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Aminocarbonsäuren
und Proteine
Aminocarbonsäuren:
Molekülstruktur, Eigenschaften (7h)
Einführungsgedanken: - Proteine als stoffliche Träger des Lebens (Nucleinsäuren:
Vererbung, Plan - Proteine: Ausführung - Vielfalt der Proteine: kontraktile Eiweiße in Muskeln -
Kollagenfasern in Sehnen und Bindegewebe - Hämoglobin mit Transportfunktion -
Enzyme - Antikörper usw. Bei der Hydrolyse der verschiedensten Proteine wurden allgemeine Formel:
alle in Proteinen vorkommenden Aminosäuren sind
a-Aminosäuren,
d.h. sie tragen eine Aminogruppe in a-Stellung zur Carboxylgruppe. Die einzelnen Aminosäuren unterscheiden sich durch die
verschiedenen Reste R. Nach unterschiedlichen Seitengruppen kann man die Aminosäuren
in 4 Gruppen einteilen: - Aminosäuren mit unpolaren
Seitengruppen - Aminosäuren mit polaren,
aber ungeladenen Seitengruppen - Aminosäuren mit basischen
Seitengruppen - Aminosäuren mit sauren
Seitengruppen Aminosäuren
Einige Aminosäuren (Valin, Leucin, Isoleucin, Lysin,
Phenylalanin, Tryptophan, Methionin und Threonin) kann der Mensch nicht selbst
synthetisieren, er muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Man bezeichnet diese als essentielle
Aminosäuren. Bedeutung der essentiellen Aminosäuren für das Welternährungsproblem,
Pflanzenzüchtung (lysinhaltiger Weizen), Wertigkeit des Eiweißes, Eiweißminimum) Mit Ausnahme von Glycin (=Aminoethansäure), wo R = Wasserstoff ist, tragen alle Aminosäuren am a-C-Atom ein Chiralitätszentrum und sind somit optisch aktiv:
Als Bausteine von Proteinen treten nur L-Aminosäuren auf. Außerhalb von Proteinen werden vereinzelt
auch D-Aminosäuren gefunden. Aminosäuren zeigen hinsichtlich Schmelzpunkt und Löslichkeit
gewisse Ähnlichkeit mit Salzen (Versuche) - hoher Schmelzpunkt, bei ca. 300°C (unter Zersetzung) - bessere Löslichkeit in Wasser als in organischen Lösungsmitteln,
sogar, wenn es sich bei R um eine hydrophobe Gruppe handelt - starker Dipolcharakter Die bisherige Formulierung der Aminosäuren war nicht exakt. Sie liegen bei neutralem pH als Zwitterion und nicht als ungeladenes Molekül vor:
Aminosäuren haben schwach sauren Charakter (ca. pH 6): Der
saure Einfluss der Carboxylgruppe überwiegt. Aminosäuren sind Ampholyte, d.h. sie bilden mit Säuren und
Laugen Salze. Pufferwirkung! Aminosäuren -
Neutralisationskurve, Pufferwirkung Versuch:
Aufnahme der
Neutralisationskurve einer Aminosäure: 89 mg (= 1 mmol)
Alanin,
gelöst in 100 ml HCl (c = 0.01 mol/l) Erklärung, Grundlagen
Hensderson-Hasselbach-Gleichung:
wenn
c(A-) = c(HA) wird pH = pKs Folgerung aus der
Gleichung: In einer Aminosäurelösung,
deren pH-Wert den pKs-Werten entspricht, liegen jeweils äquimolare Mengen der
beteiligten Dissoziationsstufen vor.
Versuch: pH-Abhängigkeit der Löslichkeit von Tyrosin Durchführung: In ein Rggl gibt man 1 cm hoch
Tyrosin-Suspension und versetzt so lange unter Schütteln tropfenweise mit verd.
Natronlauge, bis eine klare Lösung entsteht. Nach Zugabe etwa der gleichen
Tropfenzahl verd. Salzsäure tritt eine weiße Trübung auf, die sich bei
weiterer Zugabe von Säure wieder löst. Erläuterung: Nachweis von Aminosäuren: Ninhydrin-Reaktion Durchführung: Filtrierpapier mit Aminosäurelösungen beschreiben und
danach auf eine heiße Kochplatte legen, bis zum Auftreten einer deutlichen
blauen bzw. violetten Färbung. Erläuterung: die Ninhydrinreaktion ist ein sehr
empfindlicher und spezifischer Nachweis und wird bei der Identifizierung von
Aminosäuren häufig angewandt. Peptidbindung
Verknüpfung der Aminosäurebausteine
in Peptiden und Proteinen: Die
a-Carboxlgruppe einer Aminosäure reagiert mit der Bildung eines Dipeptids
aus zwei Aminosäuren:
Durch Verknüpfung mit
weiteren Aminosäuren entstehen aus dem Dipeptid ein Tripeptid, Tetrapeptid
usw., schließlich Polypeptide und Proteine. 2 - 10 Aminosäuren: Oligopeptid 11 - 100 Aminosäuren: Polypeptid > 100 Aminosäuren: Protein Übung: Dipeptid aus Ala
und Cys (2 Möglichkeiten!) Richtung der Aminosäurekette:
Aminoanfang und Carboxylende In Umkehrung ihrer Bildung
können Peptidbindungen durch Hydrolyse säurekatalytisch gespalten werden (vergl.
Esterbindung). Bindungsverhältnisse der Peptidbindung:
Resonanzstabilisierung -
starrer planarer Bau im Bereich der CO-NH-Bindung (nur dann ist Überlappung der
p-Orbitale möglich) Nachweis von Peptidbindungen durch die Biuretprobe Versuch: 1. Ca. 2 ml Proteinlösung mit einigen Tropfen Kupfersulfatlösung
und der gleichen Menge verd. Natronlauge versetzen, schütteln. Die Lösung färbt sich bei Anwesenheit von Proteinen violett
(geht nicht mit Dipeptiden und Aminosäuren) 2. Biuret entsteht auch durch trockenes Erhitzen von
Harnstoff über den Schmelzpunkt unter Abspaltung von Ammoniak: Harnstoff
Biuret
Biuret-Komplex
Proteine:
Bauprinzip, Eigenschaften, Bedeutung (8h)
Struktur der Proteine Primärstruktur:
Reihenfolge
der Aminosäuren in einem Protein z.B.: Jedes Protein hat eine
genetisch streng festgelegte Aminosäuresequenz. Bereits geringfügige Abweichungen davon können zum Verlust der biologischen Aktivität führen. Anzahl möglicher Proteine?
20100 !!! Sequenzanalyse
Aufklärung der Primärstruktur: Insulin 1953 (Sanger) 1. Spaltung des Proteins in
definierte Peptid-Bruchstücke mit überlappenden Sequenzen (Trypsin spaltet
nach basischen Aminosäuren, Pepsin nach aromatischen Aminosäuren) 2. Sequenzanalyse der
Peptid-Bruchstücke durch schrittweisen Abbau (z.B. mit Phenylsenföl ->
PTH-AS) 3. Anhand überlappender
Sequenzen wird die Verknüpfung der Peptidbruchstücke ermittelt. Beispiel (FOLIE) Enzym 1 liefert Enzym 2 liefert A M I N O S Ä U R E S E Q U E N Z A N A L Y S E Frage nach der räumlichen
Anordnung der Aminosäurekette (Konformation): Zufälliges Knäuel (random coil)
oder ganz bestimmte, für die Funktion wichtige Anordnung? Welche Kräfte werden
zwischen den Kettengliedern wirksam? - Kovalente Bindung (Disulfidbrücken) - Wasserstoffbrückenbindung - Ionenbindung - hydrophobe Bindung Sekundärstruktur:
Raumanordnung
eines Proteins in Form einer a-Helix
oder Faltblattstruktur
durch Ausbildung von Wasserstoffbrückenbindungen
zwischen Peptidbindungen (R-C=O...H-N-R´) a-Helix intramolekulare
Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den CO- und NH-Gruppen der Peptidbindungen
stabilisieren die Struktur einer Rechtsschraube. Die Seitenketten der AS-Reste
sind nach außen gerichtet. (Beispiel: Keratin):
Faltblattstruktur Zwei gestreckte AS-Ketten
liegen antiparallel zueinander. Dadurch wird die Bildung intermolekularer (= zwischenmolekularer)
Wasserstoffbrücken zwischen NH- und CO-Gruppen der Peptidbindungen möglich
(Beispiel: Seide).
Tertiärstruktur: Räumliche Anordnung der Sekundärstruktur (Windungen und Faltungen der a-Helix). Sie wird bestimmt von den Wechselwirkungen der Aminosäure-Seitenketten Beispiel: Tertiärstruktur des Myoglobins
Dauerwellen: Lösen der
Disulfidbrücken und Neuverknüpfung Trotz vieler theoretisch möglicher
Tertiärstrukturen eines Proteins ist die biologische Wirksamkeit an eine ganz
bestimmte Tertiärstrtuktur gebunden - Entstehung? - Quartärstruktur:
(Fast
immer, wenn MG über 50000 - ca. 200 AS)) Beispiel: Hämoglobin aus 4
Untereinheiten:
Methoden der Proteinchemie
Elektrophorese
Prinzip: Geladene Teilchen wandern im elektrischen Feld in
Richtung auf die entgegengesetzt geladene Elektrode. Die Charakterisierung und Trennung von Proteinen aufgrund
ihrer unterschiedlichen Ladung im elektrischen Feld ist eine der wichtigsten
Methoden der Proteinchemie. Die Ladung der Proteinmoleküle hängt vom pH-Wert der Lösung
ab. Deshalb muss die Elektrophorese in einer gepufferten Lösung durchgeführt
werden. Durch Aufsaugen der zu untersuchenden Lösung in einem porösen Träger
(z.B. Fitrierpapier, Gel) wird verhindert, dass sich die Proteinzonen
vermischen.
Versuch: Wir beobachten die Wanderung von Albumin (aus Hühnerei).
zur Albuminlösung wurde vorher eine kleine Menge Bromphenolblau gegeben. Dieses
wird als blaues Kation vom Albumin absorbiert und man kann so das Wandern der
Albuminbande beobachten. Fragen: - Welche Molekülgruppen sind für die bei pH 8,6 beobachtete
Wanderungsrichtung verantwortlich? - Sind zwei Stoffe in jedem Fall identisch, wenn sie die
gleiche Wanderungsgeschwindigkeit aufweisen? - Wie könnte man den isoelektrischen Punkt eines Proteins
bestimmen? Denaturierung *)
Unter Denaturierung versteht man die Strukturänderrung eines
Proteins, bei der die biologische Wirksamkeit weitgehend verloren geht, die Löslichkeit
stark verringert wird und Veränderungen der physikalischen und chemischen
Eigenschaften zu beobachten sind. Sie entspricht dem Übergang von einem hochgeordneten
(unwahrscheinlichen) in einen weniger geordneten (wahrscheinlicheren) Zustand
(=positive Entropieänderung) Je nach den Bedingungen kann die Denaturierung reversibel
oder irreversibel sein.
Versuche:
Hitze Hühnereiklar erhitzen / irreversibel Verdaulichkeit von Eiweiß roh oder gekocht besser? Anwendung beim Sterilisieren, Konservieren, Einwecken, Fieber
Säuren Hühnereiklar mit ver. Salpetersäure versetzen /
irreversibel konservierende Wirkung von Säuren (saure Gurken, Sauerkraut,
saure Heringe, Silofutter, Joghurt) Gerinnung von saurer Milch Ursache: Ladungsänderungen an Aminosäureresten verändern
die Tertiärstruktur (Beispiel) Aussalzen Hühnereiklar mit konz. Ammoniumsulfatlösung versetzen:
reversible Fällung (löst sich wieder bei Wasserzugabe) Anwendung: Proteinfällung in der Biochemie (Fraktionierung)
konservierende Wirkung von Salz Ursache: Konkurrenz der Salz-Ionen um die Wassermoleküle Schwermetalle Hühnereiklar mit Kupfersulfatlösung versetzen /
irreversibel Reaktion mit SH-Gruppen (vergl. Silberlöffel, Bleifarben) Giftwirkung der Schwermetalle (Symptome, Beispiele) Blei,
Quecksilber, Cadmium, Kupfer Batterien, Klärschlamm, Quecksilberthermometer organische Lösungsmittel Aceton, Alkohol / nur teilweise reversibel Desinfektion, konservierende Wirkung
Aufgaben: Aminosäuren und Proteine Abituraufgaben Bayern 1994 IV 2 Aminosäuren; Zwitterion, Anion, Kation; IEP; KS und KB-Wert 1995 I 3 Ala, Asp, IEP-Zuordnung, Elektrophorese, Tripeptide (Isomere, Struktur) 1996 I 3 Glycin-Titrationskurve, Strukturformeln bei versch. pH, KS- und KB-Wert, IEP, Pufferbereich 1996 III 3.4 Aspartam Strukturformel 1997 II 3 Glycopeptid aus Phe-Ser-Ala und ß-D-Galactopyranose, Fehling u. Biuretprobe 1997 III 2 Elektrophorese Ala Glu Lys; IEP, Löslichkeit beim IEP 1998 IV 2.3 Tripeptid aus Gly, Ser, Ala; Peptidbindung, Bindungslängen 2000 II 4 Protein: Strukturformelausschnitt, räumlicher Bau der Peptidbindung 2000 IV 2 Glycin + NaOH, pH, Pufferwirkung, Hydrolyse eines Proteins 2001 IV 4 Dipeptid, Tripeptid, Peptidbindung (NH-Gruppe schwach basisch) 2002 I 3 Elektrophorese Proteingemisch 2002 IV 4 Wolle, räumlicher Bau 2004 II 1 Amin aus Val, Basizitätsvergleich mit Anilin, Elektropherogramm, Dipeptid Phe-Asp
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