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2.3 Erscheinungsformen des Sozialverhaltens und ihre Bedeutung
2.3.1 - Kommunikation und soziale
Bindung
Formen
sozialer Zusammenschlüsse Wen keine soziale Attraktion vorliegt: Aggregation (anziehende Wirkung von Umweltgegebenheiten führt zur Ansammlung von Individuen (Kinobesucher, Bushaltestelle, Tränke) Anonyme Verbände - wenn Tiere durch soziale Attraktion zusammengeführt, aber ohne individuelle Bekanntschaft offener anonymer Verband: die Einzeltiere sind beliebig gegeneinander austauschbar Beispiele: - Fischschwarm (Elritzen): abgesprengte Einzeltiere zeigen deutliche Appetenz, wieder in den Schwarm zurückzukehren - Brutkolonien der Vögel: Zusammensetzung aus Paaren, die sich individuell kennen geschlossener anonymer Verband: Mitglieder erkennen ihre Gruppenzugehörigkeit, Gruppenfremde werden angegriffen Beispiele: - Ratten- und Mäuseverbände, auch Bienen Bindung durch Gruppengeruch, gegenseitige Markierung mit Harn, aber keine individuelle Bekanntschaft, daher auch keine Rangordnung Versuch: Von zwei zusammenlebenden Hausmaus-Männchen eines mit Urin eines fremden Artgenossen eingerieben -> Kämpfe Versuch von STEININGER: Wanderratten von verschiedenen Fangplätzen in große Gehege mit natürlichen Bedingungen, nach Eingewöhnung Revierbesetzung, Paarbildung, Kämpfe, Überlegenheit der Kräfte eines Paares kann jede weitere Paarbildung verhindern, in 64 m² großen Gehegen waren nach 2 - 3 Wochen alle übrigen 10 - 15 Ratten umgebracht, Tod meist durch Sepsis (Bisse) oder Versagen der NNR, auch Anschleichen und Biss in die Halsschlagader Fortsetzung? Friedfertigkeit und Zärtlichkeit gegenüber den Nachkommen, kein Kampf zwischen Artgenossen, keine Rangordnung, keine Benachteiligung der Jüngeren und Schwächeren, Kontaktbereitschaft, keine Individualdistanz. Einsetzen einer fremden Ratte?! Individualisierte Verbände: Durch das Band individueller Bekanntschaft zusammengehalten - Gruppe, im Gegensatz zur anonymen Schar - unterscheiden von der Ortsehe der Störche Beispiele: Hühner, Buntbarsche, Graugänse Partnerbindung durch Balz-, Sexual- und Brutpflegeverhalten Umorientierung des aggressiven Verhaltens beim Buntbarsch und bei Graugänsen als Bestandteil des Balzverhaltens Ritualisation: Veränderung einer
Verhaltensweise im Dienste der Signalbildung Beispiel:
Entstehung der Phasianidenbalz aus dem Futterlocken a)
Haushahn futterlockend b)
Lockphase beim Jagdfasan c)
„Ekstase“ beim Glanzfasan d)
„Ekstase“ beim Pfaufasan e) „Ekstase“ beim Pfau
2.3.2 - innerartliche Aggression und Aggressionskontrolle:
Rangordnung bei Hühnern: Hackordnung Entstehung: in der 3.Lebenswoche der Küken, auch wenn einander fremde Hühner zusammengebracht werden, Reihenfolge abcd usw., auch Dreiecksverhältnisse, Hähne sind i.allg. übergeordnet Rechte und Pflichten des Ranghöheren: - darf zuerst zum Futterplatz, an den besten Schlafplatz - Schutz der Gruppe vor Feinden, Schlichtung von Streitigkeiten, Führungsfunktionen, z.B. Zeit des Aufbruchs, Wanderrichtung, Beschützerrolle Einflüsse auf die Stellung innerhalb der Rangordnung - Prachtkleid der Männchen bei Vögeln hat einschüchternde Wirkung (weibl. Buchfinken, deren Unterseite man rot färbte wie bei Männchen, stiegen in der Rangordnung) - Geweih- und Horntragende Huftiere, Größe entscheidet, aber nur Symbolwert, Wildschafe können sich nach ihrer Horngröße kampflos in eine neue Gruppe einordnen - Weibchen steigen in der Rangordnung, wenn sie Junge habe oder sich mit einem ranghohen Männchen verpaaren - Intelligenz (Lärm des Schimpansen Mike) oder die Fähigkeit, Freundschaften zu schließen (gemeinsam kämpfen) kann ebenso wie körperliche Kraft die Rangstellung mitbestimmen. Rangordnungsstreben beim Menschen und seine Ausnützung - Werbung - Sport - Arbeitswelt Soziale Integration beim Menschen Kritik der Massenpsychologie von LE BON, ORTEGA, FREUD Wo gibt es Massenphänomene? -> Panik! Gruppen! Interaktionen! Leistungsvorteil der Gruppe a) Gruppenleistungen des Hebens und Tragens (Tauziehen, Pyramiden, f. Cheopspyramide 2,3 Mio Quader mit ca. 20 Zentner - Kräfte-Addition, aber Hausbau?
Kollektivleistung von n Personen beim Tauziehen b) Suchen und Beurteilen Beispiel: Vergleichsfiguren, Fehlerausgleich
Bedeutung der Anzahl Grenzfall: Die Gruppe ist potentiell allwissend, sofern sie im Durchschnitt ihrer Mitglieder wenigstens ein Fünkchen Wissen besitzt. Voraussetzung: Unabhängigkeit der Einzelentscheidungen Integration einer Gruppe SHERIFsches Experiment: Das Miteinander wird sichtbar Ein schwacher Lichtpunkt wird kurze Zeit dargeboten -> Illusion der Bewegung (Nystagmus) Ergebnis: Konvergenz bei Schätzungen - trotz Falschheit verbindlich - Anspruch auf eine geordnete Umwelt Welche Personen neigen am wenigstens dazu, dem Konformitätsdruck nachzugeben? Was fördert den Gruppenzusammenhalt? - Gemeinsame Not, gemeinsamer Gegner, gemeinsamer Vorteil, gemeinsame Freude Rang und Ansehen in der Gruppe Einfluss des Prüfers, Meinung, Halo-Effekt Der gruppenspezifische Rangplatz strahlt auf Beurteilung von Charakter, Fähigkeit, Leistungen aus System der alternierenden Bündnisse in einer Aufstiegs-Hierarchie - Tüchtigkeitsrangordnung - Beliebtheitsrangordnung Die Gruppe bewertet ihre Mitglieder in zweifacher Weise: nach Leistungsbeitrag zur Erreichung des Gruppenzieles und nach Beitrag zum menschlichen Zusammenhalt der Gruppe Führer-Rolle - Unfreiheit des Führers: hält sich strenger an die Normen der Gruppe als sonst ein Mitglied - Eigenschaften: Tüchtigkeit (Beitrag zu Gruppenarbeit), Selbstvertrauen (Entscheidungsfindung), Anpassungsfähigkeit an Gruppenregeln und Gruppennormen Anerkennung durch die Kameraden Unzulänglichkeit des Vergleichs menschlicher Gruppen mit tierischen Rangordnungen Aufgabe: Mit Bleistift ein Tier legen, Achtertakt klopfen, keine Anweisungen Diskussion: Wodurch wird die Erreichung des Zieles gefördert? - Einfühlung und Anpassung - Rücksicht - Orientierung am gemeinsamen Ziel - Toleranz Durch intensiven Kontakt wäre wahrscheinlich ein besseres Ergebnis zustande gekommen wichtig also: Kontakte und Rollenverteilung, z.B. anerkannte Führung
Aufstellung eines Soziogramms (anonyme Auswertung) - mit welchem Mitglied der Gruppe möchten Sie gerne zusammenarbeiten - eine Urlaubsreise unternehmen? Diskussion: Welche Verhaltensweisen fördern eine gute Zusammenarbeit? Rücksicht, Toleranz, Sachlichkeit, Offenheit, Zuverlässigkeit, Respekt, Kollegialität, Diskretion, gegenseitige Anerkennung (Bewertung 1-6 Punkte) Territoriales Verhalten bei
Tieren, Steuerung der Bevölkerungsdichte Methoden der Reviermarkierung - Vögel Formen territorialen Verhaltens beim Menschen Steuerung der Bevölkerungsdichte durch sozialen Stress bei Tupajas - bei zu geringer Reviergröße (auch ständiger Anblick von Artgenossen): Weibchen stillen ihre Jungen nicht mehr, fressen sie sogar, bei Männchen Rückbildung der Hoden, Abnahme der Fortpflanzungsgeschwindigkeit - weitere dichteabhängige Stresserscheinungen: Störung der Funktion der Milchdrüsen - Sternaldrüse liefert kein Sekret mehr -> die Duftmarkierung der Jungen unterbleibt, Jungen werden von der Mutter und anderen Insassen gefressen (Kronismus) - Weibchen werfen keine Jungen mehr, Vermännlichung des Verhaltens (Aufreiten) - bei Männchen wandern die Hoden in die Bauchdecke zurück - NNR-Aktivierung bei Mäusen: Stress-Syndrom, Übererregung, nachfolgend Erschöpfung, Kannibalismus Periodizität von Massenvermehrung und Bevölkerungszusammenbruch bei Feldmäusen ca. alle 4 Jahre (Überfluss des Getreidefeldes wirkt zu massiv auf Vermehrungsrate ein, Verstärkung, Totzeit, Regelkreisschwingungen Bei Säugern führt Überbevölkerung zu einem Stress, der schließlich einen Populationszusammenbruch herbeiführt noch lange, bevor sich Nahrungsmangel bemerkbar macht Ausweg: territoriales Verhalten! wenn ein Gebiet von einem Tier oder einer Tiergruppe gegen Mitglieder der gleichen Art verteidigt wird
- natürliche Landmarken - Duftmarken - akustische Revierbegrenzung Sozialer Stress in Ballungsräumen Folgen zu hoher Bevölkerungsdichte Aggressives und
aggressionshemmendes Verhalten bei Tieren Doppelnatur des Artgenossen: Partner und Rivale - Annäherung, Zusammenschluss, Bindung, andererseits Distanzierung, Aggression Aggressivität: Bereitschaft zur gegnerischen Auseinandersetzung Interspezifische Aggression (zwischenartlich) Raubtiere greifen Beutetiere an (gehört zum Appetenzverhalten für Nahrungsaufnahme) - ist das Raubtier wirklich aggressiv gestimmt? Aggression des Beutetieres gegen den Fressfeind - Verzweiflungskampf bei zu geringer Fluchtdistanz - kritische Distanz (Zirkusdompteure nutzen Schwellenwert zwischen Fluchtdistanz und kritischer Distanz - Gefährlichkeit von Raubtieren in dichter Deckung - bissiger Hund - Angstbeißer - Ratte Intraspezifische Aggression (innerartliche Auseinandersetzung) - Rivalenkämpfe - Revierkämpfe - Rangordnungskämpfe Ist Vernichtung des Gegners Ziel der Aggression? - Arten mit gefährlichen Waffen: Hemm-Mechanismen - Turnier- oder Kommentkämpfe Beispiele: - Säbelantilope - Giftschlangen (z.B. Klapperschlangen) umschlingen einander mit den Schwänzen und erheben sich mit dem Vorderkörper; Zusammenschlagen der Köpfe) - Buntbarsche: Schwanzschlagen, Maulzerren, dabei Drohen und Imponieren durch Prachtkleid und Spreizen von Flossen und Kiemendeckeln
Kampfszenen beim Buntbarsch Aequidens pulcher: a) Breitseits Drohen, leichte Schwanzschläge, unpaare Flossen gespreizt; b,c) Kreisen; e,f) Maulzerren Beschädigungskampf Ratten Beendigung des Kampfes durch Demutsgebärden, angriffshemmende Unterwerfungshaltungen (Gegenteil des Drohens)
- Fische falten Flossen zusammen, Farbänderungen - Hund: infantiles Verhalten Aggression beim Menschen Aggressionstheorien Frustrations-Aggressions-Theorie: Aggression ist immer eine Folge von
Frustration - Frustration führt immer zu einer Art von Aggression Beispiele: - Hund, dem man seinen Knochen wegnimmt - etwas Gesuchtes nicht finden können - Ober bringt Essen zu spät beim Kleinkind Antwort auf Versagung von Triebwünschen (Exploration) Folgerung der Behavioristen für die Erziehung: Eine alles gewährende Erziehung, Erfüllung aller Wünsche, müsste die Aggressivität der Kinder und Jugendlichen weitgehend zum Verschwinden bringen („non frustrated children“) - aber: aggressiv, unausgeglichen und unzufrieden! Menschliche Aggression wird entschuldigt, da ausschließlich reaktiv - nur weil man herausgefordert (frustriert) wurde, ist man aggressiv! [Frustration: jede Störung einer bestehenden zielgerichteten Aktivität] Zusatzannahmen - Stärke der Aggressionsneigung hängt von der Stärke der Frustration ab - bei Bestrafung aggressiven Verhaltens kann die Aggression gehemmt werden - Aggression ist am stärksten gegen den Frustrierenden -> Umlenkung auf andere Ziele oder auf indirekte Formen aggressiven Verhaltens (Ersatzobjekte, Selbstaggression) - Katharsishypothese: das Ausführen der Aggression reduziert die Neigung zu weiteren Aggressionen (Aristoteles, Freud); Gewalt in Filmen, Läuterung der Seele von starken Affekten durch Zuschauen bei der Tragödie aber: nichts Wichtiges kann ohne Frustration erreicht werden - Beispiel Keks - lediglich die im Verbot enthaltene Zurückweisung ruft Aggression hervor Psychoanalytische Triebtheorie FREUD stellt dem Lebenstrieb Eros den Todentrieb Thanatos gegenüber Instinkttheorie der Aggression von LORENZ Definition? Was nicht? Instinkt - also auch Auslösbarkeit durch Schlüsselreize, Appetenzverhalten, endogene Erregungsproduktion(?) 4 Funktionen des Aggressions-Instinkts
Quelle (sehr fragwürdig!): endogene spontane Erregungsproduktion, Triebstau, Möglichkeit unkontrollierter Entladungen Forderung für die Erziehung: aufgestaute Aggressionen in unschädliche Bahnen lenken (körperliche Arbeit, sportliche Wettkämpfe oder Sublimierung Lernpsychologische Theorie der
Aggression - klassisches Konditionieren - operantes Konditionieren - Imitationslernen oder Lernen am Modell (BANDURA) Filme und Fernsehen mit aggressiven Rollenvorbildern x Katharsis-Hypothese (Lit.: TAUSCH S.52) Psychophysiologisches Modell der Aggression Synthese vieler anderer Theorieansätze Kombination von genetischen Komponenten (z.B. Testosteronspiegel) und Umweltbedingungen) Spezifisch menschliche
Aspekte, anthropologischer Ansatz Arten der Aggression bzw. Destruktivität und ihre jeweiligen Voraussetzungen beim Menschen 1. Gutartige Aggression = defensive Aggression - im Dienst des Lebens Pseudoaggression: aggressive Akte die Schaden anrichten können, ohne dass eine Absicht dazu besteht - unbeabsichtigte Aggression Revolver; Komplizierung durch den Begriff der unbewussten Motivation - spielerische Aggression Geschicklichkeitsübung, Kunstfertigkeit (Bogenschießen, Boxen, Fechten); kein Hass als Motiv; Unglücksfälle? - Aggression als Selbstbehauptung to agress (veraltet) = sich vorwärtsbewegen, auf ein Ziel losgehen ohne Zögern, Zweifel oder Furcht Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Aggression (Hormone); weibliche und männliche Berufe (Chirurg, Bergsteiger, Sportler, Geschäftsmann); Durchsetzungsvermögen aber: negative Korrelation zwischen der der Selbstbehauptung dienenden Aggression und Feindseligkeit Autoritäre Atmosphäre in der Familie schwächt die der Selbstbehauptung dienende Aggression = Ungehorsam; Verfolgung der eigenen Ziele bedroht die Macht der Autorität defensive Aggression: Mobilisierung von Angriff oder Flucht, wenn vitale Interessen bedroht sind (Leben, Gesundheit, Freiheit, Eigentum); neurophysiologische Grundlage Die defensive Aggression ist beim Menschen vielmals größer als beim Tier: - das Tier fasst nur eine klare und gegenwärtige Gefahr als Bedrohung auf, der Mensch kann zukünftige Bedrohungen voraussehen - der Mensch kann durch Überredung und Manipulation dazu gebracht werden, Gefahren zu sehen, die in Wirklichkeit nicht existieren - der Bereich der vitalen Interessen des Menschen ist größer als der des Tieres (Werte, Ideale, Ahnen, Vater, Mutter, Boden, Vaterland, Klasse, Religion usw.) - verletzter Narzissmus als Quelle der defensiven Aggression Narzissmus: Erlebniszustand, in dem nur die Person selbst, ihr Körper, ihre Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken, ihr Eigentum völlig real erlebt wird, während alles andere nicht interessiert, höchstens intellektuell, nicht affektiv wahrgenommen wird (auch Gruppennarzissmus; Rom) - Aggression als Reaktion auf den Versuch, verdrängte Bestrebungen bewusst zu machen (Fragen nach Beweggründen anderer Menschen sind tabu; Parteigänger; Profitstreben; Regimekritiker) - konformistische Aggression: Aggressive Handlungen aus Gehorsam; MILGRAM-Experiment - instrumentelle Aggression: Aggression zur Erreichung eines notwendigen oder wünschenswerten Zieles; Drogensüchtige machen Überfälle; Zweideutigkeit der Begriffe notwendig und wünschenswert; Gier Ursachen von Kriegen Antriebe für aggressives Verhalten - Zusammenhang mit Sexual-, Rangordnungs- und Territorialverhalten - als Mittel zum Auskundschaften des sozialen Verhaltensspielraums („soziale Exploration“); Ziel: klärende Antwort des Partners - der Herausforderung eine eindeutige Grenze setzen - Überforderung der Kinder - Angriffe auf Gruppenfeinde und Gruppenaussenseiter (Tierversuche, Kinder) - befohlenes Aggressionsverhalten aus Gehorsam Versuch von MILGRAM 1963: Aufgabe, den Lernprozess einer anderen Person durch Strafen zu motivieren 40 Männer zwischen 20 und 40 Jahren - typische Berufe: Postangestellte, Lehrer, Verkäufer, Ingenieure, Arbeiter Zeitungsanzeige: Gedächtnis- und Lernuntersuchung an der Yale-Universität, 4.50$ für Teilnahme - Versuchsperson und Opfer (vom Versuchsleiter eingeweihte Person) Rechtfertigung der Elektroschocks Opfer wird im Nebenraum vor den Augen der VP auf einem elektrischen Stuhl festgeschnallt... Elektrodensalbe „um Blasen und Verbrennungen zu vermeiden“ - Auftrag der VP: Jedesmal bei falscher Antwort einen Elektroschock verabreichen, außerdem bei jeder falschen Antwort auf dem Schock-Generator einen Strich höher gehen; Voltzahl vorher laut angeben (Bewußtwerdung) - Der Lernende gibt eine vorher festgelegte Reihe von Antworten (z.B. 1 richtige, 3 falsche Antworten - bis 300 V kein Zeichen des Protestes zu hören, darüber hörbares Hämmern der VP gegen die Wand; Antworten von nun an ohne Plan - VP deutet an, dass sie nicht mehr weitermachen möchte Aufforderungen des Versuchsleiters 1. Bitte machen Sie weiter; bitte fortfahren 2. Das Experiment erfordert, dass Sie weitermachen 3. Es ist unbedingt erforderlich, dass Sie weitermachen 4. Es bleibt Ihnen keine andere Wahl - Sie müssen weitermachen Anwendung der Reihe nach Bei Weigerung nach Aufforderung 4: Abbruch des Experiments Frage der VP nach dauerndern körperlichen Schäden: „wenn die Schocks vielleicht schmerzhaft sind, so erleidet das Muskelgewebe doch keinen Dauerschaden, machen Sie also ruhig weiter“ Ergebnis: - Nervosität bei VP, äußerste Anspannung, Schwitzen, Zittern, Stottern, auf die Lippen beissen, Stöhnen, Fingernägel ins Fleisch graben - nervöse Lachkrämpfe bei 14 der 40 VP keine VP hörte unter 300 V auf - 5 der 40 weigerten sich, über 300 V hinauszugehen, 4 noch einen weiteren Schock, 2 bei 330 V, je einer bei 345, 360 375 V; insgesamt widersetzten sich 14 Personen = 35% dem Versuchsleiter die Gehorsamen: - extremer Stress - Seufzer der Erleichterung bei Beendigung des Experiments, Zigarette - einige ohne Anzeichen von Spannung!
Folgerungen von MILGRAM: - Stärke der Gehorsamstendenzen - starke innere Anspannung (warum nicht einfach aufgehört oder weitergemacht?) Analogie zu Kriegsverbrechern? Psychologe, ein Vertreter der Wissenschaft, kann doch nicht Falsches oder Unmoralisches befehlen - eher erstaunlich, dass 35% den Gehorsam verweigerten Spannung: im wirklichen Leben stellt sich der Mensch nicht seinen Konflikten; Rationalisierungen - Untersuchung der ruhig gebliebenen Personen wäre notwendig Nachweis starker innerer Kräfte gegen Grausamkeit und Sadismus (vergl. Verschleierung in totalitären Systemen) FROMM: Instinktreduktion - mehr Handlungsfreiheit - aber Gefährdung durch technische Intelligenz (Waffen!) subtile Formen der Aggression: Vorurteile, aggressive Phantasien, Misstrauen, Schuldgefühle, Selbstbeschädigung Nekrophile Charakterzüge: - leidenschaftliches Angezogenwerden von allem, was tot, vermodert, verwest, krank ist - Leidenschaft, alles, was lebendig ist, in etwas unlebendiges zu verwandeln - zu zerstören um der Zerstörung willen - ausschließliches Interesse an allem, was rein mechanisch ist - Leidenschaft, lebendige Zusammenhänge zu zerstückeln |