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|
|
1 Zellbiologische Grundlagen der Vererbung 1.1
Chromosomen als Träger der genetischen Information 1.1.1
arttypische Zahlenkonstanz, Aufbau und Individualität 1.1.2
Zellzyklus - Verdopplung und Weitergabe des genetischen Materials im Zellzyklus 1.1.3 Bildung
der Geschlechtszellen - Meiose 1.2 mono- und
dihybride Erbgänge aus der Sicht der Chromosomentheorie der Vererbung 1.3
Erscheinungsbild und Erbgang von Merkmalen beim Menschen 1.3.2
Vererbung des Geschlechts 1.4 genetische
Familienberatung 1.4.1
vorbeugende Beratung 1.4.2 pränatale
Diagnose 1.5 Einfluss
der Umwelt auf die Merkmalsausprägung
Zellbiologische
Grundlagen der Vererbung (ca. 25
Std.)
Die Schüler
festigen und vertiefen ihre in der Mittelstufe erworbenen Kenntnisse aus der
klassischen Genetik und der Cytogenetik. In der Zusammenschau dieser beiden Ansätze
erfahren sie, wie die Ergebnisse phänomenologischer Untersuchungen durch
zellbiologische Befunde auf eindrucksvolle Weise bestätigt und erweitert werden
können. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die
Auseinandersetzung mit ausgewählten Erbgängen und Erbkrankheiten beim
Menschen. An Fragen der genetischen Familienberatung sollen die Schüler ihren
Blick für die Dimension der menschlichen Verantwortung schärfen. Chromosomen
als Träger der genetischen Information
Hinführung: - Grundfragestellungen der
Genetik - Bedeutung der Genetik Wiederholung: Das
elektronenmikroskopische Bild der Zelle
Zellkern
(mit Kernmembran, Nucleoli=Kernkörperchen, DNA, Histone) Zytoplasma Endoplasmatisches
Retikulum (auch granulär, mit Ribosomen besetzt) Mitochondrien
(Energiegewinnung - ATP - „Kraftwerke“) Golgi-Apparat
(Sekretion) Lysosomen Zellmembran
(Lipid-Doppelschicht, Aufbau) Wiederholung: Das
elektronenmikroskopische Bild der Zelle
Tierzelle (Schema):Zellmembran, Cytoplasma, Zellkern, Endoplasmatisches Retikulum, Mitochondrien, Golgi-Apparat, Ribosomen, Lysosomen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lehrplan |
mono-
und dihybride Erbgänge aus der Sicht der Chromosomentheorie der
Vererbung: dominant-rezessive und intermediäre Genwirkung Wiederholen und Anwenden der Mendelschen Regeln (vgl.
B9.4); Einführen des Genund Allelbegriffs; Lösen von Aufgaben
zur Genverteilung; Herausstellen des statistischen Charakters der
Vererbungsregeln; Hinweis auf das Phänomen der Genkoppelung (ca. 7 Std.) |
| Literatur | |
| Medien | |
| Geräte | |
| Chemikalien, Material |
Gesetzmäßigkeiten
der Vererbung - Mendelsche Regeln
Welche
Versuchsobjekte wären geeignet? Menschen? Rinder? - Vorteile der Erbsen: große
Zahl (statistische Sicherheit), rasche Generationenfolge, leichte Erkennbarkeit
von Merkmalen.
Mendels Versuch: Kreuzung zweier Erbsenrassen

?
Wie könnte die Tochtergeneration aussehen?
Ergebnis:
In der F1-Generation alle Erbsensamen gleich - eine Farbe: gelb hat sich
durchgesetzt, sie ist dominant.
?
Ist das Merkmal für Grün verlorengegangen? -> Kreuzung der F1 untereinander
-> Aufspaltung.
Grün
ist nicht verlorengegangen, sondern wurde verdeckt vererbt (rezessiv).
Kreuzungsversuche,
die zur 1. und 2. Mendelschen Regel führten:
1.
Mendelsche Regel: Kreuzt man zwei Individuen einer Art, die sich in einem
Merkmal reinerbig unterscheiden, so sind die Nachkommen in der F1-Generation
unter sich gleich (Uniformitätsregel).

Erklärung
mit Hilfe des Chromosomenmodells

Begriffe:
dominant:
ein Gen kommt auch in heterozygotem Zustand phänotypisch zur Ausprägung
rezessiv:
ein Allel, das nur in homozygotem Zustand phänotypisch ausgeprägt wird
Allele:
die verschiedenen Zustände eines Gens
Genotyp:
Erbbild
Phänotyp:
Erscheinungsbild
homozygot:
beide Allele eines homologen Chromosomenpaares sind gleich
heterozygot:
die beiden Allele eines homologen Chromosomenpaares sind verschieden
2.
Mendelsche Regel: Kreuzt man die Mischlinge der F1-Generation untereinander, so
treten in der F2-Generation auch die Merkmale der Eltern in einem festen
Zahlenverhältnis wieder auf (Spaltungsregel).
Beim
dominant-rezessiven Erbgang erfolgt die Aufspaltung im Verhältnis 3 : 1.
Aufgabe:
Ergebnis der Rückkreuzung P x F1 ? [Ergebnis:
1:1]
Statistischer
Charakter der Vererbungsregeln
Modellversuch
zur Entstehung von Häufigkeitsverhältnissen
aus
jedem Gefäß blindlings je eine Kugel entnehmen und Phänotyp notieren, zurücklegen

|
Genotyp Phänotyp
|
AA
|
Aa
|
aa
|
|
Häufigkeit
|
Intermediärer
Erbgang
Beispiel:
Wunderblume

Zahlenverhältnis
1:2:1
Bei
intermediärer Vererbung werden beide
Allele eines Gens nebeneinander ausgeprägt. Der heterozygote Zustand ist im
Phänotyp erkennbar.
Phänotypen
zweier reinerbiger Erbsenrassen:
gelb, rund
grün, kantig
Kreuzungsergebnis:
in der F1-Generation alle
gelb, rund
?
Welche Allele sind dominant, welche rezessiv?
G
-> gelb
g
-> grün
R
-> rund
r
-> kantig

Zahlenverhältnis:
9:3:3:1
3.
Mendelsche Regel: Werden zwei reinerbige Individuen gekreuzt, die sich in
mehreren Merkmalen unterscheiden, dann treten in der F2-Generation sämtliche
Kombinationen der Merkmale der P-Generation auf. Die einzelnen Merkmale werden
unabhängig voneinander vererbt (Unabhängigkeitsregel, Regel von der freien
Kombinierbarkeit der Gene).
Aufgabe: Rückkreuzung der doppelt heterozygoten Erbsenrasse
| Lehrplan |
-
ABO-System kodominante Genwirkung -
Vererbung des Geschlechts Diskussion des theoretischen und tatsächhchen Zahlenverhältnisses (ca. 2 Std.) -
Erbkrankheiten
Erscheinungsbild und Entstehung der freien Trisomie-21 und
einer gonosomalen Genommutation; exemplarische Darstellung je eines
autosomal dominanten und rezessiven sowie eines gonosomal rezessiven
Erbleidens; (- Y" Ev, Eth: Wecken von Verständnis für Betroffene) (ca. 5 Std.) |
| Literatur | |
| Medien | |
| Geräte | |
| Chemikalien, Material |
Landsteiner
1901
4
Phänotypen: A, B, AB, 0
Inzwischen
sind mehr als 20 verschiedene Blutgruppensysteme bekannt, für Blutübertragungen
nur das AB0-System und das Rhesus-System von Bedeutung.
| Blutgruppe | A | B | AB | 0 |
| Rote Blutkörperchen mit Antigenen |
Anti-A-Antigene |
Anti-B-Antigene |
Anti-A- und Anti-B-Antigene |
keine Antigen |
| Serum enthält |
Anti-B-Antikörper |
Anti-A-Antikörper |
-
keine Antikörper |
Anti-A- und Anti-B-Antikörper |
| Agglutination | ![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
| Häufigkeit in Europa | 43% | 14% | 6% | 37% |
A,
B und 0 sind multiple Allele, d.h. für
einen Genort existiert eine Reihe verschiedener Allele in der Bevölkerung (bei
einem Individuum natürlich nur 2)
Kodominante
Vererbung der Allele A und B: Im
heterozygoten Zustand werden beide Allele nebeneinander ausgeprägt
Die
Allele A und B verhalten sich dominant über das Allel 0.
| Phänotyp | Genotyp |
| A | AA oder A0 |
| B | BB oder B0 |
| AB | AB |
| 0 | 00 |
Rh-System:
Rh+ verhält sich dominant über rh- und ist für die Sensibilisierung
verantwortlich
Aufgaben:
In
einer Entbindungsanstalt wurden in einer Nacht vier Kinder geboren und
versehentlich nicht gekennzeichnet. Ihre Blutgruppen konnten als A, B, AB und 0
ermittelt werden. Die Blutgruppenbestimmung bei den vier Eltern ergab:
I.
0 x 0
II.
AB x 0
III. A x B
IV. B x B
Begründen
Sie durch Angabe der möglichen Genotypen, auf welche Weise die vier Kinder
eindeutig den vier Elternpaaren zugeordnet werden können.
Auf
einer Wöchnerinnenstation: Frau Schmidt bekam ein Baby mit dem Schild
„Meyer“, eine andere eines mit dem Schild „Schmidt“. Wurden die Schilder
verwechselt oder die Babies?
Blutgruppen:
Frau
Schmidt: 0
Herr
Schmidt: AB
Baby
„Schmidt“: A
Baby
„Meyer": 0
Kind
während des Krieges auf der Flucht abhanden gekommen.
Vater:
A Mutter: 0
Kind: AB
Zeigen
Sie an Beispielen der Blutgruppenvererbung die Gültigkeit der 1. und 2. Mendelschen
Regel.
Im
folgenden Stammbaum sind die Blutgruppen bei einzelnen Personen angegeben.
Tragen Sie die fehlenden Blutgruppen ein und geben Sie bei allen Personen die möglichen
Genotypen an:

Bestimmung
durch die Geschlechtschromosomen:
Die
Frau bildet nur eine Sorte von Eizellen mit jeweils einem X-Chromosom, der Mann
zwei Sorten von Spermien, mit X- oder Y-Chromosom im Verhältnis 1:1.

Theoretisches
Geschlechterverhältnis: 1 : 1
aber:
auf 100 Mädchengeburten kommen 106 Knabengeburten
-
mögliche Ursachen? (Beweglichkeit? Lebensdauer?)
Feststellung des genetischen Geschlechts des Menschen
Barr-Körperchen: inaktiviertes X-Chromosom [Skizze]
Die Zahl der Barr-Körperchen ist jeweils um eins kleiner als
die Zahl der vorhandenen X-Chromosomen
Mann: normalerweise kein Barr-Körperchen
Frau: normalerweise ein Barr-Körperchen
Bedeutung und Problematik der zellkernmorphologischen
Geschlechtsfeststellung im Leistungssport
| Lehrplan |
Erscheinungsbild und Entstehung der freien Trisomie-21 und
einer gonosomalen Genommutation; exemplarische Darstellung je eines
autosomal dominanten und rezessiven sowie eines gonosomal rezessiven
Erbleidens; (- Y" Ev, Eth: Wecken von Verständnis für Betroffene) (ca. 5 Std.) |
| Literatur | |
| Medien | |
| Geräte | |
| Chemikalien, Material |
Unterscheide:
numerische
und srukturelle
Chromosomenaberrationen
autosomale
und gonosomale
Chromosomenaberrationen
Trisomie-21
Symptome:
-
schräggestellte, schlitzförmige Lidspalten („Mongolismus“)
-
kleinwüchsig, kurze Extremitäten
-
rudlicher Kopf mit dicker Zunge im leicht geöffneten Mund
-
kurzfingrige, plumpe Hände mit abnormen Hautleistenmustern
(20%
mit einziger Knickfurch am kleinen Finger, 40% (gegenüber 4%) mit durchgehender
Querfurche „Affenfurche“)
-
Schwachsinn (im günstigsten Fall sonderschulfähig)
-
angeborene Herzfehler und erhöhte Infektionsanfälligkeit vermindern die
Lebenserwartung (50% sterben bis Ende des 6. Lebensjahres)
Häufigkeit:
1:600

Häufigkeitszunahme
mit steigendem Alter der Mutter
Mutter 25: ca. 3000:1
Mutter 40: ca. 50:1
DIA:
Chromosomensatz mit drei Chromosomen Nr. 21
DIA:
Non-disjunction
Entstehung
durch Non-disjunction (=
Fehlverteilung von einzelnen Chromosomen in Mitose oder Meiose)

Non-disjunction
in der Meiose: Die Chromosomen eines Paares haften derart aneinander, dass sie
sich in der Anaphase gemeinsam zu einem Zellpol bewegen.
Durch
Non-disjunction der beiden Chromosomen Nr.21 während der Meiose entsteht eine
Eizelle mit zwei Chromosomen Nr.21, die bei der Befruchtung mit einem normalen
Spermium eine Zygote mit drei Chromosomen Nr.21 ergibt.
(Chromosomenpaarung
erfolgt noch im Embryo - Verharren in der Prophase - Fortsetzung der Meiose erst
kurz vor der Ovulation)
andere
Möglichkeit:
Non-disjunction
in der Mitose - Folge: mongoloide Mosaikbildung - Schwierigkeiten bei der
Diagnose

-
Trisomie 13 (D-Trisomie) und 18 (E-Trisomie) nur wenige Tage lebensfähig
-
Deletionen
Ursache:
Non-disjunction
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
|
X0 |
XX |
XXX |
XXXX | XXXXX | |
|
Turner-Frau (1 : 2500) kleinwüchsig Intelligenz normal unfruchtbar |
normale Frau |
Poly-X-Frauen (1 : 1000) - äußerlich unauffällig ("super-female"? - meist fruchtbar - Intelligenz oft leicht vermindert |
|||
|
Y0 |
XY |
XXY |
XXXY | XXXXY | |
| unbekannt, letal | normaler Mann |
Klinefelter-Männer (1 : 600) - Hochwuchs (lange Gliedmaßen) - Intelligenz leicht vermindert - nicht zeugungsfähig (keine Spermien) |
|||
|
YY0 |
XYY |
XXYY | XXXYY | XXXXYY | |
|
unbekannt, letal |
Diplo-Y-Männer (1 : 600) - Hochwuchs (über 1,80 m) - Intelligenz leicht vermindert - Verhalten unauffällig! "Mörderchromosom"?? - zeugungsfähig (Pubertät normal) |
||||
Aufgaben:
Nennen
Sie zwei Symptome der Trisomie 21 (=Down-Syndrom)
Die
Chromosomenanalyse einer normalen Frau ergab eine Zahl von 45
Chromosomen. Beide X-Chromosomen waren vorhanden. Ein Chromosom ohne homologen
Partner erwies sich als Verschmelzungsprodukt der beiden Chromosomen Nr.21
(=21/21-Translokation).
Welchen
Einfluss erwarten Sie für die Kinder dieser Frau? (mit Begründung unter
Verwendung einer Schemaskizze)
Welche
möglichen Chromosomenkonstellationen (=Karyotypen) sind bei den Kindern eines
Mannes mit Diplo-Y-Syndrom (XYY) zu erwarten? (mit Begründung unter Verwendung
einer Schemaskizze)
Erklären
Sie unter Verwendung einer beschrifteten schematisierten Skizze das
Zustandekommen der Chromosomenkonstellation (=Karyotyp)
XXYY. (Rückseite benützen!)
Einführung:
Häufige Krankheitsursachen: Bakterien, Viren (Schnupfen, Grippe usw.) -
Krankheiten mit genetischer und umweltbedingter Ursachenkomponente:
Zuckerkrankheit, Schizophrenie, Epilepsie. Bei einigen Krankheiten folgt der
Erbgang streng den Mendelschen Regeln: also von einem einzigen mutierten Gen
verursacht (Erbkrankheiten).
Beispiel:
Kurzfingrigkeit (Brachydactylie)

Merkmale
des autosomal-dominanten Erbgangs:
-
Merkmalsträger geben das Merkmal an die Hälfte ihrer Nachkommen weiter.
-
Bevorzugung eines bestimmten Geschlechts besteht nicht.
-
unter den Nachkommen merkmalsfreier Personen tritt das Merkmal niemals auf - von
seltenen Spontanmutationen abgesehen.
Voraussage
über die Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen bei den Kindern?
Kombinationsquadrate
zur Darstellung der Verteilung bei dominanten Merkmalen:
Aa
x aa
| Kz | a | a |
| A | Aa | Aa |
| a | aa | aa |
1 : 1
Aa
x Aa
| Kz | A | a |
| A | AA | Aa |
| a | Aa | aa |
3 : 1
Welche
Gründe könnten vorliegen, wenn die Symptomatik auf ein autosomal-dominantes
Erbleiden hinweist, jedoch beide Eltern gesund sind und auch bei den Verwandten
keine Krankheitsfälle nachweisbar sind?
Heterogenie: Äußerlich gleiche Krankheitsbilder können genetisch
verschiedene Ursachen haben
unvollständige Penetranz (=“Durchschlagskraft“) eines Gens
Neumutationen
umso wahrscheinlicher, je schwerer das betreffende Erbleiden schon in frühem
Alter das Leben seines Trägers beeinträchtigt und je weniger sich die
Merkmalsträger fortpflanzen
Phänokopie: Durch Außenfaktoren bewirkte Veränderung z.B.
Thalidomid-Embryopathie
Autosomal
dominante Erbleiden:
Kurzfingrigkeit,
Vielfingrigkeit, Spalthand, Spaltfuß, Knochenbrüchigkeit,
Chondrodystrophischer Zwergwuchs, Marfan-Syndrom, Muskeldystrophie, erblicher
Augenkrebs, erbliche Nachtblindheit, Veitstanz
Albinismus
Mucoviscidose
Taubstummheit
Beispiel:
Stammbaum der Bluterkrankheit in europäischen Fürstenhäusern

Das
mutierte Gen liegt im X-Chromosom. Da dieses beim Mann keinen homologen Partner
besitzt, haben die dort lokalisierten Gene auch keine Allele. Selbst rezessive
Gene führen in diesem hemizygot
genannten Zustand bereits in einfacher Ausfertigung zur Manifestation des
Merkmals.
[Testtafeln
zur Erfassung der Rot-Grün-Blindheit]
Regelmäßigkeiten
des X-chromosomal-rezessiven Erbgang:
![]() |
-
Aus der Ehe eines rot-grünblinden Mannes mit einer farbentüchtigen Frau gehen
nur farbentüchtige Söhne und Töchter hervor. -
Heiratet eine farbentüchtige Frau, deren Vater rot-grünblind war, einen
farbentüchtigen Mann, so überträgt sie („Überträgerin, Konduktorin“)
den Defekt auf die Hälfte ihrer Söhne. Alle Töchter erscheinen normalsichtig. -
Heiratet eine Überträgerin einen normalsichtigen Mann, so gehen aus der Ehe
dieses Typs gleich häufig farbengestörte und farbentüchtige Söhne
hervor. -
Aus der Ehe einer rot-grünblinden Frau und einem farbentüchtigen Mann gehen
ausschließlich rot-grünblinde Söhne und farbentüchtige Töchter hervor. -
Sind beide Eltern farbuntüchtig, können nur ebensolche Kinder entstehen.
|
| Lehrplan |
genetische
Familienberatung (->GE, FA) -
vorbeugende Beratung
Risikoabschätzung, z.B. durch
Stammbaumanalyse; Hinweis auf eugenische Aspekte (->K,Ev,Eth;->W) -
pränatale Diagnose
Aufzeigen verschiedener Möglichkeiten; Schutz ungeborenen Lebens und Fragen des Schwangerschaftsabbruchs (->K,Ev,Eth); Hinweis auf die begrenzte Behandlungsmöglichkeit von Erbleiden |
| Literatur | |
| Medien | |
| Geräte | |
| Chemikalien, Material |
Beispiel
Phenylketonurie
Die
Umwandlung von Phenylalanin in Tyrosin verläuft bei Heterozygoten viel
langsamer (weniger Enzym).
Prognosen
über die Verschlechterung des menschlichen Erbguts
-
Ausschaltung der natürlichen Selektion durch medizinischen Fortschritt und
soziale Fürsorge
Beispiele:
Farbenblindheit
Kurzsichtigkeit
Diabetes
Anfälligkeit
für Infektionskrankheiten
Diese
Defekte sollen sich in der Population durch Neumutationen (Mutationserhöhung
durch Zivilisation) immer mehr anhäufen
Beispiel
Diabetes kritisch überdenken
überdurchschnittliche
Fortpflanzung der Minderbegabten?
Forderung
nach eugenischen Maßnahmen? Ist die Gefahr des genetischen Verfalls nicht übertrieben?
- vergl. Idioten, Imbezile, schwere Erbleiden, z.B. Bluterkrankheit, Diabetes
-> verminderte Fruchtbarkeit
Eugenik:
Erforschung und Pflege der menschlichen Erbgesundheit
positive
Eugenik: Förderung „wertvoller“
Eigenschaften
Maßnahmen:
-
künstliche Besamung (wie Rinder oder
Rennpferde?; wünschenswerte Eigenschaften? Vielfalt! Spezialisierung! Heirat
innerhalb von Berufsgruppen;
-
genetische Manipulation
negative
Eugenik: Ausmerzung krankhafter oder
schädlicher Erbanlagen
Maßnahmen:
-
Sterilisation - gibt es noch Zwangssterilisation?
Bei
rezessiven Erbleiden sinnlos - Begründung? - Jeder für ca. 5 rezessive
Erbleiden heterozygot!
-
Heterozygotentest
-
Erbberatung
-
Amniozentese
Voraussetzung
der angewandten Eugenik: Wertmaßstab
-
Gesundheit (Medizin)
wissenschaftlich
nicht begründbare Motive:
-
Vorurteile zugunsten bestimmter Klassen, Nationen oder sog. Rassen
-
Vorstellung von einer Höherentwicklung des Menschen („Übermensch“)
-
Überzeugung, dass Degeneration eine notwendige Folge der Zivilisation sei
(„Selbstdomestikation des Menschen“ bei K. LORENZ; Ansteigen der Kriminalität
wird auf Verlust genetisch verankerter sozialer Verhaltensweisen zurückgeführt...)
Eugenische
Beratung wird im Interesse der betroffenen Familie durchgeführt, nicht zur
Verbesserung der Volksgesundheit
| Lehrplan |
Einfluß
der Umwelt auf die Merkmalsausprägung (-> W) Vorstellen anhand von Beispielen beim Menschen; Problematik
quantitativer Aussagen zum Erbe-Umwelt-Anteil (...ca. 4 Std.) |
| Literatur | |
| Medien | |
| Geräte | |
| Chemikalien, Material |
Ergebnisse
der Zwillingsforschung
Entstehung
von Zwillingen
Häufigkeit:
1,2%, geographische Unterschiede sind rassisch bedingt.
Unterscheidung
von eineiigen und zweieiigen Zwillingen:
Eineiige
Zwillinge (EZ) gehen aus einer Zygote hervor (durch Spaltung eines Keims) und
haben daher die gleichen Erbanlagen.
Zweieiige
Zwillinge (ZZ) entstehen durch die Befruchtung von zwei Eizellen durch zwei
Spermien und stimmen daher wie gewöhnliche Geschwister in der Hälfte des
Erbgutes überein.
Entstehung
Ursache
Zweieiige
Zwillinge (ZZ)
Befruchtung von zwei Eizellen durch zwei Spermien
Polyovulation
Eineiige
Zwillinge (EZ)
Spaltung eines Keims
Spaltungstendenz eines Keims
Unterscheidung
zwischen EZ und ZZ durch polysymptomatischen Ähnlichkeitsvergleich: ZZ
unterscheiden sich in genetisch bedingten Merkmalen wie Geschlecht, Blutgruppen,
Haarfarbe, Augenfarbe, Form von Gesicht, Nase, Ohren, Mund, Hautleistenmuster
usw.
Reziproke
Hauttransplantate heilen nicht an.
?
Auf 300 Zwillingspaare kommen etwa 100 Pärchenzwillinge. Wie viele Zwillingspaare sind eineiig?
Prinzip
der Zwillingsforschung
Vergleiche
von erbgleichen (EZ) und erbverschiedenen (ZZ) Zwillingen, von zusammen und
getrennt aufgewachsenen Zwillingen bieten die Chance, Erb- und Umwelteinflüsse
bis zu einem gewissen Grad auseinanderhalten zu können.
z.B.
muss die Variation eines quantitativen Merkmals (z.B. Körperhöhe) zwischen EZ
ausschließlich umweltbedingt sein, zwischen ZZ können sie durch Anlage und
Umwelt bedingt sein.
Lässt
sich kein Unterschied im Grad der Übereinstimmung in einem Merkmal zwischen EZ
und ZZ feststellen, so ist die beobachtete Variation umweltbedingt.
Zusammenwirken der Kräfte von Erbe und Umwelt
![]() |
![]() |
![]() |
|
verschiedene Phänotypen bei verschiedenem Erb- und Umwelteinfluss
|
verschiedene Phänotypen bei gleichem Erbgut und verschiedener Umwelt EZ-Paare in verschiedener Umwelt (getrennt aufgewachsene EZ) |
verschiedene Phänotypen bei gleicher Umwelt und verschiedenem Erbgut ZZ
in gleicher Umwelt |
Konkordanz: vollkommene Übereinstimmung in einem Merkmal
Diskordanz: Nichtübereinstimmung in einem Merkmal
z.B.
10 konkordante und 14 diskordante Zwillingspaare: 10/(10+14)=0,42 (42%)
Konkordanz
Beispiel:
endemischer Kropf
von
36 EZ 25 = 69% konkordant
von
49 ZZ 35 = 71% konkordant
Ergebnis:
EZ und ZZ gleich häufig betroffen
à
weitgehend umweltbedingt
Fehlerquellen
der Zwillingsforschung
-
Auslese von konkordanten EZ, weil sie besonders auffällig und interessant sind.
Konkordanzraten
müssen an auslesefreien Zwillingsserien vorgenommen werden
-
ungleiche intrauterine Umwelt der beiden Zwillinge
-
höheres Risiko während der Geburt
-
psychologische Schwierigkeiten der Ich-Bildung, Übernahme komplementärer
Rollen (z.B. submissiv-dominierend) oder Entwicklung konträrer Neigungen oder
Interessen
Intelligenztest-
Aufgaben
Regression
zum Mittelwert (Polygenie)
IQ
= (Intelligenzalter/Lebensalter) *100
Verteilung:
50% 90-110
17% 110-120
7% 120-130
2% 130-140
0,4%
> 140
Auswirkungen
einer Egalisierung der Lern- und Lebensbedingungen („Chancengleichheit“)?
Je
differenzierter das Bildungsangebot und Anforderungen auch für charakterliche,
körperliche, künstlerische Anlagen, umso geringeres Gewicht erhalten die
erbbedingten Unterschiede bezüglich der Intelligenz
keine
Gewichtung der Wechselwirkung zwischen Erbe und Umwelt