2+ +
2 OH- + 2 e-
-> Cu2O +
H2O ---------------------------------------------------------------------------------- R-CHO + 2 Cu2+
+ 4 OH-
-> R-COOH
+ Cu2O
+ 2 H2O 2. Silberspiegelprobe Ag+
->
Ag R-CHO
->
R-COOH Oxidation des Aldehyds zur
Carbonsäure Silberionen werden zu metallischem Silber reduziert Versuch: Zur
Herstellung einer ammoniakalischen Silbernitratlösung wird Silbernitratlösung
so lange mit verd. Ammoniak versetzt, bis sich der zunächst gebildete
Niederschlag gerade wieder auflöst (Ammoniak-Überschuß vermeiden!) - Bildung
des Diamminsilberions [Ag(NH3)2]+. Nach Zugabe von ein paar Tropfen Aldehyd und
vorsichtigem Erwärmen (ohne zu schütteln) bildet sich ein Silberspiegel. R-CHO
+ 2 OH-
-> R-COOH
+ 2 e-
+ H2O Ag+
+ e-
-> Ag
/*2 ---------------------------------------------------------------------------- R-CHO
+ 2 Ag+ + 2 OH-
-> R-COOH +
2 Ag +
H2O 3. Schiffsche Probe
(Fuchsinschweflige Säure) aber: keine Rotfärbung
wie beim Ethanal! Ergebnis: Die Aldehydgruppe der Glucose gibt nicht alle
Aldehydreaktionen. Es liegen praktisch keine freien Aldehydgruppen vor (3. =
Gleichgewichtsreaktion) Wiederholung: Halbacetalbildung R-CHO
+
R´-OH
->
R-CH(OH)-O-R´
Pyran
Furan Glucose -
Ringformel durch Halbacetalbildung
anomeres C-Atom: Mutarotation - Beweis für die Ringformeln der Glucose Versuch: Frisch hergestellte Lösung von Glucose im
Polarimeter untersuchen a-Glucose
<=> Aldehydform der Glucose <=>
b-Glucose 38%
0,1%
62% [a]=112°
[a]=+19° Im Gleichgewicht: [a]=+52° Mutarotation:
Änderung des Drehwinkels aufgrund einer Gleichgewichtseinstellung am anomeren
C-Atom D-Fructose
Fructose kommt zusammen mit Glucose in fast allen süßen Früchten
und im Honig vor.
meist in der Fünfringform (Furanoseform) Versuche: 1. Fehling-Probe mit Fructose [erwartetes Ergebnis?] Ergebnis: Roter Niederschlag, obwohl Fehlingsche Lösung
durch Ketone nicht reduziert wird. 2. Silberspiegelprobe mit Fructose [Erwartung?] 3. Fructose in verd. Natronlauge lösen, kurz erhitzen. Nach
dem Abkühlen auf Raumtemperatur und Neutralisation mit Glocoteststreifen prüfen. Erklärung: Fructose lagert sich in alkalischer Lösung in
Glucose um durch Keto-Enol-Tautomerie
Fructose
Zwischenstufe
Glucose (Keton)
(Enol)
(Aldehyd) Tautomerie:
Wenn Verbindungen miteinander im Gleichgewicht stehen, die sich in der Lage
eines Wasserstoffatoms unterscheiden. Unterscheidung von Glucose und Fructose durch die
Resorcinprobe (Seliwanoffsche Reaktion) Versuch:
Fructoselösung (zum Vergleich Glucoselösung) mit dem gleichen Volumen konz.
Salzsäure und 5 Tr. Resorcinlösung (5% in EtOH) versetzen und in ein Wasserbad
von 70°C stellen. Die Temperatur darf nicht höher liegen! Nach ca. 5 sec tritt Rotfärbung auf. Diese Reaktion zeigen auch andere Zucker, doch dauert dann
die Farbstoffbildung wesentlich länger und erfordert höhere Temperaturen. Versuch: GOD-Test mit Glucose und Fructose: Grünfärbung bei
Glucose (spezifisch!) Disaccharide (6h)
Glycosidische
Bindung
Wiederholung: Acetalbildung
Aldehyd Alkohol
Halbacetal
Vollacetal Durch Reaktion der halbacetalischen OH-Gruppe eines
Zuckermoleküls mit der OH-Gruppe eines anderen Moleküls (häufig Zuckermolekül)
unter Wasserabspaltung entsteht eine Glycosidbindung. einfachster Fall: Glucose reagiert mit Methanol und Säure als Katalysator:
a- und b-Methyl-glucosid Tritt bei Glycosiden Mutarotation auf? Wenn das H-Atom der halbacetalischen OH-Gruppe nach
Wasserabspaltung durch einen Rest R ersetzt ist, kann kein Übergang in die
offenkettige Form und damit keine Gleichgewichtseinstellung mehr erfolgen, daher
keine Mutarotation und kein Reduktionsvermögen! Da Zucker ebenfalls freie OH-Gruppen tragen, kann eine
Glycosidbindung auch durch Zusammenschluß zweier Zuckermoleküle unter Disaccharidbildung
zustandekommen. Zwei Möglichkeiten: 1. Beide halbacetalischen OH-Gruppen sind daran beteiligt (=Trehalose-Typ)
-> kein Reduktionsvermögen, keine Mutarotation
a-D-Glucose
a-D-Glucose Trehalose 1->1 a-glycosidische Verknüpfung 2. Die halbacetalische OH-Gruppe des einen Zuckers reagiert
mit einer freien, nicht halbacetalischen OH-Gruppe des anderen Zuckers (=Maltose-Typ)
-> Reduktionsvermögen, Mutarotation, Fähigkeit, weitere Glycosidbindungen
einzugehen
Zur Benennung der Glycoside: Glucoside: Derivate der Glucose Fructoside: Derivate der Fructose Galactoside: Derivate der Galactose Saccharose
(Rohrzucker, Rübenzucker)
Untersuchung von Saccharose (Praktikum): Versuch:
Nachweis, dass bei der Hydrolyse von Saccharose Fructose entsteht: Man gibt in ein Rggl. eine Sp. Saccharose, in ein zweites
Glas die gleiche Menge Maltose und versetzt beide Substanzen mit 20 Tr. verd.
Salzsäure. Dann fügt man zu beiden Proben je ein Kriställchen Resorcin zu und
erwärmt im Wasserbad.
Ergebnis: Saccharose ist ein Disaccarid aus den
Monosacchariden Glucose und Fructose. Das Fehlen des Reduktionsvermögens lässt
darauf schließen, dass die beiden Zuckerbausteine über die beiden
halbacetalischen OH-Gruppen unter Wasserabspaltung verknüpft sind (kein Übergang
in die offenkettige Aldehyd- oder Ketoform mehr möglich).
Saccharose
D-(+)-Glucose +
D(-)-Fructose Rohrzuckerinversion:
Umkehrung des Drehsinnes bei der Hydrolyse von Saccharose wegen Bildung der
stark linksdrehenden Fructose: Versuch: Beobachtung der Rohrzuckerinversion im Polarimeter: Lösung von Saccharose (w=10%) in Polarimeterrohr füllen,
Drehwinkel messen, 2 Tropfen konz. Salzsäure zugeben, Drehwinkel erneut
beobachten.
Bienenhonig besteht hauptsächlich aus Glucose
und Fructose. Durch das Enzym Invertase im Honigmagen der Bienen wird die im
Nektar enthaltene Saccharose gespalten. Kunsthonig ist künstlich hergestellter
Invertzucker. Hinweis auf Biotechnologie! (immobilisierte Enzyme) Gewinnung aus Zuckerrüben: 18% Zuckergehalt - Jahresproduktion 2 Mio t - Waschen -
Schnitzeln - Auslaugen - Abscheidung von Nichtzuckerstoffen durch Kalkzusatz -
Eindampfen im Vakuum - Kristallisation - Zentrifugieren - Rückstand: Melasse Beispiele:
Polysaccharide
(5h)
Stärke -
wichtigster Reservestoff in Pflanzen
Versuche: - Stärkekleister (Herstellung einer Stärkelösung) - Stärkenachweis mit Iod (blaue Einschlussverbindung, Farbe
verschwindet beim Erhitzen und tritt beim Abkühlen wieder auf) - Säurehydrolyse von Stärke Stärkekleister in einem Rggl. mit verd. Salzsäure versetzen
und 5 min zum Sieden erhitzen. Danach mit Natronlauge alkalisch machen (Prüfung
mit Indikatorpapier). Anschließend Fehling-Probe durchführen. Während der Säurehydrolyse
kann man anhand der Iod-Stärke-Reaktion das Fortschreiten der Spaltung
kontrollieren.
enzymatischer Abbau von Stärke liefert Maltose Stärke enthält Glucosebausteine in
a-(1->4)-glucosidischer Verknüpfung:
- Grundbaustein: Maltose - schraubenförmiger Aufbau (Einlagerung von Iod!) - Amylose: unverzweigt - Amylopectin: Verzweigung über 1->6-Bindungen (enzymatisches
Spaltprodukt: Isomaltose):
Glycogen als tierische Stärke ist ähnlich Amylopectin
aufgebaut, aber höherer Verzweigungsgrad, höhere Molekülmasse (1-5 Mio). Cellulose -
wichtigste pflanzliche Gerüstsubstanz
Holz enthält 50% Cellulose - rein in Baumwollhaaren - hohe
Resistenz gegen chemischen und enzymatischen Abbau Versuche:
- Nachweis von Cellulose und Lignin - Herstellung von Pergamentpapier durch partiellen
hydrolytischen Abbau [Lit.: Stapf 219]
Strukturelle Merkmale: Zellstoff aus
Holz
1. Sulfitverfahren
(saurer Aufschluß) Holz - entrinden - zerkleinern - Kochen der Holzschnitzel mit
Calciumhydrogensulfitlösung unter Druck mehrere Stunden - unerwünschtes Lignin
geht dabei in ein lösliches Produkt über - die Zellstofffasern werden
gewaschen und gebleicht 1 t Zellstoff erfordert Umweltproblematik der Sulfitablaugen! heute: Magnesiumhydrogensulfit-Ablauge wird eingedampft -
nach Verbrennung der organischen Rückstände (Rauchgaswäsche!) - Resynthese
von Magnesiumhydrogensulfit aus Magnesiumoxid und ausgewaschenem Schwefeldioxid
= umweltfreundliches Verfahren 2. Natron- und
Sulfatverfahren (alkalischer Aufschluß) Kochen des Holzes in 10% NaOH mit Zusatz von Natriumsulfid,
Natriumcarbonat, Natriumsulfat - Lignin wird zu löslichem Produkt - geringerer Schwefelaufwand, für alle Hölzer geeignet,
gute Papierqualität Papierherstellung - früher durch Schöpfen - Bütten - Wasserzeichen - Füllstoffe Kunstseide und
Zellwolle
Nitrocellulose Entdeckung von Nitrocellulose durch Schönbein 1846 - Chardonnet-Seide (Nitrocellulose-Seide, feuergefährlich!) Formel von Cellulose-trinitrat? Versuch: Herstellung von Cellulose-trinitrat 20 ml konz. Schwefelsäure 15 min einwirken lassen 5 min säurefrei waschen an der Luft trocknen (ohne Erwärmen) Versuch: Verpuffung von Cellulose-trinitrat - Kupferkunstseide (Lösung der Cellulose in Schweitzers
Reagenz: Tetraamminkupfer(II)-hydroxid) - Viskoseseide (Überführung der Cellulose in Xanthogenat
mit Natronlauge und Kohlenstoffdisulfid, saures Spinnbad) - Acetatseide (Cellulosetriacetat, hergestellt mit Essigsäureanhydrid/Eisessig) Holzverzuckerung
Kochen von Cellulose mit konz. Salzsäure oder 65% Schwefelsäure Die zuckerhaltigen Lösungen dienen (nach Neutralisation) zur - Zucht von Futterhefen (Viehfutterzusatz) - Alkohol-Herstellung nach Vergärung durch Hefe
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