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Phenole
Phenol
als Säure
Phenol
- technische Gewinnung und Verwendung Phenole: Aromatische Hydroxyverbindungen, deren OH-Gruppen am aromatischen Kern sitzen. Nach
Anzahl der OH-Gruppen unterscheidet man ein- und mehrwertige Phenole.
Technische
Gewinnung von Phenol z.B. aus Chlorbenzol und Natronlauge durch nucleophile
Substitution: C6H5-Cl
+ OH- ->
C6H5-OH
+ Cl- (375°C,15%
NaOH) andere
Verfahren: - Benzol -> Cumol -> Cumolhydroperoxid -> Phenol -
Benzol -> Benzolsulfonsäure -> Phenol -
aus Steinkohlenteer Verwendung: -
erstes Antiseptikum (Lister 1867) - heute Kresole (wirksamer) -
Kunststoffe (Phenolharze, Resopal) - Farbstoffe - Arzneimittel (-> Salicylsäure
-> Aspirin) - Sprengstoff Pikrinsäure Acidität
Versuche:
-
Phenol mit wenig Wasser versetzen und mit Universalindikatorlösung prüfen. -
Phenol mit wenig Natronlauge lösen. Anschließend einen Teil der Flüssigkeit
mit konz. Salzsäure versetzen, in den anderen Teil Kohlenstoffdioxid einleiten. Ergebnis:
schwach saurer Charakter (Ks=10-10)
Phenolat-Ion Salze,
Phenolate entstehen auf Zusatz von Alkalilauge, jedoch nicht von Soda (Kohlensäure
ist stärker sauer!). Kohlensäure führt zur Abscheidung von Phenol. Ursache
der Acidität: Mesomeriestabilisierung des Phenolat-Ions
Bei
den Alkoholen ist keine Mesomeriestabilisierung möglich. Phenol
als Aromat: Nitrierung, Halogenierung
Versuche:
1.
Tribromphenol: Zu etwa 2% Phenollösung so lange Bromwasser zusetzen.
Niederschlag 2.
Pikrinsäure: 0,5 ml durch eine Spur Wasser verflüssigtes Phenol langsam zu 5 ml
Salpetersäure (spez.Gew.1,3) geben, ständig umrühren und schließlich zum
Kochen erhitzen. Beim Erkalten scheidet sich Pikrinsäure aus. Ergebnis:
Phenol wird leichter substituiert als Benzol. Die OH-Gruppe erleichtert den
Eintritt weiterer Substituenten und lenkt gleichzeitig in o- und p-Stellung. Der
Einfluss eines Erstsubstituenten auf Reaktivität und Orientierung der
Zweitsubstitution Reaktivität:
aktivierend
nennt man eine Gruppe, die die Reaktivität des Rings im Vergleich zum Benzol
erhöht; desktivierend
nennt man eine Gruppe, die die Reaktivität des Rings im Vergleich zum Benzol
schwächt. Orientierung:
ortho-para-dirigierend
nennt man Substituenten, die einen Angriff in ortho- und para-Stellung begünstigen.
Lenkt eine Gruppe den Zweitsubstituenten in meta-Stellung, so wird sie als meta-dirigierend
bezeichnet. Einteilung
der Substituenten
Reaktivität
und Orientierung in der Theorie Reaktivität
und Orientierung hängt ab von den relativen Reaktionsgeschwindigkeiten der möglichen
Reaktionen. Wir betrachten also den Übergangszustand für den
geschwindigkeitsbestimmenden Schritt. Dessen Aktivierungsenergie ist für die
Reaktionsgeschwindigkeit bestimmend. Bildung
des Carbeniumions langsam, geschwindigkeitsbestimmend:
Faktoren,
welche die Energie des Carbeniumions durch Verteilung der positiven Ladung
senken, stabilisieren auch das sich bildende Carbeniumion im Übergangszustand.
Das stabilere Carbeniumion entsteht schneller. Die
Reaktivität bei der elektrophilen aromatischen Substitution hängt von der Fähigkeit
eines Substituenten ab, Elektronen abzugeben oder anzuziehen. Ein
elektronenliefernder Substituent aktiviert den Benzolring, ein
elektronenziehender Substituent desaktiviert den Ring:
Orientierung Toluol:
Vergleich
der Carbenium-Ionen nach Angriff eines Elektrophils auf die o-, m- und
p-Position: Nur bei Angriff in o- und p-Stellung erscheint die positive Ladung
des Carbeniumions an dem C-Atom, das den elektronenliefernden Substituenten trägt.
In diesem Fall wird die positive Ladung des Carbeniumions am wirkungsvollsten
vermindert. Toluol
wird also in ortho- und para-Stellung schneller substituiert als in
meta-Stellung, da der elektronenliefernde Effekt der CH3-Gruppe bei
einem ortho- oder para-Angriff zum stabileren Carbeniumion führt. Nitrobenzol: Der
elektronenanziehende Effekt der Nitrogruppe wirkt sich am stärksten an ihrem
Nachbarkohlenstoffatom aus. Dieses wird dadurch positiv polarisiert und zeigt
nur noch wenig Neigung, die positive Ladung des Carbeniumions zu übernehmen.
Diese Strukturen tragen daher nur wenig zur Stabilisierung des Carbeniumions
bei, so daß bei Angriff in ortho- und para-Stellung die positive Ladung nur von
zwei, bei Angriff in meta-Stellung dagegen von drei Kohlenstoffatomen übernommen
werden kann. Aus diesem Grunde ist die m-Substitution bevorzugt.
Phenol,
Anilin: Elektronenabgabe
durch Resonanz Sauerstoff
ist stark elektronegativ. Warum wirkt dann die phenolische OH-Gruppe nicht
desaktivierend, wegen des induktiven Elektronenabzugs? Man
nimmt an, dass der -I-Effekt von einem wesentlich stärkeren
elektronenliefernden Resonanzeffekt (+M-Effekt) überlagert wird. Der
Einfluss der OH- und NH2-Gruppe auf die elektrophile aromatische
Substitution lässt sich erklären wenn man annimmt, dass das Sauerstoff- und
Stickstoffatom mehr als ein Elektronenpaar mit dem aromatischen Ring teilen und
eine positive Ladung übernehmen können. Diese Strukturen sind besonders
stabil, da jedes Atom über ein vollständiges Elektronenoktett verfügt. Einfluss
der Halogene auf die elektrophile aromatische Substitution: Halogene
wirken desaktivierend und dennoch ortho-para-dirigierend. Ein Halogenatom zieht
aufgrund seines induktiven Effektes Elektronen an und gibt über seinen
Mesomerie-Effekt Elektronen ab:
Orientierung
und Synthese Bei
der Herstellung eines bestimmten, mehrfach substituierten Benzolderivats muss
man überlegen, in welcher Reihenfolge die Substituenten in den Ring eingeführt
werden müssen, um zu dem gewünschten Produkt zu gelangen. Beispiel:
Herstellung von m-Brom-nitrobenzol aus Benzol
Zuerst
muss man nitrieren, dann bromieren. Geht man umgekehrt vor, erhält man das o-
p-Gemisch.
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